Schä(n)dliche Ausladung

- Die Ausladung des russischen Oppositionellen Garri Kasparow aus der ARD-Sendung "Sabine Christiansen" am 10. Dezember hat nach Ansicht des Ex-Schachweltmeisters der Demokratie-Bewegung in Russland geschadet. "Da wir Demokraten in den russischen Medien nicht zu Wort kommen, ist es doch umso wichtiger, im Westen Gehör zu finden", sagte Kasparow in einem Interview der "Bild am Sonntag" ("BamS"). "Diese Ausladung war ein Schock für uns."

Auch aus der ARD ist inzwischen Kritik laut geworden. Die ehemalige Russlandkorrespondentin und jetzige Chefin des ARD-Politmagazins "Monitor", Sonia Mikich, sagte der "BamS": "Bei einer politischen Runde in der ARD müssen die bestmöglichen Leute eingeladen werden. Das war nicht der Fall." Etliche Kollegen in der ARD seien bekümmert über die Art und Weise, wie die Talkshow gestern vor einer Woche über die Bühne gegangen sei. "Durch die Ausladung von Kasparow und die Zusammensetzung der Gäste ist die Reputation der Sendung und der ARD beschädigt worden", sagte Mikich.

Christiansens Produktionsfirma tv21 erklärte, die Ausladung Kasparows sei ein ganz normaler Vorgang. "Wir haben nach der Kalkulation von Aufwand und Nutzen entschieden, ihn nicht in die Sendung zu nehmen", sagte Christiansens Sprecher Michael Ortmanns gestern. Es seien auch so reichlich regimekritische Experten zu Wort gekommen. Christiansen selbst sagte der "BamS", in der fraglichen Sendung hätte der ehemalige Schachweltmeister nur für ein kurzes Interview eingespielt werden können. "Im März kann Herr Kasparow als Gast an einer kompletten Sendung teilnehmen." Es sei üblich, dass mehr Menschen eingeladen würden, als anschließend in der Sendung aufträten.

Diplomatischer Druck?

In der Show mit dem Untertitel "Die Russen kommen" hatten unter anderem der russische Botschafter in Deutschland, Wladimir Kotenjow, der hessische Innenminister Volker Bouffier (CDU) sowie die frühere Moskau-Korrespondentin Gabriele Krone-Schmalz diskutiert.

WDR-Intendant Fritz Pleitgen wollte offenbar das "Christiansen"-Team in Schutz nehmen: "Die Redaktion bestreitet ja vehement, einem Druck nachgegeben zu haben. Ich hoffe, dass sie das nicht getan haben, denn das wäre nicht gut für unser Ansehen", sagte er dem Blatt. Die Gästeauswahl sehe er aber auch kritisch: "Ich hätte Kasparow und einen Korrespondenten, der aktuell in Moskau lebt, in dieser Runde für notwendig erachtet."

Bereits in der vergangenen Woche hatte Klaus Bednarz, Ex-Moskau-Korrespondent und "Monitor"-Chef, in der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" gesagt, "Christiansen"-Mitarbeiter hätten diplomatischen Druck als Grund für die Ausladung Kasparows genannt. Der russische Botschafter habe sich geweigert, gemeinsam mit dem Schachgenie aufzutreten.

Diesen Zusammenhang vermutete auch Kasparow. "Wenn man sich angesehen hat, wer bei der Sendung anwesend war, wurde jedem klar, dass man dort keine kritischen Stimmen aus Russland hören wollte", sagte er der "BamS". Kasparow ist einer der schärfsten Kritiker des russischen Präsidenten Wladimir Putin und will 2008 für das Präsidentenamt kandidieren.

Christiansen wies diesen Vorwurf zurück. Kotenjow habe keine Bedingungen für seine Teilnahme genannt:\x0f"Jedem ist es unbenommen, unsere Gästeauswahl zu akzeptieren oder nicht." Ihr Sprecher Ortmanns ergänzte, wer solche Bedingungen stelle, müsse zu Hause bleiben.

Günter Struve, der Programmdirektor der ARD, äußerte gegenüber der "Bild am Sonntag": "Über direkte Konsequenzen im klassischen Sinne wurde nicht diskutiert. Aber ich glaube, es hat jeder gesehen, dass man bei Anfragen nach Gästen zu der Sendung künftig sensibler vorgehen sollte."

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