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Die Schöne als Biest

München - Vera Brühne - der Name ist Synonym für ein aufsehenerregendes Justizdrama, das die ARD nun in den detailversessenen TV-Zweiteiler "Der Fall Vera Brühne" gegossen hat. Der Film, der in seiner ursprünglichen Form und Länge vor sieben Jahren in Sat.1 zu sehen war, wird am Karfreitag und Ostersamstag gezeigt.

Der Fall gilt als der spektakulärste Mordprozess der Bundesrepublik - und er könnte ihr größter Justizskandal sein. Mitten in Oberbayern spielte er sich ab, in einem aufstrebenden Bürgertum, das vom Wirtschaftswunder mehr verlangte als einen sicheren Job, Haus und Familie. Vera Brühne galt als liberal: zweimal geschieden, alleinerziehende Mutter einer Tochter, Gespielin diverser Männer, von denen sich die elegante und selbstbewusste Blondine allem Anschein nach aushalten ließ.

Im Mai 2001 bereits lief eine ausufernde Verfilmung des Stoffs bei Sat.1. 2,74 Millionen Menschen schauten zu, was gemessen an dem Potenzial des Skandals wenig ist. Schließlich liefert er alles, was ein mitreißendes Drama braucht: Neid, Intrigen, Sex, eine kolportierte BND-Verschwörung und ein reichlich zweifelhaftes Gerichtsurteil. Da überrascht es doch, dass der Stoff vorher nur einmal, 1966, verfilmt worden war.

Produzent Bernd Eichinger und Regisseur Hark Bohm waren selbst unzufrieden mit dem Sat.1-Ergebnis. In der NDR-Fernsehspielredakteurin Doris J. Heinze fanden sie eine Mitstreiterin für eine Neuauflage. "Ein Wunder", sagt Bohm, "dass Eichinger und ich aus der Materialfülle, die für den ursprünglichen Film gedreht worden war, einen anderen, neuen Film bauen konnten." Einzigartig dürfte es schon sein, dass ein öffentlich-rechtlicher Sender einen für einen Privatkanal produzierten Film aufkauft und fürs eigene Programm umschneidet.

Unter Federführung des NDR hat die Sendeanstalt den im Original fünfstündigen Film auf zwei handliche 90-Minüter zurechtgestutzt. "Für das Sendeschema sind zwei Teile besser", sagt NDR-Redakteurin Heinze. Der komplette Film hätte über mindestens drei Abende gestreckt werden müssen. Nach der Ausstrahlung auf Arte in der vergangenen Woche läuft der erste Teil am Karfreitag um 21.45 Uhr, der zweite am Ostersamstag um 22 Uhr.

Ob dabei wirklich ein anderer Film herausgekommen ist, wie auch Heinze glaubt, ist Ansichtssache. Ein packender Zweiteiler ist allemal entstanden, der sich, das war das Ziel aller Beteiligten, auf die Figur Vera Brühne konzentriert. Doch Bohm und Eichinger können auch im zweiten Versuch nicht verschleiern, dass sie der Materialfülle nicht Herr wurden. Während der erste Teil atemlos vorwärts marschiert, raffiniert Fiktion und Dokumentation im Stil von Oliver Stones "JFK" verbindet, erschöpft sich das Verfahren im zweiten Teil, der hilflos zusammengestückelt wirkt. Aufregend ist der Film immer dann, wenn Corinna Harfouch im Bild ist. Sie spielt Brühne als famose Mischung aus Biest und Unschuldslamm. Sie schmiert dem Ermittler Honig ums Maul, verteilt danach aber Ohrfeigen an ihre Tochter, sie stichelt gegen Konkurrentinnen im Wettbewerb um die Männergunst und kann im Duell mit Ulrich Noethen, der den Staatsanwalt spielt, zugleich unverschämt heuchlerisch lächeln.

Die wahre Brühne pflegte ein Leben, das so gar nicht den Konventionen der frühen Sechzigerjahre entsprach. Im Auge der damaligen Öffentlichkeit war sie verrucht, ein blondes Gift, schlank, hochgewachsen, von stolzem Auftreten, raffiniert und berechnend. Die ganze Republik, in der von Achtundsechzig noch nichts zu spüren war, erlag schließlich der Faszination dieser Frau - zunächst aber nur, um sich selbst ihrer scheinbaren Anständigkeit zu versichern. "Hexenjagd" und "bundesdeutsche Dreyfus-Affäre": Die Kommentatoren fanden später deutliche Worte. Vera Brühne war ein Schlag ins Gesicht der braven Adenauer-Republik und offenbarte zugleich deren Bigotterie.

Ob Berechnung oder Verwirrung, Brühnes durchaus widersprüchliches Verhalten bot den Anklägern jedenfalls genug Angriffsfläche. Ob sie und ihr Mitangeklagter Ferbach (Uwe Ochsenknecht) den Mord tatsächlich begangen haben, überlässt Bohm dankenswerterweise der Interpretation des Zuschauers.

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