Respekt vor Glaube und Zweifel

- "Jedes Kunstwerk ist für mich eine Annäherung an das Göttliche", sagt Gerhard Wolf. Ein wenig klingt das wie eine Ausflucht, stellt sich der Florentiner Kunsthistoriker doch in Friedrich Klütschs ZDF-Film "Das Jesus-Foto oder das Geheimnis von Manoppello" eindeutig auf die Seite der Rationalisten, die in dem Tuchbild "Volto Santo", dem Heiligen Antlitz, Menschenwerk sehen.

Die Pilgerreise des Papstes im September vergangenen Jahres machte die Öffentlichkeit auf ein abgelegenes Kapuzinerkonvent in Manoppello und das dort verwahrte Bild aufmerksam, eine beidseitige Darstellung von Jesu Gesicht. Farbauftrag ist nicht erkennbar, im Gegenlicht ist kein Antlitz mehr auszumachen. Für viele sind das deutliche Indizien, dass Gottes Hand am Werk gewesen sein muss.

Ausgehend von der Legende des Schweißtuchs der Veronika, die angeblich dem Verurteilten auf dem Kreuzweg das Gesicht getrocknet haben soll, verfolgt der ZDF-Film mit nachgestellten Historienszenen und zahlreichen Expertenmeinungen all die verschiedenen Ansätze, mit denen die Entstehung des "Volto Santo" erklärt werden könnte.

Die Veronika, so wird schnell klar, hat es nie gegeben. Dann ein Grabtuch? Der Gesichtsabdruck müsste in jedem Fall deutlich verzerrt sein und keine klassische Frontalansicht wie beim "Volto Santo" bieten. Gerhard Wolf datiert das Werk auf das späte 15. Jahrhundert. Die Trappistennonne Blandina hat durch den computergestützten Abgleich mit dem Turiner Grabtuch, einer weiteren Reliquie, keine Zweifel mehr an der göttlichen Urheberschaft beider Stücke.

Die Spielszenen des Films bieten zwar geringen Informationswert, lockern aber solch trockene Details im Sinne einer temporeichen, opulent bebilderten Spannungsdramaturgie auf, die in einer Tagung in Manoppello gipfelt. Dort trugen die befragten Physiker, Historiker und Theologen auf Einladung des ZDF ihre Erkenntnisse zusammen.

Am Ende darf freilich jeder weiter glauben, was er möchte, eindeutige Folgerungen bleiben aus. "Respekt vor Glaube und Zweifel", wollte die zuständige Redakteurin Michaela Pilters an den Tag legen, Religion und Wissenschaft nicht als Widerspruch inszenieren. Allein, welche Rolle ein Stück farbiges Tuch für das eine oder das andere spielen soll, bleibt schleierhaft.

ZDF, Karfreitag um 18 Uhr

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