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„Den Absprung geschafft vom Fan des Tyrannen zum Attentäter“: Peter Becker verkörpert Claus Schenk Graf von Stauffenberg in den Spielszenen des zweiteiligen ZDF-Dokudramas „Stauffenberg – Die wahre Geschichte“.

Dokudrama

Ein Schöngeist, der sich dem Bösen stellt

Guido Knopp und das ZDF erzählen heute und am nächsten Dienstag „Stauffenberg – Die wahre Geschichte“

Stauffenberg, ein Name wie Donnerhall, Inbegriff deutscher Anständigkeit. Ein Held, prinzipientreu bis in den Tod. Ein Mensch, so überhöht, dass der kleine Tom Cruise in „Operation Walküre“ permanent auf hohen Hacken oder Hockern steht, um die Größe des Gepriesenen nicht zu schmälern. So ehrbar, dass ihm Sebastian Koch in Jo Baiers Fernsehfilm „Stauffenberg“ (2004) eine liebenswerte Mixtur aus Selbstzweifel, Standhaftigkeit und Ethos verpasste. So apotheotisch, dass sein Darsteller Peter Becker in der neuesten Huldigung mit dem Titel „Stauffenberg – Die wahre Geschichte“ (heute und am nächsten Dienstag, jeweils um 20.15 Uhr im ZDF) in gleißendes Licht entschwindet, als er seine Familie zum Attentat auf Adolf Hitler am 20. Juli 1944 durch die Haustür verlässt.

Würde der Bundespräsident direkt gewählt – wer weiß, vielleicht hätte einer wie Claus Schenk Graf von Stauffenberg reelle Chancen aufs höchste Amt im bundesrepublikanischen Staate, sofern nicht auch noch Günther Jauch kandidierte. Die Inszenierung eines elitären Offiziers als aufrechter Demokrat ist fraglos das Ergebnis einer Verklärung, für die vor allem einer verantwortlich zeichnet – Guido Knopp, erfolgreichster Fernsehhistoriker im Land.

Ein durchaus verdienstvoller, hat er doch Dokumentationen unserer jüngeren Vergangenheit für die beste Sendezeit tauglich gemacht und der History das „Tainment“ verpasst. Darüber hinaus aber alles daran gesetzt, die Generation Großdeutschland zu exkulpieren. Hitler, Hitler und nochmals Hitler bilden den Stoff, aus dem der Mythos des verführten, verfolgten, vernebelten Volkes gewoben war. Und sein Hauptverführter, Hauptverfolgter, Hauptvernebelter ist – Stauffenberg. Nur dass der den Absprung schaffte vom Fan des Tyrannen zum Attentäter.

Ein Multifunktionsheld, auch im neuen Film ausgiebig belobigt von den üblichen Zeitzeugen. Ein attraktiver Schöngeist mit Augenklappe, der sich trotz Kriegsversehrung dem Bösen stellt. Ein guter Kamerad, ein strenger, aber toller Vater, ein gebildeter und zugleich zupackender Aristokrat, so heißt es ständig. Adel verpflichtet.

Nichts Neues also, alles schon oft besungen, von Knopp und anderen. Was also am aktuellen Zweiteiler wahrer sein soll als am bisherigen Kenntnisstand, bleibt schleierhaft. Immerhin sehen wir verschiedenste Facetten eines langen Entwicklungsprozesses vom glühenden Nazi zum soldatischen Skeptiker. Dazu nachinszenierte Bilder seiner Hochzeit in Bamberg, des Einsatzes im Afrikakorps, das Attentat in der „Wolfsschanze“ und den gescheiterten Putsch im Detail. Filmtechnisch auf höchstem Niveau, das ist man aus der durchfinanzierten Redaktion nicht anders gewohnt.

„Die Zeit“ hat diese Art Sachunterhaltung völlig zu Recht als „Entschuldung durch konsequente Entpolitisierung“ genannt. Bei Guido Knopp wird Hitlers „Tausendjähriges Reich“ stets zum Hollywoodstoff aus Babelsberg. Auch Stauffenbergs „wahre Geschichte“ liefert Emotionalisierung vor historischer Kulisse, Heldenproduktion in einer zweifarbigen Welt, deren schwarze Seite stets durch „Hitlers... (Krieg, Plan, Clique) apostrophiert ist und deren weiße keine Flecken duldet.

„In gewisser Weise hat er sich zu Beginn von Hitler täuschen lassen“ – so arglos klingt es im Film, wenn der Stauffenberg-Biograf Peter Hoffmann sein Steckenpferd allzumenschlich zeichnet. „Er hat gezeigt, dass nicht alle Deutschen stramme Nazis waren“ – so redundant formuliert es Stauffenbergs Tochter Konstanze an gleicher Stelle. „Der Graf war deutsch-national, nie ein Nazi“ – diese Unterteilung empfiehlt sein ideologischer Bruder im Geiste, Guido Knopp. „Wir atmen etwas freier, weil es ihn gegeben hat.“

Dass der so Gelobte nach seinem sehr plastisch verfilmten Attentat bestenfalls eine Monarchie geduldet hätte im Vaterland, dass er seinen Stand qua Geburt für den besseren hielt und Hitler vor allem wegen seiner militärischen Strategie hassen lernte – dafür bleibt kaum Raum im ZDF. „Absurd“, nennt es Experte Hoffmann, dass Stauffenbergs verbriefte Worte, das „zerlumpte Judenvolk im Osten“ fühle sich „nur unter der Knute wohl“, rassistisch oder antisemitisch waren. Eine Erklärung dieser Behauptung fordert Regisseur Oliver Halmburger nicht ein. So wahr soll die Geschichte auch wieder nicht werden. Zum Feierabend reicht ein gut gemachter Heldenstoff.


Zum Zweiteiler im ZDF

erschien von Guido Knopp das Buch „Stauffenberg – Die wahre Geschichte“, Pendo Verlag, München; 240 Seiten, 19,90 Euro.

Von Jan Freitag

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