Es soll kein Expertenfernsehen werden

- Er war das Gesicht der Nachrichten bei Sat.1 - bis der Privatsender die entsprechende Redaktion zumachte und den "Anchorman" im Sommer Knall auf Fall entließ. Jetzt ist Thomas Kausch (44) zurück bei den Öffentlich-Rechtlichen, bei denen er einst seine Karriere begann. Bei Arte präsentiert er Themenabende, im Ersten moderiert er ab morgen immer mittwochs (23.30 Uhr) das Geschichtsmagazin "Geheimnis Geschichte".

Journalist Thomas Kausch über seine neue

ARD-Sendung und die Heimkehr zu den Öffentlich-Rechtlichen

Nach Ihrem Hinauswurf bei Sat.1 sind Sie nun im Nachtprogramm gelandet. Fühlen Sie sich in der Nische wohler?

Ich sehe einen Sendeplatz im Ersten nicht als Nische an. Ich bin im Juli als Sat.1-Moderator in Urlaub gefahren und als Arte-Moderator wiedergekommen. Das war mein persönliches Sommermärchen mit Happy End. Kurz darauf habe ich das Angebot erhalten, ein spannendes und hochwertiges Geschichtsmagazin in der ARD zu machen. So gesehen bin ich momentan sicher einer der glücklichsten Journalisten im Land.

Die Zuschauerzahl spielt keine Rolle?

Die Zahl spielt immer eine Rolle. Wenn man zu wenig Menschen erreicht, hat man offensichtlich das Thema verfehlt. Mir ist es aber lieber, eine kleine Menge interessierter Zuschauer zu gewinnen als eine beliebige Menge.

Gibt es eine Teilung in ein informiertes öffentlich-rechtliches und ein unterhaltenes privates Publikum?

Qualität setzt sich am Ende immer durch. Ich glaube, dass sich in der Bevölkerung eine Sehnsucht nach Qualität, nach Verantwortungsbewusstsein breit macht. Insofern bin ich überzeugt, dass derjenige, der darauf setzt, am Ende als Gewinner dastehen wird.

Die ersten Folgen von "Geheimnis Geschichte" handeln vom nationalsozialistischen Staat. Warum beginnen Sie mit einem Thema, dass so populär ist und so anfällig für Populismus?

Wir wollen uns wirklich nicht nur mit diesen Jahren der Geschichte beschäftigen, sondern sind von Kleopatra bis zum Leben der RAF-Terroristen in der DDR für alles offen. Wichtig ist für uns immer, dass es einen neuen Anhaltspunkt gibt. Nun hat es gerade eine Diskussion um die Rolle der Mutter im Nationalsozialismus gegeben, und nicht nur bei dieser Gelegenheit hört man immer wieder, dass doch nicht alles schlecht gewesen sei unter Hitler. Ich wüsste nicht, was es mit Populismus zu tun hat, dieses Thema deshalb zu analysieren.

Bei einem Autor wie Guido Knopp vom Konkurrenten ZDF könnte man damit durchaus rechnen.

Ich finde es wichtig, dass wir uns, wenn eine solche Diskussion wieder beginnt, damit beschäftigen. Bei dieser Geschichte liegt noch immer vieles im Dunkeln, und was bekannt ist, beginnt sich zum Teil bereits wieder zu verklären, je länger es zurückliegt. Deshalb gehen wir dieser Sache neuerlich auf den Grund.

Werden Sie wie Knopp mit Zeitzeugen, Archivmaterial und Spielszenen arbeiten?

Schon, wir werden unsere Zeitzeugen jedoch nicht abfragen und sie als roten Faden auftauchen lassen, sondern ich werde durch die Sendung führen - als Journalist, nicht als Historiker. Außerdem ist Geschichte immer auch Politik. Insofern bin ich als politischer Journalist nicht gerade in einem fremden Fach. Es soll kein Expertenfernsehen werden, aber fürs Fachliche werden natürlich auch Wissenschaftler an den Vorbereitungen teilhaben.

Wird man Sie dennoch an Guido Knopp messen?

Ich hoffe doch nicht, denn wir sind zwei völlig verschiedene Journalisten, und Geschichte ist ein weites Feld. Ich will mich nicht dazu äußern, wie er Geschichte aufarbeitet. Tatsache ist aber, dass durch Guido Knopp ein neues historisches Bewusstsein in Deutschland eingesetzt und Verbreitung gefunden hat.

Immerhin sollten Sie mal sonntags zur selben Zeit wie sein "History" laufen.

Das war ein Missverständnis. Die ARD besaß Informationen, das ZDF würde "History" verlegen. Weil das aber nicht der Fall ist, senden wir nun mittwochs nach den "Tagesthemen".

Fühlen Sie sich als Heimkehrer? Immerhin waren Sie vor dem Wechsel zu Sat.1 rund 16 Jahre für ARD und ZDF tätig . . .

Es waren sogar 18 Jahre. Eine Heimkehr in die ARD ist es vielleicht insofern, als ich 1985 als junger Hospitant beim WDR angefangen und dort einige Jahre als Freier Mitarbeiter gearbeitet habe.

Ist ein erneuter Wechsel zu den Privaten nach diesem Schritt noch möglich?

Da habe ich jetzt drei Jahre Erfahrung gemacht, das reicht fürs Erste. Es war eine spannende, eine herausfordernde Zeit, und wir haben einiges auf die Beine gestellt. Aber ich freue mich in der Tat, jetzt wieder bei den Öffentlich-Rechtlichen zu sein.

Das Gespräch führte Jan Freitag.

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