"Rom": viel Blut und orgiastisches Stöhnen

München - Eine schwarze Plastiktrillerpfeife und römische Legionäre, die nach ihr tanzen, sprich kämpfen - so präsentiert sich das alte "Rom" im Fernsehen. Der hundert Millionen Dollar teure Zwölfteiler läuft in sechs Doppelfolgen jeweils sonntags bei RTL 2. Den Start - klug vorbereitet von einem "Welt der Wunder"-Spezial über die Weltmacht Rom - sahen zwei Millionen Zuschauer, ein zufriedenstellendes Ergebnis.

Gemessen an den 27 Prozent Marktanteil, die die Produktion im Programm der BBC erzielte, wirken sechs Prozent im deutschen Fernsehen zwar bescheiden, doch gegen den "Tatort" und gegen Rosamunde Pilcher muss man sich hierzulande eben erst einmal durchsetzen - zumal die Serie schon im Pay-TV lief.

 Zieht denn Julius Caesar (100 bis 44 v. Chr.) nicht besser? Sein Leben ist doch spannend wie ein Krimi. Die Kämpfe in Gallien, die Überquerung des Rubikon, die Flucht des Pompejus aus Rom und seine Verfolgung bis Ägypten, Caesars Techtelmechtel mit der schönen Cleopatra, fremde Länder, fremde Sitten, berühmte Persönlichkeiten, Intrigen und Liebeshändel - das soll sich ein moderner Autor doch erst einmal alles ausdenken.

 Aber nein, das allein war dem ehemaligen "James Bond"-Regisseur Michael Apted eben noch nicht genug. Das Ganze musste pro Folge mit mindestens einer Auspeitschung, viel Blut und orgiastischem Stöhnen versetzt werden. Mit solchen Lockstoffen wird der Zuschauer dann die paar ("langweiligen") politischen Gespräche gerade noch verkraften - so jedenfalls lautete das Konzept der Regie, falls diese überhaupt ein solches hatte.

 Damit schneiden sich die Macher allerdings gewaltig in ihr eigenes Fleisch. Die exzessiven Sex- und Gewaltszenen machen die Serie fürs Familienprogramm ungeeignet. Andererseits gewinnt der historische Stoff aus der Ecke der "Action"-Anhänger keinen einzigen Fan hinzu.

 Der zweite Grund für das nicht ganz so gute Abschneiden der Serie im Quotenkampf dürften wohl die in Deutschland relativ unbekannten Schauspieler sein. Ciarán Hinds als Julius Cäsar hat zwar eine kantige Nase und den richtigen Haarschnitt, doch blieb er - als eigentlicher Hauptdarsteller des monumentalen Dramas - in den ersten beiden Folgen eher im Hintergrund. Er enttäuschte und zeigte wenig Profil. Das kann nur besser werden.

 Kevin McKidd als Lucius Vorenus und Ray Stevenson als Titus Pullo als die kleinen Soldaten, aus deren Perspektive die Geschichte erzählt wird, durften sich als Sympathieträger präsentieren. Doch waren ihre Szenen gerade am Anfang so kurz geschnitten, dass man als Zuschauer zunächst Mühe hatte, die einzelnen Figuren überhaupt zu identifizieren. Hier hätte sich eine Riege aus erfahreneren Bühnenschauspielern und eine liebevollere deutsche Synchronisation besser bezahlt gemacht. Nur mit Ausstattung und Kostümen allein lässt sich eben noch kein Blumentopf gewinnen.

Weitere Sendetermine:

Bis 12. August jeweils sonntags, um 20.15 Uhr.

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