1860 trauert um „Atom-Otto“

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„Niemand kennt Batic und Leitmayr besser als Miro Nemec und Udo Wachtveitl“, sagt Regisseur Philip Koch (M.,34)

Philip Koch im Interview

Regisseur über München-Tatort: „Der Film geht an die Substanz“

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München - Am Sonntag greift der Münchner Tatort einen früheren Fall auf, in dem ein Familienvater ohne Motiv erstochen wurde. Auch die Kommissare Batic und Leitmayr kommen dabei an ihre Grenzen - wie der Regisseur über sein Tatort-Debüt verrät.

Tatort“, Sonntag,

20.15 Uhr, ARD

„Die Wahrheit“ – sie kam im gleichnamigen Münchner Tatort (vom 23. Oktober 2016) nicht ans Licht. Der Täter, der einen Familienvater willkürlich niedergestochen hatte, ist unerkannt geflohen. Ein Albtraum auch für die Münchner Kommissare Franz Leitmayr (Udo Wachtveitl) und Ivo Batic (Miro Nemec), die am Mord ohne Motiv trotz unermüdlicher Polizeiarbeit scheiterten. An diesem Sonntag greift der Tatort: Der Tod ist unser ganzes Leben die Geschichte noch einmal auf, serviert den psychopathischen Killer sogar auf dem Silbertablett und stellt die beiden Ermittler dabei wieder auf eine harte Probe, die sie nicht unbeschadet überstehen. Dem Münchner Regisseur Philip Koch (Picco) ist ein sehenswertes Tatort-Debüt gelungen. Ein Film, der das Verhältnis der altgedienten Kommissare „für immer verändern wird“, wie er im tz-Gespräch erzählt.

Herr Koch, „Der Tod ist unser ganzes Leben“ ist nicht nur Ihr erster „Tatort“, sondern auch die Fortsetzung eines sehr starken ersten Krimis. Hat Sie das unter Druck gesetzt?

Philip Koch: Ich habe das nicht als einschüchternd empfunden, weil der erste Film noch nicht fertig war, als ich mit der Arbeit an Der Tod ist unser ganzes Leben begonnen habe. Ich kannte nur das Drehbuch von Die Wahrheit. Außerdem war von Anfang an klar, dass wir zwei Krimis machen, die zwar inhaltlich aufeinander beruhen, aber künstlerisch vollkommen unabhängig sind. Ich musste mich also weder anpassen noch unterordnen.

Wie groß ist die kreative Freiheit bei einem so etablierten Format wie dem „Tatort“?

Koch: Verhältnismäßig groß. Aber man muss natürlich die Vision, die man umsetzen möchte, mit allen Beteiligten – das heißt Redaktion und Produktion – besprechen. Wer gut argumentiert, kann vieles ausprobieren. Und ich finde, dass wir erzählerisch einiges gewagt haben. Unser Konstrukt mit vielen Rückblenden mag nicht jedermanns Sache sein. Aber für uns war es eine tolle Chance, die Grenzen des Genres auszuprobieren und dabei trotzdem einen echten Krimi zu erzählen.

Udo Wachtveitl und Miro Nemec sind zwei Krimiveteranen. Mit welchem Gefühl sind Sie ihnen zum ersten Mal begegnet?

Koch: Mit Respekt. Aber es gab für mich tatsächlich eine große Herausforderung, weil ich erstmals mit Schauspielern gearbeitet habe, die ihre Figuren seit 26 Jahren kennen. Niemand versteht Batic und Leitmayr so gut wie Nemec und Wachtveitl. Insofern bekommt man als Regisseur öfter mal Kontra, wenn man seine Ideen durchsetzen will. Da wurden interessante Diskurse geführt.

Dieser „Tatort“ führt die Kommissare an ihre Grenzen…

Koch: Ja, die Geschichte geht an die Substanz. Das hätte auch der klassische Ausstiegs-Tatort werden können.

Ist er aber nicht. Bereits am 21. Mai läuft der nächste Münchner „Tatort“. Einer, in dem die Verletzungen aus dieser Episode verheilt sind. Schade?

Koch: Für uns war wichtig, dass dieser Film in sich schlüssig ist. Der in der Ausstrahlung nächstfolgende Tatort: Die Liebe, ein seltsames Spiel wurde schon vorher von Rainer Kaufmann inszeniert. Entsprechend war auch das Buch schon vorher fertig. Dieser Tatort sollte nur nicht zwischen Die Wahrheit und Der Tod ist unser ganzes Leben zur Ausstrahlung kommen.

Es ist Ihre erste größere Fernseh­arbeit. Wie unterscheidet sie sich vom Kinomachen?

Koch: Nicht so sehr. Ich habe ja bis jetzt immer Independent-Filme gedreht. Produktionen, bei denen man gnadenlos sparen muss. Da spürst du schnell deine Grenzen. Insofern war die Umstellung aufs Fernsehen nicht so groß. Im Gegenteil – beim Tatort hatte ich sogar manchmal das Gefühl, mehr Freiheit zu haben.

Und mehr Zuschauer…

Koch: Das ist unfassbar! Im Kino freut man sich bei einem Independent-Film schon über ein paar hunderttausend Zuschauer, und an einem Sonntagabend schalten Millionen ein.

Sie haben gerade Ihren zweiten Münchner „Tatort“ abgedreht – „Hardcore“…

Koch: Ja, dieser Krimi spielt in der Welt der Pornoproduktion. Ein völlig anderer Film, auf den ich mich extrem freue.

Darum geht’s im Krimi

Der Mordfall Ben Schröder (aus der Folge Die Wahrheit) ist längst zu den Akten gelegt, als der Münchner Messerstecher erneut zuschlägt. Doch diesmal gelingt es relativ schnell, den Täter zu fassen. Auf einem Transport des Häftlings, bei dem auch die Kommissare Batic (Miroslav Nemec) und Leitmayr (Udo Wachtveitl, Foto) dabei sind, kommt es zu einem dramatischen Zwischenfall.

Astrid Kistner

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