Realität durch Dialekt

München - Franz Xaver Bogners Serie "Der Kaiser von Schexing" über den Bürgermeister einer kleinen oberbayerischen Gemeinde mit Dieter Fischer in der Titelrolle läuft immer freitags (21.35 Uhr) im Bayerischen Fernsehen. Wir stellen Ihnen die Schauspieler vor. Heute: Dorothee Hartinger (37), die die geschäftsführende Beamtin Rosi Specht spielt.

-Sie haben im Fernsehen mit keinem anderen Regisseur so oft zusammengearbeitet wie mit Franz Xaver Bogner - ist das ein Zufall?

Das glaube ich nicht. Interessant wird es ja erst ab der zweiten Zusammenarbeit. Als Schauspieler ist es die Kunst, zum zweiten Mal vom Regisseur besetzt zu werden. Das heißt, dass man miteinander kann. Dann beginnt die eigentliche Arbeit.

-Woher rührt die Anerkennung, die Bogner in der Branche genießt?

Na, von der Qualität. Er ist ein idealer Regisseur. Er schreibt und inszeniert einfach perfekte Fernsehunterhaltung - das wird honoriert. Er schaut den Leuten auf den Mund und bildet die Wirklichkeit ab, aber eben unterhaltsam. Er überhöht die Realität nicht und macht daraus auch keine flache Seifenoper - das ist das Erfolgsgeheimnis.

-Sie sind eine sehr begehrte Theaterschauspielerin und nehmen sich dennoch die Zeit für Fernsehproduktionen.

Das muss man modifizieren. Theaterschauspielerinnen, die fest angestellt sind, so wie ich, sind bei Produktionsfirmen nicht unbedingt sehr gerne gesehen - einfach wegen der Terminschwierigkeiten. Da muss der Regisseur schon sagen: "Genau die will ich haben." Auch wenn das wegen der vielen Vorstellungen am Theater Komplikationen mit sich bringt. Da muss viel Vertrauen im Spiel sein.

-Sie wollen also weiterhin zwischen Bühne und Kamera pendeln?

Diese Vielseitigkeit des Berufs macht doch den Reiz aus. Man muss da auch genrespezifisch denken. Ich mache lieber eine gute Serie für das Fernsehen als etwas Langweiliges am Theater. Der bessere Text, die besseren Leute geben den Ausschlag. Ob das nun ein Stück von William Shakespeare ist oder ein Drehbuch von Bogner, spielt für mich keine Rolle. Besser ein gutes Volksstück als einen faden Klassiker. Man muss alles, was man spielt, ernst nehmen, auch den Boulevard.

-Wie hilfreich ist es für Sie, bei Bogner mit dem Dialekt arbeiten zu können?

Das Bairische ist mir eigentlich fremder als das Hochdeutsche. Das hängt einfach damit zusammen, dass ich so lange mit Bühnendeutsch arbeite. Außerdem komme ich aus der Oberpfalz, das ist dann wieder ein ganz besonderes Bairisch. Aber mit Dialekt kann man Realität schaffen, eine Patina der Volksnähe. Und Bogner schreibt seine Bücher im Dialekt. Es ist ja nicht so, dass da hochdeutsche Sätze stünden, die dann jeder so bajuwarisiert, wie er will.

-Werden Sie nach Fernsehauftritten öfter angesprochen als sonst?

Ich lebe in Wien, und der Einzige, der hier "Schexing" kennt, ist mein Fahrradhändler. Ich werde vor allem vom Bekanntenkreis meiner Verwandtschaft auf meine Fernseharbeit angesprochen. Aber wenn mich tatsächlich jemand wegen "Schexing" auf der Straße erkennen würde, wäre ich darauf stolz.

Das Gespräch führte Zoran Gojic.

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