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Rex Gildo

Rex Gildo: Ein Leben voller Lügen

Ulrike Bremers Film über den Schlagersänger Rex Gildo aus der ARD-Reihe „Legenden“.

„Er sieht einfach toll aus“, schwärmt Erika aus Schweinfurt, und Irmgard und Margarete aus Chemnitz gestehen: „Wir sind Fans seit 40 Jahren und haben alle Platten von ihm.“ Diese Sätze fallen nicht am Rande eines großen Konzerts in München, Hamburg oder Berlin, sondern in dem kleinen Städtchen Bad Vilbel bei Frankfurt. Rex Gildo, eine der „Schlagerikonen“ der Sechziger- und Siebzigerjahre, singt in den Räumen eines Möbelhauses, vor nur wenigen Zuschauern. „Fiesta Mexicana“, „Marie, der letzte Tanz ist nur für dich“ und andere alte Hits. Der 63-Jährige, der stets ein bisschen zu braun gebrannt ist und für sein Alter das Hemd stets einen Knopf zu weit aufgeknöpft hat, füllt keine Hallen mehr, er tingelt über die Dörfer. Drei Tage nach diesem Auftritt, am 26. Oktober 1999, ist er tot, gestorben an den Folgen der Verletzungen, die er sich beim Sprung aus einem Fenster seiner Münchner Wohnung zugezogen hatte.

Das Schicksal Rex Gildos, der sich das Image des ewig jugendlichen Beau gab, dem er am Ende nicht mehr entsprechen konnte, war für die Boulevardblätter vor allem nach seinem tragischen Tod ein dankbares Thema. Sie kratzten an der Fassade von „Sexy Rexy“, die einen ganz anderen Menschen verbarg. Viele aus seiner engsten Umgebung halten dagegen bis heute an dem Bild fest, das er von sich verbreitet wissen wollte. In ihrem Film aus der ARD-Reihe „Legenden“ (heute, um 21 Uhr) beleuchtet Ulrike Bremer das Leben des Schlagersängers, der eigentlich Ludwig Franz Hirtreiter hieß und im niederbayerischen Straubing geboren wurde. Und sie weist nach, dass dieses Leben voller Lügen steckte.

Es begann damit, dass Mutter Hirtreiter nicht die Opernsängerin war, als die sie ihr Sohn ausgab. Die Mitgliedschaft des kleinen Ludwig bei den „Regensburger Domspatzen“? Erfunden, ebenso wie die Schauspielausbildung an der Münchner Otto-Falckenberg-Schule. Tatsächlich kam der junge Hirtreiter zunächst über Statisten- und kleine Nebenrollen am Theater nicht hinaus, bis ihm die Managerin Ada Tschechowa eine kleine Filmrolle in „Immer wenn der Tag beginnt“ an der Seite von Ruth Leuwerik verschaffte. Es folgten Auftritte in den damals üblichen Schlagerfilmen („Wenn die Conny mit dem Peter“).

Unter dem Künstlernamen Rex Gildo machte er schließlich als Schlagersänger Karriere und war viele Jahre aus keiner Hitparade und keiner einschlägigen Show mehr wegzudenken. Sein öffentliches Leben passte der Sänger den Erwartungen des Publikums an. Mit Kollegin Gitte Haenning bildete er ein erfolgreiches Duo („Geh’n sie aus im Stadtpark die Laternen“), doch das von der Plattenfirma erfundene „Traumpaar“ waren die beiden nie. Um Gerüchte gar nicht erst aufkommen zu lassen, heiratete der Frauenschwarm – wohl auch auf Druck seines damaligen Managers – seine Cousine Marion. Selbst als die Ehe längst am Ende war, posierten beide noch als glückliches Paar für Homestorys.

In den Achtzigern begann der Stern des Sängers mit dem längst anachronistischen Künstlernamen zu sinken, es gab Schlagzeilen über Auftritte in betrunkenem Zustand. Jahrelang prozessierte deswegen ein Konzertveranstalter gegen den Star. Ein Beziehungsdrama – Trennungsabsichten seines damaligen Freundes – war wohl ursächlich für seinen Sprung in die Tiefe vor knapp zehn Jahren, auch wenn die Fans von der Homosexualität ihres Idols bis heute nichts wissen wollen. Der Künstler, der gefangen war in dem Bild, das er von sich selbst geschaffen hatte, ist auf dem Münchner Ostfriedhof begraben – unter seinem bürgerlichen Namen, Ludwig Franz Hirtreiter.

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