Sanfter Blick, nicht ganz so sanfte Fragen

Hamburg - Hat sie da nicht eben die Augenbraue hochgezogen? Und selbst wenn - mit Caren Miosga ist ein neuer, etwas anderer Stil eingezogen in die "Tagesthemen" im Ersten. Selbstbewusst, aber ohne ganz so hemmungslos mit der Kamera (und dem Zuschauer daheim auf der Couch) zu flirten wie Vorgängerin Anne Will es tat, präsentierte sich die 38-Jährige bei ihrer Premiere am Montagabend.

"Ich bin die Neue bei den ,Tagesthemen, und Thomas Enders wird neuer Chef bei Airbus. Nur über Letzteres wollen wir natürlich reden" - so einzusteigen in die allererste Sendung, zeugt von Witz, Souveränität und Selbstironie. Man sollte die vormalige "Titel, Thesen, Temperamente"-Moderatorin nicht unterschätzen, dem sanften Blick und dem unaufgeregten (Sprech-)Stil zum Trotz.

Den Beweis dafür lieferte Miosga gleich im Interview mit Thomas Enders. Ebenso klar wie nachdrücklich formulierte sie ihre Fragen an den Airbus-Topmanager ("Haben Sie mehr oder weniger zu sagen in Zukunft?"), insistierte zweimal, wagte zum Schluss sogar ein provokantes "Wie lange halten Sie es aus (auf Ihrem Posten)?" Enders reagierte wie ein Gentleman.

Allerdings hätte der Tag des Debüts nicht besser gewählt sein können. Keine Attentate, kein neuer Krieg, keine neuen Krisen, die besondere Reaktionen erfordert, die alle schönen Planungen kurz vor Sendebeginn obsolet gemacht hätten. Entsprechend fehlerlos brachte die Journalistin ihre Sendung vor 2,28 Millionen Zuschauern über die Bühne, leistete sich nur ganz zum Schluss einen winzigen Versprecher ("Ingo Zamperoni" ist aber auch ein Zungenbrecher!).

Kein Wunder, dass die Reaktionen euphorisch ausfielen. "Caren Miosga hat moderiert, als sei sie schon seit Jahren bei uns", brachte es Thomas Hinrichs, stellvertretender Chefredakteur von "ARD aktuell", auf den Punkt. Und Kollege Tom Buhrow verstieg sich sogar zu der Formulierung: "Sie hat eingeschlagen wie eine Granate!" Das kann man - leider - über Buhrow selbst nicht sagen.

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