Schutzwall aus Schmutz

München - "Mama, du musst hier aufräumen!", ruft die zwölfjährige Nina verzweifelt. Die Rollen sind plötzlich umgekehrt in Martina Elberts BR-Fernsehfilm "Morgen räum ich auf" (ARD, heute, 20.15 Uhr). Denn seit Ellen, von ihrem Mann betrogen, mit ihrer Tochter in die leere Wohnung des Bruders gezogen ist, bekommt sie ihr Leben nicht mehr in den Griff.

Wenn Sammeln zum Zwang wird: Regisseurin Martina Elbert über ihren Messie-Film "Morgen räum ich auf"

Während Nina in ihrem Zimmer eine Oase der Ordnung aufrechterhält, versinkt der Rest der Wohnung in Umzugskisten, Kleiderbergen und schmutzigem Geschirr. Als Schutz gegen die Entbehrungen ihres alten Lebens entwickelt Ellen für ihr neues Leben einen zwanghaften Sammelwahn. "Im Unterschied zum Sammler ist es beim Messie eine Ansammlung", berichtet Martina Elbert, Drehbuchautorin und Regisseurin (englisch "mess" für "Unordnung", "Dreck"). "Er kann nicht trennen zwischen verwertbar und nicht verwertbar. Gleichzeitig baut er sich nach außen einen Schutzwall. Die wenigsten Messies erkennen selbst, dass sie Messies sind. Da ist eine ganz prekäre Abspaltung im Bewusstsein."

Für die Tragikomödie "Morgen räum ich auf" hat Elbert Selbsthilfegruppen besucht, mit Psychologen gesprochen und dabei festgestellt, dass die Dunkelziffer sehr hoch ist. "Man spricht von 1,8 bis 2 Millionen. Meine Theorie ist: In jedem größeren Mietshaus gibt es mindestens einen Messie. Jeder kennt mindestens einen Messie. Sie leben oft in einer Parallelwelt: arbeiten als Haushaltshilfe oder führen ein Doppelleben und leben im Beruf ihre Ordnungsobsession aus. Nur zu Hause bekommen sie nichts geregelt." Im Prinzip, sagt Elbert, könne solch ein Schicksal jeden von uns treffen: "Dass man von einem Schockerlebnis so überrollt wird, dass man nur noch weg will und alles, was man hat, mitnimmt, es später aber auch nicht mehr loslassen kann." Das sei ja auch Thema unserer Zeit: die ständige Konfrontation mit dem Loslassen. Dass die Messie-Problematik dennoch tabuisiert wird, macht sie für die Filmemacherin brisant: "Das Ambivalent-Menschliche und das Tragisch-Komische interessieren mich immer bei Geschichten."

Der beklemmenden Erfahrung einer Messie-Wohnung musste sich das gesamte Filmteam stellen, während es sich fünf Wochen lang in einem Königsbrunner Abrisshaus einnistete und -müllte. Während Martina Elbert am Drehbuch schrieb und das Chaos im Kopf erzeugte, habe sie in den Schreibpausen immer mit Putzen dagegengehalten, erinnert sie sich. Auch Esther Zimmering, die die junge Messie-Mutter Ellen spielt, berichtet von einer Extrem-Erfahrung: "Nach dem Film habe ich gelernt, besser aufzuräumen."

Die Messie-Rolle war für die 31-jährige Schauspielerin eine anstrengende Herausforderung. Eine andere sei die Mutter-Rolle gewesen. Denn Ellen hat zwar nur eine Tochter, Zimmering jedoch hat gleich zwei Filmtöchter: Gina und Sandy Holzapfel. Die Zwillinge teilen sich die Hauptrolle. Ein notwendiger Trick, denn länger als vier Stunden darf eine Zwölfjährige nicht drehen. Man wäre also nur sehr langsam vorangekommen. Die Doppelung sei anfangs etwas schwierig gewesen, erinnert sich Zimmering. Doch schon beim Casting habe es sofort gefunkt zwischen ihr und den Mädchen.

"Es sind zwei ganz unterschiedliche Menschen, und man kann sie nur schwer unterscheiden", beschreibt sie die beiden talentierten Schauspiel-Debütantinnen. "Die eine ist vom Typus eher extrovertierter, die andere introvertierter", erkannte auch die Regisseurin und teilte die beiden den ihren Temperamenten entsprechenden Szenen zu. "Aber das tiefe Gefühl für die Rolle der Nina hatten beide gleich!", betont Martina Elbert. Übrigens sind die Zwillinge nicht das einzige Geschwisterpaar in diesem Film: Die Produzentinnen Alexandra und Meike Kordes sind ebenfalls Schwestern. Und Esther Zimmerings Filmbruder Andreas wird von ihrem richtigen Bruder David Zimmering gespielt.

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