Quoten wie zu Boris Beckers Zeiten

- Das Debüt bei einer Fußballweltmeisterschaft lässt RTL in Erinnerungen an längst vergangene Zeiten schwelgen. Der Sonntag mit der Übertragung von drei WM-Vorrundenspielen erreichte mit einem Tagesmarktanteil von 31,3 Prozent den zweithöchsten Wert in der Sendergeschichte. Nur am 30. Juni 1993 hatte der Marktanteil noch höher gelegen. Damals standen sich im Viertelfinale von Wimbledon Boris Becker und Michael Stich gegenüber.

"Ich hatte mit über 30 Prozent gerechnet, auch weil immer noch andere Faktoren eine Rolle spielen. Aber das ist für uns ein faszinierendes Ergebnis", kommentierte Sportchef Manfred Loppe die erfolgreiche Premiere. RTL gehört bei der WM in Deutschland erstmals zu den übertragenden Sendern im deutschen Free TV. Die Kölner hatten sich die Rechte für die Vorrundenspiele an den beiden ersten Sonntagen und die Achtelfinales (ohne deutsche Beteiligung) am darauffolgenden Sonntag gesichert.

Die meisten Fans interessierten sich am Abend für die Begegnung zwischen Portugal und Angola. Durchschnittlich 9,85 Millionen Zuschauer bedeuteten einen Marktanteil von 34,6 Prozent. Das Spiel Niederlande - Serbien und Montenegro sahen 8,13 Millionen, das Match zwischen Mexiko und dem Iran 8,41 Millionen Zuschauer.

Loppe wertet den Zuspruch auch als Bestätigung des deutlich von ARD und ZDF abgegrenzten Angebotes. Moderator Günther Jauch und Gäste plauderten auf einer Massenveranstaltung vor dem Brandenburger Tor in Berlin vor "150 000 bis 180 000 Fans" (Loppe) statt in einem Studio, beim Match Mexiko gegen Iran kam Weltmeister Pierre Littbarski als Co-Kommentator zum Einsatz. "Nach dem Motto ,Die Welt zu Gast bei Freunden’ wollen wir uns auf die Fans zubewegen, weil wir damit auch ein hohes Maß an Authentizität schaffen. Unsere Quoten in der Zwischenberichterstattung sind auch ein Indiz dafür, dass die Zuschauer das mögen."

Trotz der Freude über die "Jahrhundertquote" gab es aber auch Kritik. So äußerte der RTL-Sportchef Unmut über die zu laute Stadionatmosphäre bei der Partie Mexiko - Iran in Nürnberg: "Das hat der Fifa-Dienstleister HBS erst zur zweiten Hälfte in den Griff bekommen." Man habe das HBS-Equipment nehmen müssen. "Das ist streng reglementiert und sehr schlecht, weil wir dadurch unseren eigenen Ansprüchen nicht gerecht werden konnten. Das war ein echter Anlass zu Kritik. So geht es nicht", meinte Loppe.

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