Die Schraube im Kopf

- "Waldi und Harry" - mit diesem Duo infernale will das Erste die Zuschauer auch nach einem langen Olympia-Tag noch an den Bildschirm fesseln. Sportjournalist Waldemar Hartmann (57) und Entertainer Harald Schmidt (48) sollen ab Sonntag an den Tagen, an denen die ARD aus Turin berichtet, jeweils nach den "Tagesthemen" das Geschehen zusammenfassen und Gäste begrüßen.

Bei der ARD ist vom "Doppelpass" die Rede, den Sie miteinander spielen werden, Harald Schmidt spricht ganz bescheiden davon, dass er der "Andrack vom Waldi" sein wird. Was stimmt denn nun?

Waldemar Hartmann: Das schließt sich ja nicht gegenseitig aus. Ich bin für den Sport zuständig, er ist der Sidekicker, eben wie Manuel Andrack in der Late Night Show.

Wie sieht das konkret aus?

Hartmann: Ungefähr die Hälfte der Sendezeit bestreiten wir mit Filmbeiträgen vom Tage, weil man die Emotionen der Sieger und der Besiegten ja nur im Bild zeigen kann. Das ist auch Sinn dieser Sendung, dass die Zuschauer das alles noch einmal mitkriegen. Harald wird die Olympischen Spiele aus seiner Sicht beleuchten. Seine Rubrik heißt "Avanti Harry"; für die ist er tagsüber mit der Kamera unterwegs und spießt das auf, was ihm auffällt, und davon wird's ja reichlich geben.

Also keine Comedy im Studio?

Hartmann: Ich spiele meine Rolle als Sportjournalist, aber es wird sich nicht vermeiden lassen, dass ich mit Harald auch einen Doppelpass auf seine Art und Weise spiele. Sonst würden wir ja nebeneinanderher moderieren. Und das soll's nicht sein.

Muss man das üben - oder geht das spontan?

Hartmann: Harald Schmidt wird das so machen, wie er's immer macht. Da kommt viel aus dem Bauch. Es ist ja eine Mär, dass er Autoren oder Gagschreiber im Dutzend beschäftigt. Ich habe ihn hautnah erlebt, der schießt beidhändig aus der Hüfte. Spontan, zwei Stunden am Stück, und du schmeißt dich weg.

Wird es zu Ihren Aufgaben gehören, als Gentleman die Sportler im Studio vor den Attacken Harald Schmidts zu schützen?

Hartmann: Nein, darüber waren wir uns einig, dass die Zielscheibe seines Spotts nicht die Sportler sein werden. Das bin wahrscheinlich vor allem ich. (Lacht.) Aber da gibt's ja auch noch reichlich Funktionäre, Politiker und andere Wichtigtuer.

Wie wehren Sie sich?

Hartmann: Da gilt der Doppelpass, da gibt's dann auch was zurück.

Duzen Sie sich eigentlich?

Hartmann: Ja, klar, von Anfang an und auch in der Sendung. Das war fester Bestandteil der Absprache. Er ist ja sonst eigentlich kein Duzer.

Ihre Lieblingswintersportart?

Hartmann: Biathlon. Das hat natürlich auch damit zu tun, dass deutsche Erfolge da ziemlich sicher sind. Aber das ist auch eine irre spannende Nummer. Am Schießstand entscheidet sich's, da kann sich alles umdrehen.

Ihr denkwürdigstes Erlebnis bei Olympischen Winterspielen?

Hartmann: Das war 1994 in Lillehammer. Da haben wir - er war in der Abfahrt gerade 36. geworden - in kleinster Runde die Niederlage von Markus Wasmeier begossen. Und da hat er angekündigt, dass er bei diesen Spielen noch eine Medaille macht, und die werde dann auch im kleinsten Kreis gefeiert. So kam's auch. Er hat ja dann sogar noch zwei Goldmedaillen gewonnen. Das aus nächster Nähe miterlebt zu haben, das tiefste Tal und den höchsten Berg, ist mir unvergesslich.

Treiben Sie selbst Wintersport?

Hartmann: Nur noch Rodeln hinterm Haus. Im Ernst, ich habe mir vor ein paar Jahren beim Skifahren den Fuß gebrochen, ein Bröselbruch. Seit damals habe ich eine Schraube im Fuß. Und die ist offenbar auch in meinem Kopf. Ich habe noch zu viel Angst, als dass ich mich jetzt schon wieder auf Skier stelle.

Das Gespräch führte Rudolf Ogiermann.

ARD, Sonntag, um 22.30 Uhr.

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