Schuhplatteln auf Knopfdruck

München - Kino im Kopf. Ohne Geräusche könnten Hörspiele das niemals sein. Um nicht jedes Geräusch immer wieder aufs Neue produzieren zu müssen, gibt es beim Bayerischen Rundfunk (BR) ein umfangreiches Geräusche-Archiv.

"Geräusche sind bei Hörspielen das Salz in der Suppe", sagt Udo Appel, Leiter der Studioproduktion beim Bayerischen Rundfunk. Zehntausende Geräusche seien beim BR über einen digitalen Speicher bestellbar. Bis die Daten verfügbar sind, könne es aber Stunden, teils auch Tage dauern. Für eilige Fälle gebe es eine Produktionsgeräuschedatenbank, über die rund 5000 Geräusche sofort abrufbar sind. Verwendet werden sie sowohl für Radiosendungen als auch für Hörspiele.

Die Geräusche stammen laut Christiane Schmidbauer-Huber zum Teil aus alten Produktionen, aus speziellen Datenbeständen oder wurden eigens für das Archiv aufgenommen. "Als dieses Jahr bei uns daheim der Maibaum gefällt wurde, habe ich das zum Beispiel aufgezeichnet", sagt die Tontechnikerin. Auch eine ganze Palette an Haushaltsgeräuschen wie etwa das Gläserklirren beim Abwasch habe sie zu Hause aufgenommen und in die Datenbank eingepflegt. Schmidbauer-Huber verwaltet gemeinsam mit einer Kollegin die Geräuschdatenbank. Vor rund zehn Jahren wurde sie eingeführt, um häufig verwendete Klangelemente für Radiosendungen wie etwa Jingles zu strukturieren und schneller abrufbar zu machen. "Dabei kamen mir so viele Geräusche unter, dass ich beschloss, eine eigene Kategorie dafür anzulegen", sagt die 49-Jährige.

Die Entwicklung gehe immer stärker dahin, dass bei Hörspielen fertige Geräusche im Nachhinein unter die gesprochenen Texte gelegt und in das akustische Gesamtbild eingebettet werden. Hörspielproduzenten könnten so die Aufnahmen in schall-armen Studios aufzeichnen und später mit künstlichen Effekten Hintergrundgeräusche und Raum-atmosphäre herstellen. Dramaturgische Änderungen auch nach der Aufnahme seien so einfach umsetzbar.

Freilich gebe aus auch Fälle, in denen das nicht sinnvoll sei. Geräusche beim Fahrradfahren etwa ließen sich zwar problemlos nachträglich einspielen. Nur: Die veränderte Stimmlage, der Puls, das Schnaufen - all das müsse in der Szene selbst passieren. In einem solchen Fall versuche man, das Geschehen authentisch im Studio nachzustellen. Andere Hintergrundgeräusche wie Regen, Vogelgezwitscher oder Sirenenheulen würden hingegen erst im Nachhinein eingearbeitet.

Ohnehin sei die Tonmischung im Anschluss an die Aufnahmen der aufwändigste Schritt bei einer Hörspielproduktion, erläutert Appel. Zwei Wochen dauert eine solche beim BR durchschnittlich: eine Woche Aufnahme, eine Woche Mischen. Durch die Digitalisierung sind Geräusche schnell und in großer Vielfalt verfügbar. Für den Beruf des Geräuschemachers brachen dadurch allerdings schlechte Zeiten an. Vor gut 30 Jahren sei es bei Hörspielproduktionen noch üblich gewesen, Geräusche aufnehmen zu lassen. Der Geräuschemacher sei dann beispielsweise in den Wald gefahren, um das Getrommel eines Spechts aufzunehmen. Heute sei das undenkbar, sagt Schmidbauer-Huber.

Für viele szenische Geräusche bietet aber auch schon die Ausstattung in den größeren Hörspielstudios beim BR vielfältige Möglichkeiten. Egal ob Holztüre, Glastüre, Teerstraße oder Kieselsteine - all dass lässt sich in dem Studio live erzeugen, wenn auch nicht immer ganz authentisch: Statt herbstlichem Laub werden beispielsweise alte Tonbänder auf den Boden gelegt. Das Ergebnis allerdings klingt täuschend echt. Und schließlich ist es ja nur Kino im Kopf.

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