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Zeugenbefragung auf rustikale Art: Schimanski (Götz George) in der Episode „Loverboy“.

TV-Kritik

"Schimi" ist sich treu geblieben

München - „Wenn einer meine Tür eintritt, dann kriegt er aufs Maul, so einfach ist das.“ Ein Satz, der beispielhaft steht für die Welt des Horst Schimanski. Auch mit 75 ist der Dienstweg ein Umweg.

Eine wunderbare Prügelei mit splitterndem Mobiliar erfreut den Fan schon nach wenigen Minuten in „Loverboy“, dem 17. Einsatz des alternden Ex-Kommissars auf eigene Rechnung.

Er zeigt, dass „Schimi“ sich treu geblieben ist und sein Darsteller Götz George noch immer keine Körperlichkeit scheut, keiner Actionszene aus dem Weg geht. Und kann sein Gegenüber auch noch so jung und durchtrainiert sein, der Senior zwingt ihn zu Boden und setzt ihm den Fuß auf die Brust. Was Schimanski rauskriegen will, das kriegt er raus – auch wenn die Stimme schon gefährlich heiser klingt.

Das wäre alles ziemlich lächerlich, wenn Drehbuchautor Jürgen Werner und Regisseur Kaspar Heidelbach nicht virtuos mit dem Image des volksnahen, Flaschenbier trinkenden Raubeins spielen und die Ermittlerlegende nicht mit subtiler Selbstironie aufladen würden. Herrlich, wie Schimanski sinnbildlich noch einmal den verstaubten Parka aus dem Karton holt, um im Auftrag eines im Knast residierenden Ex-Kiezkönigs nach dessen 14-jähriger Tochter zu fahnden. Auch diese Karikatur eines Gangsters (Marek Wlodarczyk) verkörpert das Duisburg aus alten „Tatort“-Zeiten, ganz zu schweigen vom auch schon reichlich ramponierten Hänschen (Chiem van Houweninge).

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Dieses Personal aus einer anderen Epoche steht im Kontrast zum Plot dieses Films, der ein aktuelles Problem aufgreift. Werner und Heidelbach wollen ernst genommen werden mit ihrer Geschichte von den pubertierenden Mädchen, die von vermeintlichen Märchenprinzen erst emotional missbraucht und dann in die Prostitution gezwungen werden. Doch genau da knirscht es gewaltig. Zu keiner Zeit gelingt es, das Verhalten von Teenagern wie Jessica (Muriel Wimmer) oder Lisa (Franziska Brandmeier) nachvollziehbar zu machen. Zu geordnet sind die Verhältnisse, in denen sie leben, als dass man ihnen die Flucht in die Arme der Menschenhändler abnehmen würde.

Aber sei’s drum, man darf bei „Schimanski“ (ARD) einfach kein erschütterndes Sozialdrama erwarten, dafür ist diese Figur mittlerweile doch zu selbstbezüglich geworden – bis hin zur einsamen Entscheidung, Selbstjustiz akzeptabel zu finden. So gesehen, ist „Loverboy“ – auch dank seiner soliden Dramaturgie und seiner klug komponierten Bilder – ansehnliche Unterhaltung geworden, Nicht weniger, aber auch nicht mehr.

Rudolf Ogiermann

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