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ZDF-Journalistin Marietta Slomka wurde als Sprachpflegerin ausgezeichnet 

Slomka: "Politiker, redet Klartext!"

Wiesbaden - Wenn Marietta Slomka fragt, geraten Spitzenpolitiker oft ins Stottern. Von ihnen fordert die ZDF-Nachrichtenfrau eine klarere und emotionalere Sprache.

In der Politik gebe es ein Übermaß an „substantivierter Gremiensprache“, bemängelte die populäre Moderatorin des „heute-journals“ am Samstagabend in Wiesbaden. Dort erhielt sie den Medienpreis für Sprachkultur der Gesellschaft für deutsche Sprache (GfdS). „Mehr Kommunikation wagen!“ riet Slomka (43) den Politikern.

Sich selbst bezeichnete sie als begeisterte Spracharbeiterin. Das Komplizierte verdiene es, in einer klaren Sprache gefasst zu werden. Nicht immer solle gewundene Politikersprache etwas verschleiern oder beschönigen, oft sei sie nur nachlässig. Die Nachrichtenfrau riet ihren Gesprächspartnern, nicht distanziert zu reden, sondern Emotion zu zeigen. „Das Ich trauen sich viele nicht“, sagte sie, wobei sie Bundespräsident Joachim Gauck als Ausnahme nannte.

Sowohl Laudator Nikolaus Brender, ehemaliger ZDF-Chefredakteur, wie auch die Sprachpreisjury lobten Slomkas Interviews. Sie lasse ihren Gesprächspartnern keine Floskeln durchgehen, sondern zwinge sie, Position zu beziehen. Sie habe einen „klaren und unprätentiösen Sprachstil“, der auch jungen Zuschauern Lust auf Nachrichten mache.

Preis für Bildblog-Erfinder Niggemeier

Erstmals wurde der Preis auch für journalistisches Arbeiten im Internet zuerkannt: Zweiter Preisträger wurde der Medienjournalist und Blogger Stefan Niggemeier. Der 42-Jährige gründete das medienkritische Blog „Bildblog“ und arbeitet heute als Autor beim „Spiegel“. Er unterhalte seine Leser „dank seiner sprachlichen Fähigkeiten und seines Sinnes für Ironie“ hervorragend, hieß es in der Zuerkennung. Im Internet trete er mit seinen Lesern in Kontakt und vertiefe in Diskussionen seine Themen. Der „vielstimmige Diskurs“ sei eine besondere sprachliche Leistung.

Die GfdS verleiht den Medienpreis für Sprachkultur seit 25 Jahren an Menschen, „die in ihren sprachlichen Äußerungen ein großes Gespür für die vielfältigen Möglichkeiten der deutschen Sprache bewiesen haben“. Erstmals erhielten die Preisträger die Ehrengabe, das Deutsche Wörterbuch der Brüder Grimm nicht gedruckt in 33 Bänden, sondern digital. Dazu gab es 3000 Euro Preisgeld. Der Alexander-Rhomberg-Preis für Nachwuchsjournalisten ging an die freie Journalistin Nadine Ahr aus Berlin.

dpa

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