Die Folgen der Maßnahme

RTL-Ausstieg aus DVB-T: Das sagt ein Experte

München - Seit Mittwoch schauen die Zuschauer bei der RTL-Gruppe über DVB-T im Großraum München in die Röhre. Ein Experte erklärt die Folgen des Ausstiegs.

Update vom 19. Januar 2017: RTL kommt zurück ins DVB-T-Fernsehen. Allerdings gibt es einen Nachteil: Man muss zahlen. Alle Informationen zur Umstellung auf DVB-T2 erfahren Sie hier.

Die Zukunft des Antennen-Fernsehen DVB-T steht mit dem angekündigten Ausstieg von RTL auf dem Spiel. Das kostenfreie Empfangssystem habe aber nur eine Perspektive, wenn alle Sender mitziehen, sagt der Direktor de Medienanstalt Berlin-Brandenburg (MABB), Hans Hege, in einem dpa-Interview. DVB-T ist die Abkürzung für Digital Video Broadcasting-Terrestrial, also für digitalen terrestrischen TV-Empfang.

Ist der Ausstieg von RTL im Großraum München der Anfang vom Ende von DVB-T?

Hege: Natürlich stellt sich die Frage, welche Zukunft dieser Verbreitungsweg hat. RTL will bis Ende 2014 ganz aussteigen, ProSiebenSat.1 hat verlängert, die Öffentlich-Rechtlichen wollen weiter senden. Es wird sicher eine Rolle spielen, wie die Zuschauer in München jetzt reagieren, wenn ihnen ein Sender fehlt.

Hat sich DVB-T angesichts von Internet-Breitband nicht erledigt?

Hege: Breitband war zur Zeit der DVB-T-Einführung nicht so stark verbreitet, wie heute. Aber Internet kann bisher kein vollwertiger Ersatz sein, vor allem dann nicht, wenn wie geplant, eine Volumenbegrenzung eingeführt wird. Wer zwei Stunden täglich fernsieht, verbraucht eine enorme Datenmenge, das wäre dann entsprechend teuer. DVB-T ist ein sehr günstiger Weg, eine Mindestzahl von Programmen zu empfangen, vor allem in Ballungsräumen, wo Satelliten-Empfang oft nicht möglich ist - und ohne den Zwang, ein Abo für Kabel oder IP-TV schließen zu müssen.

RTL sagt, DVB-T sei für die Sender teuer ...

Hege: RTL hat insofern Recht, als dass die Kosten, einen Zuschauer über DVB-T zu erreichen höher sind, als über Satellit oder Kabel. Also stellt sich die Frage: Hält man den diesen Weg aufrecht, wenn man die Zuschauer auch auf andere Weise erreichen kann? In Brandenburg, wo in manchen Regionen nur die Öffentlich-Rechtlichen über Antenne zu empfangen sind, müssten sich ARD und ZDF fragen, ob sie daran festhalten wollen, zumal dort der Satelliten-Empfang kein Problem ist.

Die Bundesnetzagentur beansprucht einen Teil der DVB-T-Frequenzen für die mobile Nutzung. Ist das eine Gefahr für das System?

Hege: DVB-T steht vor der Herausforderung, sich mit dem neuen Standard DVB-T 2 zu modernisieren. Damit wäre auch der Empfang von HD-Fernsehen möglich. Allerdings gibt es die Geräte dafür noch nicht und die Sender wollen sich für HD bezahlen lassen. Der Umstieg kann nur klappen, wenn die Privaten mitmachen und eine verbraucherfreundliche Lösung angeboten wird. Gelingt das nicht in zwei, drei Jahren, wird das Antennen-Fernsehen auslaufen. Das rechtfertigt es aber nicht, schon jetzt Frequenzen umzuwidmen.

dpa

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