Für die Fans blieb sie immer "Anna"

Silvia Seidel zerbrach am Fluch des frühen Erfolgs

München - Nicht viele Kinderstars sind auch als Erwachsene noch gefragt, wie Beispiele aus der Film- und Fernsehgeschichte zeigen. Das jüngste ist "Anna"-Darstellerin Silvia Seidel:

Ganz jung und schon ein Star – für ehrgeizige Eltern ein Traum, für die jugendlichen Stars aber oft der Start in eine schwierige Zukunft. Manch einer kann den frühen Erfolg später nicht wiederholen. Auch für Silvia Seidel war der Anfang ihrer Karriere zugleich der Höhepunkt. Mit 17 begeisterte sie als blonde Primaballerina „Anna“ in der gleichnamigen ZDF-Serie ein Millionenpublikum, sie bekam einen Bambi und die Goldene Kamera. „Anna“ wurde sogar fürs Kino verfilmt. Nun ist die Münchner Schauspielerin tot, gestorben mit 42 – die Polizei geht von Suizid aus.

Nach „Anna“ spielte Seidel Nebenrollen in Fernsehproduktionen und stand auf der (Boulevard-)Bühne. Einen vergleichbaren Erfolg landete sie aber nie mehr. „Ich habe mein Leben damit verbracht, unberühmt zu werden“, sagte sie einmal.

Sie steht in einer Reihe mit vielen anderen Kinder- und Teeniestars. Viele kommen von dem Image als stupsnasiger Liebling nicht mehr weg, schaffen den Sprung nicht zu anderen, erwachsenen Rollen oder sind dem immensen Druck in der Branche nicht gewachsen.

Silvia Seidel ist tot: Bilder aus ihrem Leben

Silvia Seidel ist tot: Bilder aus ihrem Leben

Der Ehrgeiz der Macher, Kinderstars möglichst lang als Kassenmagneten zu konservieren, treibt manchmal die seltsamsten Blüten. Zum Erhalt der kindlichen Figur verordnete ein Arzt der 16-jährigen Judy Garland Appetitzügler, als sich bei den Dreharbeiten zu „Der Zauberer von Oz“ herausstellte, dass sie zu reif für die Rolle der kleinen Dorothy wurde. Einer, der am frühen Ruhm fast zerbrach, ist Macaulay Culkin („Kevin – Allein zu Haus“, „Kevin – Allein in New York“). Als der Erfolg ausblieb, stürzte er ab, machte Schlagzeilen wegen Drogenbesitzes. River Phoenix („Indiana Jones und der letzte Kreuzzug“, „My Private Idaho“) brach 1993 nach einer Überdosis vor einem Club in Los Angeles tot zusammen. Da war er gerade 23 Jahre alt.

Sozusagen der Prototyp des Kinderstars war Shirley Temple (geboren 1928), die mit vier Jahren ihre ersten Rollen spielte und mit sechs jüngste Gewinnerin eines Oscars war. Als sie erwachsen wurde, ließ das Interesse an ihr als Schauspielerin nach. Sie zog die Konsequenzen und ging in die Politik. Jodie Foster dagegen, die mit 13 Jahren in „Taxi Driver“ berühmt und dafür sogar für den Oscar nominiert wurde, ist bis heute ein Hollywoodstar, der sich auch als Regisseurin und Produzentin einen Namen machte.

Das Schicksal, auf ihre erste Rolle festgelegt zu werden, erlitt – ähnlich wie Silvia Seidel – auch Romy Schneider, die sich mit süßen 17 als „Sissi“ in die Herzen ihres Publikums spielte. Um diesem Image zu entfliehen, ging Schneider nach Frankreich, wo sie zur Charakterdarstellerin avancierte. In ihrer Heimat jedoch blieb sie bis zu ihrem Tod die „Sissi“.

Andere Jungstars hatten nicht die Chance – und oft auch nicht die Klasse –, sich von ihren ersten Rollen zu emanzipieren. Thomas „Tommy“ Ohrner fesselte Ende der Siebziger-, Anfang der Achtzigerjahre Millionen von Zuschauern als „Timm Thaler“ und „Manni, der Libero“, danach wurden Hauptrollen rar. Der Münchner schulte daraufhin erfolgreich auf die Moderation von Radio- und Fernsehsendungen um. Auch bei „Momo“-Hauptdarstellerin Radost Bokel stockte die Karriere schon bald nach dem Erfolg in dem Kinofilm nach dem Roman Michael Endes. Um sich in Erinnerung zu bringen, zog sich die heute 37-Jährige für Männermagazine aus, im Januar dieses Jahres tauchte sie im RTL-Dschungelcamp auf.

Die Weihnachtsmehrteiler des ZDF wie „Anna“ brachten auch anderen gefeierten Jungstars keine großen Engagements mehr. Während es bei Patrick Bach („Silas“, „Jack Holborn“) mit etliche Serienrollen („Die Wache“) bis heute ganz gut läuft, sind Hendrik Martz („Patrick Pacard“) und der Münchner Josef Gröbmayr („Oliver Maass“) längst vom Bildschirm verschwunden.

Unterdessen würdigen Kollegen die verstorbene Silvia Seidel. „Ich habe sie als sehr sensibel und auch etwas nachdenklicher als andere Menschen in Erinnerung“, sagte Schauspieler Christian Kahrmann, als Benny Beimer aus der „Lindenstraße“ ebenfall ein ehemaliger Kinderstar: „Es tut mir leid, dass sie solche Schwierigkeiten in ihrem Leben hatte, insbesondere sich mit unserem Beruf über Wasser halten zu können. Sie war sehr mutig, das offen zuzugeben. Dafür verneige ich mich vor ihr.“

Sabine Dobel und Rudolf Ogiermann

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