Schicksalsmoment

- Vor 25 Jahren stand Fritz Karl als 13-jähriger Junge in New York ganz oben am Fenster der Twin Towers und fasste einen Entschluss: Er wollte Schauspieler werden. Damals war er mit den Wiener Sängerknaben am Big Apple, fühlte sich inspiriert von der künstlerischen Vielfalt der Millionen-Metropole und ließ nie mehr vom Gedanken, den Schauspielerberuf zu ergreifen.

Nun führte seine Karriere den heute 38-jährigen Österreicher zurück nach New York und genau dorthin, wo das World Trade Center stand, als es die Attentäter am 11. September 2001 ins Visier nahmen.

Fritz Karl drehte dort mit den Kollegen Martina Gedeck, Claudia Michelsen und Heino Ferch in den Hauptrollen das zweiteilige ZDF-Drama "Auf ewig und einen Tag", das Arte morgen ausstrahlt und das ZDF am 11. und 13. September. Es ist die Geschichte einer Männerfreundschaft, der eine aus armen, der andere aus reichen Verhältnissen, aber beide hat es beruflich aus Deutschland in die USA verschlagen. Die Freundschaft nimmt wie viele Schicksale an diesem Katastrophentag eine jähe Wendung. Monatelang sind beide auf der Suche.

"Der 11. September bildet eine Klammer für die jahrzehntelange Freundschaftsgeschichte", sagt Heino Ferch. "Das Ganze wird durch die Ereignisse im Tower dramatisch erhöht. Innerhalb einer Tragödie mit weltweiter Wirkung entfaltet sich eine Katastrophe, deren Vorgeschichte über die Jahre hinweg nachgezeichnet wird."

Warten auf ein Lebenszeichen

Der Film bedeutete auf Grund seines historischen Hintergrunds nicht nur geistige Anstrengung, auch körperlich mussten die Akteure viel aushalten: "Wir mussten auf einem Wolkenkratzer gegenüber des Rockefeller Center balancieren", erinnert sich Karl. "Für mich fürchterlich, für Heino Ferch, den geübten Turner, ein leichtes Spiel."

Das Drama arbeitet mit vielen Rückblenden und zeichnet die vielen Begegnungen der beiden Freunde nach. Die reale Katastrophe findet in dokumentarischen Schnipseln Eingang in den Film. Immer wieder sieht der Zuschauer verzweifelte Menschen aus den Türmen in den Tod springen. "Denn Jan Ottmann, den Heino Ferch spielt, weiß nicht, ob ich, Gregor Luckner, gesprungen bin oder nicht", sagt Fritz Karl. "Deswegen tauchen diese Sequenzen immer wieder auf. Ich finde nicht, dass der Film es nötig gehabt hätte, auf diese Art zu dramatisieren. Man hätte auch ohne diese schrecklichen Bilder auskommen und die Ungewissheit Jan Ottmanns anders zum Ausdruck bringen können."

Gregor Luckner (40), ein deutscher Investment-Banker, hatte genau am 11. September einen Termin im World Trade Center. Jan Ottmann (40), sein Partner in München, fühlt sich schuldig. Es war sein Termin, aber er wollte seine hochschwangere Frau Paula (Martina Gedeck) nicht alleine lassen. Ist Gregor tot? Eine Frage, die nicht nur Jan beschäftigt und quält. Zusammen mit der Journalistin Elsa (Claudia Michelsen), Gregors Geliebter, wartet Jan am Telefon auf ein Lebenszeichen des Freundes.

In dieser Zeit der großen Ungewissheit erinnert sich Jan an sein und Gregors gemeinsames Leben, das in einer bayerischen Kleinstadt Mitte der 70er-Jahre begann. Als die Jugend gegen den Vietnamkrieg protestierte und in holzgetäfelten Partykellern Deep Purple hörte, wachsen in Landshut zwei absolut ungleiche Jungen auf. Doch sie verbindet ein Traum. Sie wollen später kein durchschnittliches, langweiliges Leben führen. Gregor hasst und liebt seinen autoritären mittelständischen Fabrikanten-Vater, der ihn für einen amoralischen Versager hält. Jan dagegen opfert sich auf für seine arbeitslose, unreife junge Mutter. Die Eltern sind gegen die Freundschaft der Jungen, die auf Grund ihrer unterschiedlichen Herkunft nur Unglück bringen könne. Doch die Freundschaft hält und bewährt sich - bis zum 11. September.

Arte, morgen, 22.45 Uhr: Beide Teile. ZDF, Montag, Erster Teil und Mittwoch, Zweiter Teil, je 20.15 Uhr.

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