+
Wäschereibesitzerin und Hauseigentümerin: Christa Bachmaier (Gisela Schneeberger, Mitte) mit ihrem Kundenliebling Michi (Stephan Zinner) und Freundin Gitti (Maria Peschek).

„Schauspieler sind nicht doof“

München - Gisela Schneeberger über ihre Rolle in der neuen BR-Serie „Im Schleudergang“ und seichte Drehbücher.

Sie habe sich nie vorgedrängelt, beschreibt Gisela Schneeberger ihre Lebensplanung, sondern „viel Glück gehabt“. Bekannt wurde die Schauspielerin als kongeniale Partnerin Gerhard Polts in der Fernsehserie „Fast wia im richtigen Leben“ und in Kinofilmen wie „Man spricht deutsh“. Doch schon lange steht Schneeberger, die in München aufwuchs, auf eigenen Beinen. So spielte sie zuletzt in der ARD-Serie „Der Dicke“ neben Dieter Pfaff, wirkte in der Kinokomödie „Eine ganz heiße Nummer“ mit und ist als Mutter von „Franzi“ (Bayerisches Fernsehen) zu sehen. In der neuen Serie „Im Schleudergang“, die der BR von heute an immer freitags um 22 Uhr zeigt, spielt sie die Besitzerin einer Wäscherei in Schwabing, die sich mit ihren Kunden und Mitarbeitern auseinandersetzen muss, aber auch privat so manchen Kampf auszufechten hat. In weiteren Rollen sind unter anderen Gerd Anthoff, Judith Richter, Maria Peschek, Stephan Zinner und Udo Wachtveitl zu sehen.

Wie würden Sie Ihre Figur beschreiben?

Christa Bachmeier ist eine Geschäftsfrau, noch dazu Hauseigentümerin, also finanziell unabhängig. Sie hat eine neurotische Tochter und den Drang zu Höherem.

Die Serie wird vom BR als „prall und komisch“ angekündigt. Es gibt aber auch traurige Momente, wenn Christa zu spüren bekommt, dass ihr Freund sich nicht zu ihr bekennt.

Aber das ist doch von außen gesehen auch komisch, wenn diese zwei Leute, die schon über 60 sind, sich in einem Hotel treffen müssen, damit ihre Beziehung geheim bleibt. Es ist skurril, wenn ich im Stau stehe und zuschaue, wie im Nachbarauto ein Ehepaar streitet quasi wie in einem Stummfilm. Für die ist es vielleicht tragisch, für mich als Beobachterin ist es komisch.

Inwieweit haben Sie Einfluss nehmen können auf Ihre Rollen?

Ich habe mich mit dem Autor Peter Bradatsch getroffen, und wir haben die Figur entwickelt, haben entschieden, was sie beruflich macht und wie sie so ist. Die Geschichten hat er sich dann natürlich alleine ausgedacht.

Die Hausgemeinschaft mitten in Schwabing wird als funktionierender Mikrokosmos beschrieben. Gibt’s das in München noch?

Warum sollte es das nicht mehr geben? Da, wo ich wohne, in der Maxvorstadt, hat sich zwar viel verändert, aber es gibt immer noch Leute, die man seit 40 Jahren kennt und mit denen man älter geworden ist. Das ist fast wie auf dem Land.

In der ersten Folge geht es um eine Romfahrt, mit Audienz beim Papst. Da hatte der Autor sicher Benedikt im Sinn…

Ja klar, aber dass es jetzt Franziskus ist, wird der Zuschauer auch akzeptieren. Er wird ja nicht namentlich genannt.

Eine Audienz beim Papst...

...würde mich nicht reizen. Gerhard Polt hat eine so herrliche Papst-Persiflage geliefert, an die müsste ich immer denken. Außerdem bin ich evangelisch. Tut mir leid, aber für mich ist das wie Theater, wenn Herr und Frau Stoiber, Herr und Frau Seehofer oder Frau Neubauer ergriffen vor dem Papst stehen – und dann im wirklichen Leben unkatholisch leben.

Man sieht Sie oft als resolute Person – würden Sie gerne mehr Angebote bekommen, die in eine andere Richtung gehen?

