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Letzte Rettung OP? In der umstrittenen MTV-Serie wollen sich Menschen so lange operieren lassen, bis sie aussehen wie Berühmtheiten.

Schönheits-Show: MTV verklagt Landeszentrale

München - Der Musiksender MTV verklagt die Bayerische Landeszentrale für neue Medien - weil diese das Format „I want to be a famous face“ ins Nachtprogramm verbannt hat. Darin lassen sich Normalos in vermeintliche Schönheiten umoperieren.

Es gibt Menschen, die wollen unbedingt aussehen wie Brad Pitt oder Britney Spears – und legen sich dafür unters Messer. Bei der MTV-Sendung „I want a famous face“ („Ich will ein berühmtes Gesicht“) lassen sie so lange an sich herumschnippeln, bis sie vermeintlich so schön sind wie ein Hollywoodstar. Der Bayerischen Landeszentrale für neue Medien (BLM) gefällt das allerdings gar nicht: Sie beanstandete die Sendung als gefährlich für Jugendliche und verbannte sie ins Nachtprogramm. Nun kämpft der Sender MTV vor Gericht für seine Schönheits-Show.

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Der Streit um den Schönheitswahn ist wieder einmal entbrannt. Dazu kann man stehen, wie man will. Aber die Frage bei „I want a famous face“ ist: Ist diese Sendung jugendgefährdend? Die BLM sagt Ja. Und eine Gutachterin, Professorin Ingrid Paus-Hasebrink, gibt ihr Recht. Das Problem: „Hier wird eine Heldengeschichte erzählt.“ Nach dem Motto: „Am Anfang bist du hässlich, am Ende bist du schön.“ Die Zuschauer haben am Schluss den Eindruck: Ja, Mike und Matt, die „Helden“ der ersten Folge, haben es „geschafft“. Das sei ein Angebot an Jugendliche, die an ihrem Äußeren leiden, so Paus-Hasebrink. Das Angebot laute: „Dem kann ich entkommen. Ärzte werden mir helfen.“

Vielleicht könnte die Show, deren erste Folge man sich gemeinsam im Gerichtssaal anschaute, wirklich so manchem diesen Eindruck vermitteln. Matt und Mike, 21-jährige Zwillinge aus den USA, haben lange Nasen, wenig Kinn. Die Angebetete Monica hat Mike einen Korb gegeben. Jetzt sollen es Operationen an Nase, Wangen, Kinn und Unterkiefer richten. Danach will ihn Monica zwar immer noch nicht. Aber Mike ist glücklich, strahlt mit neuen Zähnen: „Ich sehe nicht ganz wie Brad Pitt aus, aber ich bin zufrieden.“ Monica werde ihre Entscheidung noch leidtun. „Hollywood, ich komme!“

MTV sieht das Format als unproblematisch an. Der Sender ist sich sicher, dass die jugendliche Zielgruppe gut mit der Sendung umgehen könne. Sie würden erkennen, dass Mike Monica trotzdem nicht bekommen hat. Und dass die Burschen am Ende eben nicht wie Brad Pitt aussehen. „Es geht hier um Promi-Besessenheit“, sagt Heike Leidiger von MTV, „ich glaube nicht, dass sich unsere Zuschauer als Promi-Besessene sehen wollen.“ Die Gutachterin widerspricht: „Die Jugendlichen sehen das anders als Sie.“

Auch an anderen Punkten hakte der Sender ein. So glaubt man dort etwa, dass die Jugendlichen durch die blutigen OP-Bilder abgeschreckt würden. Die Gutachterin widerspricht auch hier: „Die OP kommt als Videoclip mit Rockmusik daher.“ Sie sei schnell vorbei – und dann habe sie sich gelohnt. Das Verwaltungsgericht will heute urteilen.

Von Nina Gut

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