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Eisschnelllauf-Olympiasiegerin Anni Friesinger-Postma posiert mit den Kenianern Amos (l-r), Isaac, Samy und Leonard.

Kritik zu "Real Cool Runnings"

Friesinger, das Menschenfänger-Naturtalent

München - Seit Dienstag versucht Olympiasiegerin Anni Friesinger auf Vox, vier Kenianern das Eisschnelllaufen beizubringen. Im Vorfeld hatte die Doku "Real Cool Runnings" für Wirbel gesorgt. Lesen Sie hier die Fernsehkritik:

Rassistisch? Nein, das ist die neue Doku-Serie "Real Cool Runnings" auf Vox nicht. Vielleicht kommt sie ein wenig missverständlich rüber in einigen Szenen, in denen schwarze Menschen unbeholfen übers glatte Eis purzeln. Man ertappt sich beim schadenfreudigen Lachen. Doch man erheitert sich auch an der anderen Seite, der deutschen. Wenn der Inzeller Herbergsvater Hirschbichler seinen kenianischen Gästen in nicht ganz lehrbuchmäßigem Englisch verspricht: "We learn you Bavarian."

Anni Friesinger als Coach bei "Real Cool Runnings"

Anni Friesinger castet kenianische Ausdauersportler und bereitet sie auf einen Eisschnelllauf-Langstreckenwettbewerb vor – das ist die Geschichte. Und sie lebt zumindest in der ersten von acht Folgen vom Menschenfänger-Naturtalent der Inzellerin, die der eigentlich wenig telegenen Rundendreherei hierzulande ein Gesicht gab und die Übertragungen zum Quotenbringer machte (auch dank ihrer Rivalität mit der Berlinerin Claudia Pechstein).

Friesingers Empathie, als die vier Kenianer ihre Familien für zehn Wochen verlassen und das große Abenteuer Deutschland eingehen, wirkt echt. Und den Auftakt der Serie haben die Produzenten nicht mit Eis-Ulk überladen, sondern auch die Lebensumstände in Kenia beleuchtet. Als Amos, Isaac, Samy und Leonard dann vor dem Abflug ins Hotel durften, das sie bisher nur von außen kannten, und sich vor Glück über gefederte Matratzen und den Obstteller auf dem Zimmer gar nicht mehr einkriegten, hat man ruhig ein bisschen gerührt sein dürfen.

Ab und an ertönt Klischee-Alarm: Bayern in Gestalt von Inzell ist so, wie der Rest-Deutsche sich Horst Seehofers "Vorstufe zum Paradies" vorstellt: mit Eckbänken und geblümten Tischdecken und bewohnt von Menschen, die fehlerhaft, aber beherzt Englisch sprechen und ihren Gästen Wurst und Bier zustecken. Oder es wird Dramatik aufgebaut, wo keine ist. Etwa: Werden die Kenianer bei der deutschen Botschaft überhaupt Visa bekommen? Bange machende Musik. Dabei ist ja klar: Würde ihnen die Einreise verweigert, wäre schon Schluss und es blieben keine sieben Folgen mehr übrig. Aber gut: Dokus haben nun mal ihren Anteil an Seifigkeit.

Unser Fazit zu "Real Cool Runnings"

Sieht man darüber hinweg, ist "Real Cool Runnings" sogar ein durchaus seriöses sportwissenschaftliches Experiment. Ob man Athleten mit herausragender Befähigung einfach so in eine verwandte Disziplin verpflanzen kann und ob die Globalisierung im Sport Karrieren ermöglicht, die bislang aufgrund ihrer Exotik ausgeschlossen schienen – das möchte man nun schon erfahren.

Günter Klein

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