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Sendepause für Satire

Aus Geldmangel stellt der Bayerische Rundfunk den kabarettistischen Jahresrückblick „Schimpf vor 12“ ein.

Das Debakel der CSU bei der jüngsten Landtagswahl, das unrühmliche Ende des „Tandems“ Günther Beckstein und Erwin Huber, die Krise der Bayerischen Landesbank – über einen Mangel an Themen müssen sich Kabarettisten im Moment nicht beklagen. Eines der Formate hierfür steht heuer allerdings nicht zur mehr Verfügung. Der satirische Jahresrückblick „Schimpf vor 12“ des Bayerischen Fernsehens am Silvesterabend fällt aus. Nicht etwa, weil der Sender zu viel Kritisches über die „Schwarzen“ nicht dulden würde, sondern – aus Geldmangel.

Wie hoch das Defizit beim Münchner Sender ist – beziehungsweise bereits war –, will man nicht verraten, doch um am Ende des Jahres wieder eine „schwarze Null“ schreiben zu können, habe Fernsehdirektor Gerhard Fuchs „alle Programme auf den Prüfstand“ stellen lassen, wie BR-Sprecherin Regine Fenn unserer Zeitung sagte. Und so trifft es neben der Wiesn-Berichterstattung, die heuer erheblich reduziert, und „Blickpunkt Sport“, das in eine lange Sommerpause geschickt wurde, nun auch „Schimpf vor 12“. Die Sendung, die alljährlich jeweils kurz vor Weihnachten im Münchner Lustspielhaus aufgezeichnet wird, sei „nicht repertoirefähig“, das heißt, sie kann nicht zu einem späteren Zeitpunkt wiederholt werden. Mitentscheidend war wohl auch die nicht so berauschende Quote. Zuletzt verbuchte die Sendung 6,4 Prozent Marktanteil in Bayern.

„Schimpf vor 12“ praktizieren die fünf beteiligten Kabarettisten – Simone Solga, Michael Altinger, Andreas Giebel, Arnulf Rating und Helmut Schleich – nun in eigener Sache. Letzterer, im vergangenen Jahr noch gefeiert für seine Strauß-Parodie, in der dieser seine Nachfolger vom Himmel herab verspottet, ist traurig, weil „eine schöne Farbe aus dem Programm verschwindet“. Man habe „ambitioniertes Ensemblekabarett“ gemacht, „und davon gibt’s nicht viel im deutschen Fernsehen“. Und ausgerechnet in einem Jahr wie diesem nicht auf die politischen Ereignisse zurückschauen zu können, „das ist schon schade“.

Auch Schleichs Kollege Michael Altinger ist betrübt über das Aus, das, wie er glaubt, endgültig ist. Nicht nur ihm, auch der Redaktion und Unterhaltungschef Thomas Jansing „blutet das Herz“, weiß der 37-Jährige. Jansing hatte die Reihe vor fünf Jahren zunächst in Anlehnung an das RTL-Format „Sieben Tage, sieben Köpfe“ mit Bruno Jonas als Moderator installiert. Seit drei Jahren spielte das Ensemble in der derzeitigen Zusammensetzung. Der Name steht für eine große Tradition. Unter dem Titel „Schimpf vor 12“ präsentierte das Erste einst am Silvesterabend die Programme der Münchner Lach- und Schießgesellschaft.

Michael Altinger ist von den Sparmaßnahmen beim BR gleich doppelt betroffen. Von seiner neuen Reihe „Altinger mittendrin“ werden im kommenden Jahr statt der ursprünglich geplanten vier nur zwei Ausgaben produziert. Dafür gibt es neue Folgen von „Die Komiker“, von dem sich der Sender einen Quotenerfolg verspricht.

„Kabarett ist bei uns weiterhin zuhause“, versichert BR-Sprecherin Fenn und verweist auf die Gala zum zehnten Geburtstag von Urban Priols Aschaffenburger „Hofgartentheater“ in diesem Herbst, die das Bayerische Fernsehen am ersten Tag des neuen Jahres um 22 Uhr nochmals in einem neunzigminütigen Zusammenschnitt zeigt.

„Schimpf vor 12“-Ensemblemitglied Arnulf Rating kann das nicht trösten. Er bedauert, „dass das Geld des Gebührenzahlers nicht bis Silvester reicht“ und hofft schon einmal, dass „aufgrund der erheblichen finanziellen Belastungen des Bundes auch die Weihnachtsansprache des Bundespräsidenten dem Rotstift zum Opfer fallen“ wird.

Von Rudolf Ogiermann

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