Schwieriger Kindergeburtstag

München - Ihren ersten gemeinsamen Monat bei der ARD haben Harald Schmidt und Oliver Pocher jetzt hinter sich. Ihre Sendung, die zu Beginn noch stark schlingerte, scheinen sie allmählich in Griff zu bekommen.

Mit den Gästen tun sich die beiden Moderatoren aber nach wie vor unheimlich schwer - und das liegt nicht an den Eingeladenen. Am Donnerstag etwa begrüßten Schmidt und der ARD-Neuzugang Pocher die Sängerin Sabrina Setlur, die keineswegs bekannt dafür ist, auf den Mund gefallen oder sonderlich zurückhaltend zu sein. Doch selbst ein harmlos-herzlich-unterhaltsames Geplauder, das ja sowieso nur wenige Minuten dauern darf, konnten die beiden Gastgeber nicht in Gang bringen. Zu oft kamen sie sich verbal ins Gehege, zu wenig schienen sie sich vorab einen möglichen Gesprächsverlauf überlegt zu haben: Mitleid konnte man mit Setlur haben.

Dagegen wirkt "Schmidt & Pocher" insgesamt nach nun vier Durchgängen nicht mehr gar wie ein aus dem Ruder gelaufener Kindergeburtstag. Der 50-Jährige und sein 21 Jahre jüngerer Partner haben aus den Mängeln besonders der ersten beiden Folgen gelernt - und etwa bemüht-komische Einspielfilme wie die Persiflage auf das "Promi-Pilgern" aus der Sendung gekippt. Auch Dr. Eckart von Hirschhausen darf nun endlich im Studio praktizieren. Ein Gewinn. Denn der Arzt und Kabarettist versteht es, mit Tempo, Witz und Intellekt medizinisches Wissen mit Pointen-Garantie zu vermitteln. Da fetzt die Sendung.

Schön ist auch, dass mit Helmut Zerlett wieder der tollpatschig-putzige Musiker aus Schmidts Sat.1-Tagen an der Hammond-Orgel im Studio steht: Wenn die drei Herren sich zum spontanen Wortwechsel entschließen, wird es meist komisch.

Zerletts Rückkehr bedeutet jedoch nicht, dass das jetzt einstündige Format an jene Zeiten anschließen kann, in denen Schmidt solo Abend für Abend Politik, Welt- und Kulturgeschichte eigenwillig, zynisch und intelligent erklärt hat - und dafür von den Feuilletons gefeiert wurde. "Schmidt & Pocher" bezieht einen großen Teil seiner Witze nunmehr aus dem aktuellen Fernsehprogramm. Wer das nicht kennt, hat kaum was zu lachen.

Und Pocher? Der dauerpubertierende Glucks- und Grinsemann, der sich während seiner Zeit bei ProSieben für nichts (und nichts meint nichts) zu schade war? Er beherrscht seinen Körper besser als sein Mundwerk, hat einige gute Parodien auf Lager, während er bei den Wortwitzen oft zu langsam ist oder zu sehr Harald Schmidt nacheifert.

Die Zuschauer scheinen die Sendung jedenfalls zu mögen: Bei der Premiere sahen 2,28 Millionen zu, danach 1,54 und 1,91 Millionen sowie 1,73 Millionen am vergangenen Donnerstag. Das ist ordentlich. "Schmidt & Pocher" pausieren jetzt für zwei Wochen - Zeit also, um nochmals nachzuarbeiten.

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