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Kann er es gewesen sein? Thorsten Lannert (Richy Müller, r.) fühlt als falscher Justizvollzugsbeamter Häftling Holger Drake (Tambet Tuisk) auf den Zahn.

Tatort-Kritik

Wie im schlecht gemachten Dokudrama

München - Der jüngste Tatort aus Stuttgart ("Freigang") erinnert an einen hervorragenden Frankfurter Knast-Tatort. Leider kommt er allerdings eher als schlecht gemachtes Dokudrama daher. Eine Kritik.

Dass der Knast seine eigenen Gesetze hat, zeigte vor gut einem Jahr Lars Kraumes hervorragender Frankfurter „Tatort“ (ARD) mit dem Titel „Wer das Schweigen bricht“. Damals ging es um einen Mord im Gefängnis und um die Angst, in einem vermeintlich total überwachten Raum den Aggressionen des Umfelds schutzlos ausgeliefert zu sein.

Auch die Macher des jüngsten Stuttgarter Falls haben eine Justizvollzugsanstalt zum (Haupt-)Schauplatz erkoren, hier wird gegen einen Häftling ermittelt, der beim illegalen „Freigang“– so auch der Titel der Episode – seine Ex-Frau erstochen haben könnte.

Leider liegen Welten zwischen diesen beiden Filmen. Autor und Regisseur Martin Eigler gelingt es – anders als Kraume – nur in wenigen Momenten, eine authentische Atmosphäre herzustellen, da mag er noch so oft die Kamera an Mauern und Stacheldraht entlangfahren lassen.

Zu trivial muten die Mauscheleien zwischen Bewachern und (einzelnen) Bewachten an, bis zum Schluss bleibt unklar, was eigentlich das Personal mit dem „King“ an der Spitze (auf verlorenem Posten: Herbert Knaup) davon hat, was die Verantwortlichen dieser Anarchie hinter Gittern letztlich dazu motiviert, sich so zu verhalten, wie sie sich verhalten.

Und auch die papierenen Dialoge tragen nicht dazu bei, die Story zu erden. Insbesondere im ersten Drittel reden alle Beteiligten, als handele es sich hier um ein (schlecht gemachtes) Dokudrama. Was Eigler rettet, ist die – alles andere als neue – Konstruktion mit einem undercover ermittelnden Kommissar.

Die permanente Gefahr, enttarnt zu werden, sorgt für den Thrill, der diesen Krimi dann doch noch auf Touren bringt, bis zum dramatischen Showdown. Richy Müller alias Thorsten Lannert zeigt als falscher Justizvollzugsbeamter Peter Seiler eindrucksvoll die Qualen des verdeckten Ermittlers, der sich auf Teufel komm raus anpassen muss, um nicht aufzufliegen. Und auch Felix Klare als sein Kollege Sebastian Bootz gelingt es diesmal, seinen durch die Trennung von der Ehefrau psychisch angeschlagenen Kriminaler glaubwürdig rüberzubringen. So retten die Hauptdarsteller diesen letzten „Tatort“ der Saison, der vermutlich trotzdem nicht allzu lang im Gedächtnis bleiben wird.

Rudolf Ogiermann

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