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Eine kleine Trauergemeinde hat Abschied von Fernsehmoderator und Entertainer Heinz Schenk genommen.

"Die Show ist aus"

Abschied von Entertainer Heinz Schenk

Wiesbaden - Sein Abschied war still. Nur wenige Trauergäste gaben Heinz Schenk das letzte Geleit. Doch sie erinnerten an jene große Zeit, als er im Fernsehen ein Millionenpublikum unterhielt.

Am Ende der Trauerfeier kommt Heinz Schenk noch einmal selbst zu Wort. „Ein alter Clown, der hat jetzt Pause. Die Show ist aus“, tönt sein Gesang aus den Lautsprechern. Etwa sechzig Menschen haben in der Friedhofskapelle in Wiesbaden-Naurod Platz genommen, um Abschied von dem Entertainer zu nehmen. Er ist am 1. Mai im Alter von 89 Jahren gestorben.

Es ist eine überschaubare Trauergemeinde. Große Namen fehlen. Einigen Gästen sieht man aber an, dass sie einst berühmt waren. Verstohlen zücken jüngere Journalisten das Smartphone und suchen nach längst vergangenen Fernsehkarrieren. Die Schlagersängerin Maria Mucke ist gekommen, die in den Wirtschaftswunderjahren mit Liedern wie „Heut' ist ein Feiertag für mich“ und „La Le Lu“ berühmt wurde und mittlerweile 94 ist. Günter Wewel ist da, der als Moderator von „Kein schöner Land“ vor Bergkulissen sang. Das Schlager-Duo Judith und Mel sitzt unter den Gästen, Rosi Jacob von den Jacob Sisters ist allein erschienen.

Ein Foto von Schenk steht neben dem Sarg. Schelmisch blickt er auf seine Trauergäste. Blumenkränze schmücken den Boden. „Ich werde Dich nie vergessen, Dein Roberto Blanco“, steht auf einem. „Ein letzter Gruße, Hape“, auf einem anderen. Hape Kerkeling drehte mit Schenk die Kino-Komödie „Kein Pardon“, in der der Moderator einen eitel-fiesen Showmaster spielte.

"Gottvater der Gemütlichkeit"

Ihm sei das Publikum stets am wichtigsten gewesen, sagt die Fastnachtssängerin Margit Sponheimer über Schenk. „Er war der Gottvater der Gemütlichkeit und hat sein Leben der Show verschrieben“, sagt sie und erzählt vom Strahlen in Schenks Augen, wenn ihm ein besonders guter Witz gelungen war. Wie ein kleines Kind habe er sich über seine Ideen freuen können. „Und trotzdem war er auch sehr kritisch mit sich selbst.“

Die TV-Karriere Schenks, der in Mainz geboren wurde, ist untrennbar mit „Zum Blauen Bock“ verbunden. Von 1966 an lud er stets am Samstag 134 Mal als Oberkellner in den „Blauen Bock“ ein. Er lieferte die Ideen, schrieb neben den Texten auch fast alle Lieder. „Er hat den Blauen Bock nicht erfunden, aber wenn man an die Sendung denkt, denkt man an Heinz Schenk“, sagt Manfred Krupp, Fernsehdirektor des Hessischen Rundfunks (hr). „Er hat das Bild von Hessen geprägt, auch mein eigenes als Kind.“ 1987 lief Schenks letzte Sendung, von da an stand er auf der Bühne des Frankfurter Volkstheaters.

Als er aus Altersgründen gänzlich auf Auftritte verzichten musste, habe er sehr gelitten, sagt die Sängerin Maria Mucke. „Er hatte keine Lust mehr zu leben, weil er nicht mehr auf der Bühne stehen konnte.“ Als seine Frau Gerti im Dezember 2013 starb, habe ihn der Lebenswille verlassen, sagt Margit Sponheimer. Als das Lied am Ende der Trauerfeier vorüber ist und Schenks Stimme verstummt, klatschen die Trauergäste kurz. Die Show ist aus.

dpa

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