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Grund zum Feiern - aber 1998. Damals feierte Fernsehmoderatorin Judith Adlhoch auf den Malediven ihre 200. Sendung Voxtours.

Reisemagazine in der Krise: Wer bleibt, wer aufgibt

Auch an Reisemagazinen geht die Finanzkrise nicht spurlos vorüber: Vox zum Beispiel stellt seine Klassiker „Voxtours“ und „Wolkenlos“ ein – die Spartensender hingegen jubilieren.

Die Finanzkrise trifft (fast) jeden. Entlassungen, Kurzarbeit, Auftragsrückgang – da klafft in so manchem Geldbeutel plötzlich ein Loch. Um das zu stopfen, wird gespart, nicht zuletzt am teuren Urlaub. Kärnten statt Kenia, Nordsee statt Südsee oder gleich Ferien auf Balkonien sind der neue Trend in Sachen Reisen. Auf den müssen nicht nur Reiseveranstalter reagieren, sondern auch Fernsehsender, die viele Jahre mit Reisemagazinen aller Art große Erfolge feiern konnten.

„Wir setzen verstärkt auf Urlaub in Deutschland “, berichtet Gesine Heß, Redakteurin der Sendung „Service Reisen“ im Hessischen Rundfunk (HR). Exotische Ziele wie die Karibik hingegen wurden sehr reduziert. „Solche Themen behandeln wir nur noch etwa dreimal im Jahr. Ganz herausnehmen werden wir sie aber nicht, weil wir glauben, dass die Leute, auch wenn sie nicht selbst hinfahren, sich solche Bilder ab und zu gerne anschauen, um wenigstens davon zu träumen.“

Das Bedürfnis, hin und wieder in Bildern von fernen Urlaubszielen zu schwelgen genügt allerdings offenbar nicht, wenn es darum geht, damit auf Dauer Quote zu machen. Nach sechzehn Jahren stampft Vox seine einst sehr erfolgreichen Magazine „Voxtours“ und „Wolkenlos“ mangels Zuschauern ersatzlos ein. Am 4. Juli laufen die jeweils letzten Ausgaben der samstäglichen Sendungen.

Wäre es denn nicht eine Lösung gewesen, den Öffentlich-Rechtlichen nachzueifern und mehr über Ziele vor der eigenen Haustür zu berichten? „Das haben wir mehrfach probiert. Aber diese Sendungen hatten bei uns die geringste Resonanz. Scheinbar wollen sich unsere Zuschauer ihre Lieblingsorte innerhalb Deutschlands eher selbst vor Ort als auf dem Bildschirm ansehen“, bedauert Vox-Sprecherin Gabriela Leibl.

Spekulationen, dass in die Entscheidung mit hineinspiele, dass auch Reiseveranstalter sparen müssen und mehr oder weniger direkte Finanzspritzen durch Product Placement für die Sender wegfallen, weist Leibl strikt von sich: „Beide Produktionen waren unabhängig von Sponsoren!“ Klassische Reisemagazine seien einfach so nicht mehr gewünscht, mutmaßt die Vox-Sprecherin: „Jedes Genre hat seine Zeit, und momentan sind eher Ratgeberformate mit dokumentarischem Charakter gefragt. Hier vermischt sich zum Teil ja auch Wissenswertes aus fernen Ländern mit persönlichen Geschichten.“

Sind Reisemagazine also eine vom Aussterben bedrohte Spezies und werden von Serien über aussteigende Glückssucher abgelöst? Unsinn, schüttelt ARD -Sprecher Bernhard Möllmann den Kopf. Wer sich für Fernziele interessiere, werde sich nicht mit Dokus über Migranten abspeisen lassen: „Natürlich können auch andere Formate ein gewisses Informations- und Unterhaltungsbedürfnis befriedigen. Ein Ersatz der klassischen Reiseinformation kann dies aber kaum sein.“

Seine Kollegin Miriam Brück vom HR bestätigt: „Aus unserer Sicht ist die Zeit des Reisemagazins längst nicht abgelaufen.“ Besonders Sendungen, die Information und Service im Fokus hätten, erfreuten sich nach wie vor hoher Beliebtheit. „Bei dem Magazin ,Wunderschön‘ zum Beispiel habe man keine signifikanten Zuschauerverluste zu verzeichnen, so Brück. Für die ARD -Magazine „Ratgeber Reise“ und „Weltreisen“ schaut es nicht ganz so rosig aus. Grund für leicht sinkende Quoten sei aber keinesfalls die Finanzkrise, betont Möllmann: „Das Zuschauerinteresse auf makroökonomische Zusammenhänge zurückzuführen ist rein spekulativ.“

Ein Problem sei vielmehr die große Konkurrenz. Nicht nur die Dritten der ARD zeigten eine Vielzahl von Reisesendungen, sondern neben der privaten Konkurrenz setzten mittlerweile eigene Spartensender gänzlich auf dieses Thema. Die geben übrigens an, noch gar nicht unter der Finanzkrise und der mangelnden Reiselust der Deutschen zu leiden: „Unsere Quoten sind konstant und die Nachfrage nach unseren Produkten ist auf einem sehr guten Niveau“, freut sich der Geschäftsführer des Verkaufssenders Sonnenklar TV, Andreas Eickelkamp.

Neu sei lediglich, dass der Last-Minute-Bereich noch stärker boome als bisher. „Da wir tagesaktuell produzieren, konnten wir darauf aber sofort reagieren und haben Sonderformate für kurzfristige Reisen eingeführt.“ So lange man als Fernsehsender schnell auf neue Trends reagiere, hätten Reisesendungen weiterhin eine Zukunft, prophezeit Eickelkamp. Und auch Möllmann bleibt – anders als die Konkurrenz bei Vox – optimistisch: „Reiseformate sind so lange nicht out, wie Zuschauer auf Reisen gehen.“

Von Melanie Brandl

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