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„„Stahl:hart gegen Mobbing“ ist eine Reportage. Es ist eine Dokumentation meiner Arbeit“, so der einstige Kiez-König Carsten Stahl

Am Montag startet die Stahl-Show

Einstiger Kiez-König kämpft auf RTL 2 gegen Mobbing: „Bei mir gibt es keine Opfer“

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Jedes sechste Kind wird während seiner Schulzeit Opfer von Mobbing, heißt es. „Jedes Sechste? Jeder war schon Opfer von Mobbing und jeder hat schon mitgemacht beim Mobbing“, sagt Carsten Stahl.

München - Vor vier Jahren hat der einstige Kiez-König sein „Camp Stahl“ gegründet – eine Initiative, mit der er gegen Mobbing in Schulen kämpft. Seitdem weiß er: „Es kann jeden treffen.“ Nun erhält der 45-Jährige eine Plattform, um die Gewalt zwischen Kindern und Jugendlichen zu stoppen: Am Montag startet auf RTL 2 um 20.15 Uhr die Reihe „Stahl:hart gegen Mobbing“. In den bisher aufgezeichneten vier Folgen begleiten die Zuschauer den Berliner bei seiner Arbeit in vier deutschen Schulen. Ein Gespräch mit einem engagierten Kämpfer.

Wenn Sie über Mobbing reden, wird einem Angst und Bange. Ist da wirklich so viel Gewalt in unseren Schulen?

Klare Antwort: ja. Ich mache diese Arbeit seit vier Jahren, seitdem bekomme ich täglich etliche E-Mails von Lehrern, Schülern, Direktoren. Die Resonanz ist gigantisch. Denn: Wir haben jede Woche in Deutschland Hunderttausende Fälle von Mobbing. Es gibt keine Schule, die sich davon freimachen kann. Mobbing gibt es genauso am Gymnasium wie an sonderpädagogischen Schulen, das gibt es in Brennpunktvierteln und in gehobenen Ecken wie Grünwald. 250 Tage im Jahr bin ich in Schulen und kämpfe gegen Mobbing. Ich könnte mich klonen und würde den Anfragen nicht gerecht werden.

„Das ist alles real“

In der Sendung besuchen Sie vier Schulen. Wie haben Sie sie ausgewählt?

Ich sage: Mobbing ist deutschlandweit ein Problem. Deshalb habe ich aus verschiedenen Regionen Schulen gewählt. RTL 2 war so mutig, mich arbeiten zu lassen. „Stahl:hart gegen Mobbing“ ist eine Reportage. Es ist eine Dokumentation meiner Arbeit. Das ist alles real. Das sind keine gestellten Szenen. Mir ist wichtig: Bei mir gibt es keine Verlierer. Die Opfer, die Täter, die Schulen, die mitgemacht haben, sind Gewinner. Weil sie das Problem erkannt und mit mir dagegen gekämpft haben. Am Anfang jeder Folge sehen Sie Schüler, die sich gegenseitig ausgrenzen. Zum Schluss sind da dieselben Menschen, die zusammen lachen, die befreundet sind und sich verbunden fühlen.

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Dazwischen liegt Ihre Arbeit mit den Schülern. Möchten Sie Anregung sein etwa für Pädagogen? Sind die Übungen, die man sieht, als Vorbild gedacht?

Natürlich. Sehen Sie, ich bin ja mittlerweile schon weit über das Thema Mobbing hinaus. Ich bin inzwischen Experte zum Thema Jugendkriminalität, Jugendgewalt und Mobbing. Denn Jugendkriminalität und Jugendgewalt fangen mit Mobbing an. Wenn man nicht aufpasst, kann das Ausgegrenzt-Werden dazu führen, dass Kinder, die immer wieder zum Opfer werden, sich bewaffnen. Dann haben wir Lünen (ein Schüler in der nordrhein-westfälischen Stadt tötete einen anderen; Anm. d. Red.). Oder die, die das in sich hineinfressen. Jeden zweiten Tag bringt sich ein Jugendlicher in Deutschland wegen Mobbing um. Die, die sich nicht umbringen, sagen, ich will sterben, aber ich will es mit einem Knall tun. Die enden dann in München vor McDonald’s (der Amoklauf im OEZ 2016; Anm. d. Red.). Sieben Jahre wurde dieser Junge, der neun Menschen tötete, extrem gemobbt.

Stahl sieht gesamtgesellschaftliches Problem

Was kann das Umfeld tun, um Mobbing zu stoppen?

Offen darüber reden. Und wir müssen den Kindern von klein auf klar machen: Du bist so wie du bist perfekt. Jeder ist anders – du möchtest akzeptiert werden, genauso akzeptiere den anderen.

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Das ist leicht gesagt. Dann schauen sie auf Facebook, sehen Fotos und denken: So sehe ich gar nicht aus. Bekommen Komplexe und fühlen sich überhaupt nicht perfekt...

Exakt! Doch woher kommen die Komplexe? Es sind gesellschaftliche Bilder! Ich habe täglich mit Mädchen zu tun, die fertiggemacht werden, weil sie nicht dem angeblichen Ideal entsprechen. Mobbing ist ein gesellschaftliches Problem. Das muss aufhören!

Appell an Neuer & Co.: „Bitte macht mit“

Sie haben sich auch mit Eltern von Mobbingopfern getroffen.

Ja, mit neun Müttern, deren Kinder sich wegen Mobbing das Leben genommen haben. Sie haben mir erzählt, wie das System weggeguckt hat. Wie die Schüler sich dem Ausmaß ihrer Taten gar nicht bewusst waren. Und wie sich auch nach den Taten nichts geändert hat! Ich tue eins, Frau Kraft: Ich nehme meine Kraft, meinen Namen, mein Stahl. Denn eins müssen Sie sich bewusst machen: Ich habe drei schwarze Gürtel, ich wiege 120 Kilo, ich bin ein Mann wie ein Baum, aber auch mein Sohn wurde Opfer von Mobbing. Mein Wunsch wäre, dass sich die großen Helden unserer Nation wie Manuel Neuer meiner Kampagne anschließen. Gemeinsam können wir noch viel mehr erreichen. Stellen Sie sich mal vor, wenn die Fußball-Nationalmannschaft ein Zeichen gegen Mobbing setzen würde. 60 Prozent der mobbenden Jungs an den Schulen spielen Fußball. Doch wenn ihre großen Vorbilder ihnen zeigen würden, wie falsch Mobbing ist und dass sie selbst dagegen sind, wäre das ein gigantisch großer Schritt in die richtige Richtung. Denn die Kids schauen zu ihnen auf.

Haben Sie bei Neuer angefragt?

Ich appelliere über die Medien an diese Menschen. Auch ich habe erst hingesehen und bin aktiv geworden, als mein eigenes Kind Opfer wurde. Aber soweit sollte es doch eigentlich gar nicht erst kommen. Und ich möchte nicht, dass auch eure Kinder eines Tages durch Mobbing verletzt werden. Ich will null Selbstmorde, null Amokläufe wegen Mobbing. Also, bitte, Manuel, alle A-Promis, zu denen die Kinder aufschauen, macht mit!

Das Gespräch führte Katja Kraft.

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