Sehnsucht nach dem Vater

Serie über Kinder von Besatzungssoldaten: - Zu den selten thematisierten Folgen des Zweiten Weltkriegs zählt das Schicksal der Kinder von Besatzungssoldaten. Die Autoren der dreiteiligen Reihe "Mein Vater, der Feind" (3 sat) haben sich auf Spurensuche begeben. Über drei Beispiele aus Frankreich berichten in der ersten Folge heute um 20.15 Uhr Bruno Schneider und Ulrike Stumpp.

Für die französischen Mütter war das Leben mit ihren "Bastard"-Kindern in den Vierziger- und Fünfzigerjahren die Hölle. Die Nachkriegsgesellschaft verachtete die Frauen, die sich mit den "Boches" eingelassen hatten. Wer konnte, zog weg aus seinem Heimatort, wo jeder jeden kannte. Die Kinder litten unter der Abwesenheit des Vaters, der einerseits "schuld" war an den Demütigungen, den sie andererseits jedoch als Beschützer vermissten.

Bernard ist so ein Deutschenkind. Seine Mutter floh aus dem ostfranzösischen Metz in den Süden, um sich und ihr Kind vor den Anfeindungen der Nachbarn zu schützen. Verfolgt hat beide das Thema dennoch ihr ganzes Leben. Die Mutter, weil sie ihre große Liebe nicht vergessen konnte. Der Sohn, weil er büßen musste dafür, dass sein Vater ein deutscher Soldat war.

Auch Liliane ist das Kind eines deutschen Soldaten. Ein ungeliebtes Kind, für das man sich schämte, das man vesteckte. Ihre Mutter gab es zur Großmutter. Warum sie das tat, konnte sich Liliane lange nicht erklären. Sie idealisierte ihren Vater, forschte lange nach ihm, bis sie eine Spur fand, die nach Halle in der damaligen DDR führte. Als sie nach dem Fall der Mauer endlich dorthin reisen konnte, war ihr Vater gerade gestorben. Doch ihre Halbgeschwister nahmen sie mit offenen Armen auf.

Michel dagegen wuchs behütet auf. Sein französischer Stiefvater hatte ihn kurzerhand adoptiert. Erst nach dem Tod der Mutter entdeckte Michel das Geheimnis seiner Herkunft. Jahrzehntelang suchte er nach dem leiblichen Vater, bis er ihn schließlich entdeckte - in München.

Weitere Folgen:

Mit dem Schicksal der Kinder deutscher Soldaten in Norwegen beschäftigt sich Erika Fehse am kommenden Freitag, um "Russenkinder" geht es am Freitag, 18. Mai. Autor ist Hans-Dieter Rutsch.

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