Ja, so etwas in der Art wie in „Der Hahn ist tot“ nach Ingrid Noll, wo ich vor ein paar Jahren eine schüchterne Sekretärin gespielt habe, die einen Schriftsteller stalkt. Solche Rollen liebe ich. Aber offenbar sehen das die Verantwortlichen nicht in mir. Ich fände es interessant, mal ein spätes Mädchen zu spielen, eine einsame Frau mit Komplexen. So etwas gibt’s ja auch im Leben, die sind nur sehr gut versteckt. Figuren, bei denen alles so glatt geht, interessieren mich nicht.

Haben die Drehbuchautoren zu wenig Fantasie?

Es gibt begabte Drehbuchautoren. Aber ich glaube, dass zu oft die Redakteure der Sender mitbestimmen, wie eine Geschichte aussehen soll, und das ist nicht immer gut. Wir hatten aber bei „Im Schleudergang“ große Freiheiten. Ich finde es wünschenswert, wenn Schauspieler mehr Mitspracherecht bei der Entwicklung eines Buches bekommen – wir sind nämlich nicht so doof, wie viele denken.

Wer denkt, dass Schauspieler doof sind?

Das sieht man doch schon daran, dass sich so viele erregen, wenn mal ein Schauspieler in einer politischen Talkshow sitzt. Unser Beruf schließt ja nicht aus, dass wir politisch denken können. Und warum sollten Schauspieler nicht auch in der Lage sein, konstruktiv an der Entwicklung eines Buches mitzuwirken?

Haben Sie mal darüber nachgedacht, selbst ein Drehbuch zu schreiben?

Selbst zu schreiben, das traue ich mir nicht zu. Aber ich habe schon länger eine Idee für einen Film, es geht um eine Frau in meinem Alter, aber Details möchte ich nicht verraten. Ich habe schon zwei Autorinnen verschlissen. (Lacht.) Die haben ganz brave Exposés abgeliefert, wahrscheinlich hatten die schon die Schere im Kopf, vor lauter Angst, irgendein Redakteur zerpflückt ihnen das gleich wieder.

Sie haben keine gute Meinung vom Fernsehen?

Es gibt sehr gute Filme im deutschen Fernsehen. Aber dazwischen ist auch viel zu viel Gesülze. Neulich gab es eine grandiose Dokumentation zur Bankenkrise von einem Journalisten vom Tagesspiegel. Spannend wie ein Krimi – bei Arte. Warum kommt so etwas nicht im Ersten um 20.15 Uhr? Mich ärgert, dass man Qualität oft in Spartenkanäle ausgelagert. Das kommt mir so vor, als wolle man den Zuschauern Anspruchsvolles nicht zumuten. Die tollen Serien von Helmut Dietl in den Achtzigern wie „Münchner Geschichten“, an die erinnern sich die Zuschauer noch heute – und zwar aus allen Schichten. Das war hohe Kunst! Aber vielleicht sind die Zuschauer inzwischen auch schon versaut von dieser Seichtheit. Man kann ein Publikum ja auch verderben.

Das Gespräch führte Rudolf Ogiermann.

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Wegen diesem Foto wirft Netflix Biene Maja aus dem Programm
Die Biene Maja kennt man seit den 70er-Jahren als Kinderserie im TV. Jetzt warf Netflix eine Folge der neuverfilmten Serie aus dem Programm. Der Grund dafür ist …
Wegen diesem Foto wirft Netflix Biene Maja aus dem Programm
Warnstreik beim WDR: Radiomoderatoren von „1Live“ bleiben stumm
Wegen eines Warnstreiks verzichtete der WDR-Sender 1Live in den frühen Morgenstunden eine Stunde lang auf jegliche Redebeiträge und sendete stattdessen nur Musik.  
Warnstreik beim WDR: Radiomoderatoren von „1Live“ bleiben stumm
Wahlabend im TV: Private fassen sich kürzer und bieten Alternativ-Programm
Für manche Sender geht es am Wahlabend um kaum etwas anderes. ARD und ZDF berichten mehrere Stunden am Stück. Andere fassen sich kurz und sind so eine Alternative für …
Wahlabend im TV: Private fassen sich kürzer und bieten Alternativ-Programm
Bayerischer Rundfunk übernimmt 2018 den ARD-Vorsitz
Der Senderverbund hat einstimmig beschlossen, dass der Bayerische Rundfunk im Jahr 2018 den Vorsitz der ARD übernehmen wird - zuletzt hatte der BR diesen 2005/2006 inne.
Bayerischer Rundfunk übernimmt 2018 den ARD-Vorsitz

Kommentare