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Angelika Kallwass widmet schon seit Jahren fiktiven Geschichten

Ist die Realität zu langweilig?

München (dpa) - Die große Mode im TV heißt “gescriptete“ Reality. Hier erfindet das Medium die Handlungen selbst und setzt Laiendarsteller als Protagonisten ein.

Diese tun dann so tun, als sei alles echt. Ob “Die Schulermittler“ bei RTL auf die Jagd nach Schwänzern gehen, ob “Familien im Brennpunkt“ (auch RTL) stehen oder bei Sat.1 Psychotherapeutin Angelika Kallwass ihre Patienten behandelt - in alle Rollen schlüpfen Schauspieler.

Der Produzent der RTL-Reihe “Die Schulermittler“ heißt Günter Stampf und betreibt die Firma Stampfwerk in Hamburg. Er stellte in München bei einer Podiumsdiskussion während der Medientage die These auf: “Alles kann gescripted werden - bis auf die Nachrichten.“ Stampf berichtete, sein Castingverfahren laufe so, dass die Rollen nach der Vorgeschichte der Darsteller besetzt würden. So würden junge Frauen, die mit 16 Mutter geworden sind, beispielsweise durch Frauen gespielt, die tatsächlich in jungen Jahren Nachwuchs bekommen hätten.

Stampf bewunderte, dass es noch vor kurzem im ZDF eine insgesamt sechsteilige Dokumentation von Spiegel TV über den Schulalltag gegeben habe, “für die 8000 Stunden Material gedreht wurde“, wie er sagte. “Das heißt, 7994 Stunden sind weggeschmissen worden. Das können wir uns nicht erlauben. Eine Folge unserer Schulermittler braucht 16 Stunden Drehzeit.“ Und das habe natürlich etwas mit dem Budget zu tun. Der Erfolg gibt dem Produzenten Recht: Scripted Reality wie “Die Schulermittler“ bringt es auf Marktanteile von bis zu 30 Prozent beim werberelevanten Publikum zwischen 14 und 49 Jahren.

Stampf erntete Widerspruch: Sender und Macher müssten die Verantwortung übernehmen, sagte Bettina Reitz, Fernsehspielchefin des Bayerischen Rundfunks. “Für uns zählt Gottseidank nur der Anspruch.“ Dokumentarfilmer Alexander Adolph warnte vor der “Viktimisierung“ der Darsteller. “Menschen, die in der Wirklichkeit schon einmal zu Opfern wurden und damit umgehen müssen, werden durch die Handlung der Reality, in der sie mitmachen, noch einmal zu Opfern. Und für sie gibt es keine psychologische Nachbereitung.“ Stampf betonte, sie spielten ja nur die Rollen - auch wenn sie nach den Ereignissen ihres persönlichen Vorlebens gecastet worden seien.

dpa

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