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Die besten zehn Kandidaten: Für sie geht der Traum vom Superstar weiter - doch schon in der nächsten Sendung kann er zerplatzen.

Casting-Show

Die Seifenblasen-Fabrik

Die erste Live-Sendung der sechsten Staffel: Ein Blick hinter die Kulissen von "Deutschland sucht den Superstar".

"Leute, ich brauche noch mein Bein-Make Up!" Hektisch wirbelt Michelle Bowers in die Garderobe und lüpft ihr kurzes Kleidchen, in dem sie tatsächlich die Anmutung eines kleinen Superstars hat. Auf dem Gang tigert Florian Ehlers nervös auf und ab und übt seinen Song, während Holger Göpfert im grauen Schlabberpulli etwas verloren herumsteht. Es ist Samstag, 13.30 Uhr, und der Countdown läuft: In knapp zwölf Stunden ist alles vorbei - zumindest für fünf der fünfzehn Kandidaten von "Deutschland sucht den Superstar" (RTL), die in die erste Liveshow einziehen durften.

Der Traum vom Leben als Popstar wird zerplatzen wie eine bunte Seifenblase - vor den Augen von Millionen von Zuschauern. Macht das keine Angst? "Nein, gar nicht", wehrt der Münchner Schuhverkäufer Roshan Paul lässig ab. "Ich denke gar nicht drüber nach, dass ich rausfliegen könnte." Und wenn doch? "Dann hatte ich hier eine hammergeile Zwischenphase meines Lebens. Man kann bei DSDS nur gewinnen."

Der Gesangstrainer Jeff Cascaro, der in der hektischen Betriebsamkeit all der Stylisten, Maskenbildner und Security-Leute wie ein ruhender Pol wirkt, lächelt über die coolen Sprüche seines Schützlings. "Je länger der Tag, desto größer wird die Aufregung. Das geht hier allen so, mögen sie noch so lässig tun. Unser Job ist am Ende vierundzwanzig Stunden Händchen halten."

Tatsächlich nimmt die Unruhe minütlich zu. Während bei den Möchtegern-Superstars letzte Wimpern getuscht und Gesichter gepudert werden, wuseln unten im Studio Dutzende von Technikern über die neue Superstar-Bühne, die ohne Glamourbeleuchtung gar nicht so riesig wirkt, wie es dem Zuschauer am Fernseher vorkommt. Scheinwerfer werden mit Seilwinden an die Decke gezogen, Kamerabilder abgeglichen, Mikrofone getestet.

"Wir verbrauchen hier an einem Abend den Strom einer Kleinstadt", erzählt der Beleuchtungschef mit stolz geschwellter Brust. Die Zeit läuft: 15.30 Uhr, die Generalprobe sollte längst beginnen. Woran es hängt, ist unklar, Ungeduld kommt auf, die Superstars zappeln hinter der Bühne. "Wenn ihr die Videoleinwand zu hoch fahrt, qualmt hier der Molton", ruft eine genervte Stimme aus dem Off. Schnell rücken Männer in Schwarz die schicke Leinwand, die gleichzeitig Showtreppe sein wird, zurecht, dann geht es endlich los.

Doch was abends einfach und souverän aussehen soll, muss nachmittags mühsam geprobt werden: Mehrmals müssen die aufgeregten Kandidaten auf- und abgehen, bis sie die richtige Reihenfolge kennen und sich ohne Gedrängel aufstellen können. Showbusiness ist eben doch vor allem harte Arbeit.

Roshan vor der Sendung:
"Man kann hier nur gewinnen."

Absoluter Profi zwischen den Laien: Moderator Marco Schreyl. Ganz in Großer-Bruder-Manier beruhigt er die flatternden Nerven der Kandidaten, hat hier ein nettes Wort, dort ein aufmunterndes Lächeln. Selbst Patzer wie ein vollkommen falscher Einsatz von Annemarie Eilfeld werden von ihm souverän aufgefangen, auch wenn der Regisseur der Show ungeduldig ins Mikrofon zischt: "Das ist eine Livesendung, Mädchen. Noch mal anfangen, ist heute Abend nicht drin!"

