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Moderiert das BR-Magazin „quer“: Christoph Süß

Dauerbrenner im Bayerisches Fernsehen

Die „quer“-Köpfe

  • Rudolf Ogiermann
    vonRudolf Ogiermann
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Es startete im Jahr 1998 als Nachfolgeformat für „Live aus dem Schlachthof“, dessen Macher nach eigenem Bekunden keine Lust mehr auf „inhaltsschwere Diskussionen“ hatten. Stattdessen bot „quer“ immer donnerstags um 20.15 Uhr eine stets ein wenig augenzwinkernde Mischung aus Politik und Satire. Jetzt wird das Magazin, das seit der ersten Stunde von Christoph Süß (50) moderiert wird, 20 Jahre alt.

München - Dass sie immer noch Spaß haben an ihrem Job, merkt man schon, bevor die Kamera läuft. Moderator Christoph Süß und Kabarettist Wolfgang Krebs flachsen im Studio in Unterföhring (Landkreis München) um die Wette, als sie ihren Text fürs Sendungsfinale einstudieren, den Dialog des Moderators mit einem Politiker, an diesem Tag Markus Söder, der wiederum von einer kaum einen Meter großen Puppe verkörpert wird. Das schräge Gespräch am Ende ist eines der Markenzeichen von „quer“, das nun seinen 20. Geburtstag feiert.

Ein stolzes Alter für das etwas andere Politmagazin, dem die Medienforscher des Bayerischen Rundfunks beim Start im Jahr 1998 keine große Zukunft prophezeiten. „Sieben Prozent Marktanteil seien das Höchste der Gefühle, hat man uns gesagt“, erinnert sich Redaktionsleiter Wolfgang Mezger im Gespräch mit unserer Zeitung: „Die Mischung aus Journalismus und Satire würde die Leute verwirren, hieß es“. Ein Irrtum – im vergangenen Jahr betrug die Quote laut Sender nicht weniger als 15,2 Prozent.

„Die haben nicht mit der Intelligenz der Zuschauer gerechnet“, lacht Mezger, und auch für Moderator Süß hat der Erfolg damit zu tun, „dass wir die Leute nicht für doof halten, sondern für klug, humorvoll und vielseitig interessiert“. Für dieses Publikum berichtet „quer“ immer donnerstags um 20.15 Uhr aus allen Teilen Bayerns, aus der großen Landes- ebenso wie aus der Kommunalpolitik, über Umwelt- und Verbraucherschutz, Verkehrsthemen und prinzipiell über alles, was das friedliche Zusammenleben der Menschen im Freistaat stört.

Das heute laut Eigenwerbung „erfolgreichste und bekannteste bayerische Fernsehmagazin“ war damals das Nachfolgeformat der legendären Gesprächssendung „Live aus dem Schlachthof“. Deren Quote war nach 16 Jahren im freien Fall, „und wir selbst hatten auch keine Lust mehr auf inhaltsschwere Diskussionen“, sagt Redaktionsleiter Mezger. Ein Magazin mit Humor schwebte den Machern als Nachfolger vor, herausgekommen ist schließlich ein „Crossover“ aus hart recherchierten Beiträgen und satirischen Elementen.

Recht echt: Joe Heinrich mit seiner Markus-Söder-Puppe.

Im Zuge der Vorbereitung als Präsentator „entdeckt“ wurde Christoph Süß, nach eigener Aussage damals „als Kabarettist mit einem Programm unterwegs, das sehr wenige Leute besucht haben. Ich war dabei, mir Sorgen zu machen, was wohl aus mir wird“, lacht der wandlungsfähige 50-Jährige, der in der Sendung auch schon einmal in die Rolle des Kini oder in die eines grantelnden Rentners schlüpft. „quer“, das eigentlich „quer durch die Woche“ heißt, hat Süß zum Star gemacht – oder umgekehrt. Der Name stehe nicht zuletzt für den Willen, „sich querzulegen“, betonen Macher und Moderator. Damit der Zuschauer trotzdem noch durchblickt, „erlauben wir uns zwar eine Grundsympathie für die eine Seite, verschaffen aber nach der Maxime ,Audiatur et altera pars‘ auch der anderen Seite Gehör“. Davon unabhängig ist die vom Präsentator vertretene „Meinungskomponente“.

Die Frage, ob Süß’ süffisante Art die Protagonisten der einzelnen Beiträge nicht regelmäßig zur Weißglut bringe und wütende Anrufe in der Chefetage des BR provoziere, verneinen die „quer“-Köpfe. „Da hält der Wolfgang viel von mir weg“, sagt der Moderator, und Mezger fallen nur wenige Ausgaben ein, nach denen es richtig Ärger gab.

„Natürlich wissen wir, wer uns mag und wer uns nicht mag“, sagt der 61-Jährige. „Überhaupt nicht mochte uns Erwin Huber, dafür hat Horst Seehofer unsere Sendung mal öffentlich als ,Kultformat‘ bezeichnet.“ Das sei allerdings schon ein paar Jahre her. „Wir müssen keine Helden sein – ganz im Gegensatz zu unseren Kollegen in der Türkei und in Russland. Wir machen einfach unseren Job“, stellt Süß klar. Und so derbleckt die „quer“-Truppe die führenden politischen Köpfe Ausgabe für Ausgabe nach Lust und Laune. Die Galerie der von Wolfgang Krebs parodierten Führungsfiguren ist schon beeindruckend lang. Edmund Stoiber war einst dabei, außerdem unter anderen Christian Ude, Günther Beckstein, Horst Seehofer – und nun eben Markus Söder.

Der Dialog mit dem Designatus, dem Puppenspieler Joe Heinrich Leben einhaucht, klappt an diesem Tag übrigens gleich im ersten Durchgang. Ein sogenannter „One-Taker“. Kunststück, wenn es noch so viel Spaß macht, auch nach 20 Jahren.

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