Während die Stars und Sternchen ein letztes Mal fieberhaft an ihrem großen Auftritt feilen, fahren draußen vor der Halle die ersten Fanbusse vor und spucken alles an Familie und Freunden aus, was die Kandidaten mobilisieren konnten. Binnen weniger Minuten verwandelt sich die trostlose Industriehalle in einen bunten Jahrmarkt: Während Cornelia Patzlspergers Münchner Freundinnen als Engelchen mit Harfe umherschweben, geben Roshan Pauls Kumpels die Bayern in Lederhosen und Benny Kieckhäbens Freunde posieren ganz im Sinne ihres schrägen Idols in grellem Pink. Am lautesten sind Holgers Fans: Deren Party scheint schon bei der Abfahrt in Würzburg begonnen zu haben und wird bis weit nach Mitternacht mit unverändertem (Geräusch-)Pegel anhalten.

Doch während ihre Fans schon kräftig feiern, wird es für die Superstars nun wirklich ernst. Ein letztes Mal in die Maske, Kostüme gezupft, Strumpfbänder gerichtet. Und vor allem irgendwie die Angst unterdrückt: "Ich bin jetzt noch nervöser als vorher", gesteht Cornelia, und ihre Hände zittern. "Wenn ich nachher so singe wie gerade in der Probe, ist alles aus."

20 Uhr, der Saal ist mit seinen 1200 Plätzen voll besetzt und es herrscht auch ohne den Alleinunterhalter, der schon vor der Show für Stimmung sorgen soll, eine Atmosphäre wie beim Fußball-Länderspiel. Spruchbänder, Sprechchöre, Jubel - nach sechs Staffeln DSDS sind auch die Fans Profis. Der Rest ist Routine: Nachdem um 20.15 Uhr die Kandidaten und schließlich auch die Jury, bestehend aus Dieter Bohlen, Nina Eichinger und Volker Neumüller, auf der Bühne sind, läuft die erste Liveshow der neuen Staffel ohne größere Komplikationen ab. Keiner patzt, auch wenn Dieter Bohlen die kleine Michelle hämisch fragt, ob ihr das Rheuma, unter dem sie leidet, nun auf die Stimmbänder geschlagen sei. Doch bissige Bohlensprüche gehören nun mal zu DSDS wie das Salz in der Suppe - darüber regen sich nicht einmal Michelles Fans wirklich auf.

23.15 Uhr, Beginn der einstündigen Pause. Während die Superstars ein letztes Mal in die Maske gehen und sich ein paar Minuten erholen können, stärken sich ihre Fans vor der Halle mit Brezn - immer eine Hand am Handy, um fleißig für ihren Star zu voten. Sind die alle wirklich eigens angereist? "Klar", sagt die Familie von Tobias Rößler in orangen T-Shirts, "wir sind extra hier, aber das ganze Saarland steht hinter ihm".
Schade, dass das Saarland so klein ist, denn für Tobias haben die Anrufe, wie sich in der Entscheidungsshow herausstellt, nicht gereicht. Bis knapp ein Uhr morgens zieht sich die Verkündung des Telefonvotings über die Top 5 und schließlich die Juryentscheidung über die fünf weiteren Plätze in der DSDS-Villa wie ein Kaugummi in die Länge, bis klar ist: Michelle, Florian, Fausta, Tobias und auch Roshan sind raus. Jubel, Tränen und Applaus, die Show ist für heute vorbei.

Roshan danach:
"Ich habe mich nicht gut genug verkauft."

Während sich die Jury bald zurückzieht, müssen die Kids auch nach Ende des zwölfstündigen Countdowns noch ran: Wer ein Superstar werden will, darf jetzt nicht schlapp machen. Während sich Benny, Holger und Daniel vor laufender Kamera auf die Schulter klopfen und schon die Zimmer in der DSDS-Villa aufteilen, in der sie ab Sonntag Früh wohnen werden, ist der Frust bei den Verlierern groß.

"Ich verkaufe mich wahrscheinlich einfach nicht gut genug. Deshalb war ich von Anfang an bei DSDS viel weniger zu sehen als zum Beispiel Benny. Und dann hat man halt auch weniger Anrufer", hadert Roshan, und unter der zur Schau getragenen Coolness spürt man es brodeln.
Michelle gibt offen zu, wie sehr es sie fertig macht, dass ihr großer Traum nun geplatzt ist: "Ich ziehe jetzt diese unbequemen Schuhe aus, geb mir die Kante und knutsch mit irgendeinem Typen herum.

Das brauche ich heute Abend." Tränen verschmieren ihr Make Up, die Anmutung eines Superstars hat sie dabei nicht. Aber sie ist seit heute Abend ja auch keiner mehr.

Melanie Brandl

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