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Freut sich auf eine „sehr entspannte Zusammenarbeit“ mit der ARD: Pro-Sieben-Gesicht Matthias Opdenhövel führt zusammen mit Radiomoderatorin Sabine Heinrich durch das Grand-Prix-Casting „Unser Star für Oslo“.

Song Contest für Oslo: "Zeit, dass wir das wieder hinkriegen"

München - Der „Eurovision Song Contest“ war aus deutscher Sicht zuletzt ein einziges Trauerspiel. Damit sich das ändert, haben sich jetzt sogar zwei Erzrivalen verbündet – die alte Tante ARD und der auf die jugendliche Zielgruppe fixierte Privatsender Pro Sieben.

Der deutsche Vorentscheid wurde zur achtteiligen Castingshow „Unser Star für Oslo“umgebaut, die abwechselnd bei beiden Sendern läuft. Start ist heute um 20.15 Uhr bei Pro Sieben. Stefan Raab, der bei seinem Grand-Prix-Auftritt im Jahr 2000 mit dem Song „Wadde hadde dudde da“ einen respektablen fünften Platz belegte, sitzt der mit Gaststars wie Yvonne Catterfeld und Peter Maffay besetzten Jury vor. Den Sieger, der im Mai zum Finale des Schlagerwettbewerbs nach Norwegen fahren darf, wählen aber die Zuschauer. Moderiert werden die Shows gemeinsam von Matthias Opdenhövel („Schlag den Raab“) und Radiomoderatorin Sabine Heinrich.

-Herr Opdenhövel, was war der Schlagerwettbewerb für Sie bislang – Kult oder Quatsch?

Seit dem 24. April 1982 ist er für mich Kult. Wie Nicole im Faltenrock auf dem Barhocker saß und frisch geföhnt „Ein bisschen Frieden“ geträllert hat, das hat sich mir ins Gedächtnis gebrannt. Ich war damals zwar erst elf Jahre alt, aber ich habe gemerkt, dass das etwas Besonderes war – und es wird doch Zeit, dass wir das wieder hinkriegen.

Aber so schön wie mit Nicole kann es doch gar nicht mehr werden....

Das vielleicht nicht, aber wir reden immerhin von den Europameisterschaften im Singen, und wir hoffen schon, das Ganze mit dieser ungewöhnlichen Kooperation von ARD und Pro Sieben wieder mehr zu emotionalisieren. Die deutsche Vorauswahl hat die Zuschauer zuletzt überhaupt nicht mehr interessiert. Wir machen jetzt mehrere Shows daraus, damit die Leute richtig mitfiebern und sich allmählich ein Favorit rauskristallisiert, der beim Finale in Oslo die Rückendeckung des ganzen Landes hat.

-Und Deutschland wird Europameister?

Wir können natürlich keinen Sieg garantieren. Aber wir möchten – im übertragenen Sinn – auf keinen Fall in der Vorrunde ausscheiden. Wenn wir ins Viertel- oder ins Halbfinale kommen, ist das ein Erfolg. Und wenn wir am Ende den Pott holen, wäre das natürlich brillant. Wir suchen jemanden mit Siegchancen, quasi den Lionel Messi des Mikrofons – aber wenn am Ende eine Birgit Prinz mit Gitarre dabei herauskommt, ist das auch in Ordnung.

-Für „Unser Star für Oslo“ wurden mehrere tausend Teilnehmer -gecastet, 20 von ihnen konkurrieren in den acht Shows um das Ticket fürs Finale in Oslo. Sind auch bekannte Künstler dabei?

Nein, da kommt nicht auf einmal ein Jan Delay oder ein Peter Fox um die Ecke. Wir suchen jemanden mit Potenzial, der aber bundesweit noch nicht bekannt ist.

-Das Konzept der Show erinnert irgendwie an Bohlens „Deutschland sucht den Superstar“....

Aber bei uns gibt es keine lustigen Ausschnitte aus den Castings, und wir suchen auch nicht in der Verwandtschaft der Kandidaten nach schwarzen Schafen, um daraus eine rührselige Geschichte zu stricken. Das überlassen wir anderen. Wir machen ein ernstzunehmendes Musikcasting. Wir suchen eine Stimme, uns geht es um den Künstler und was er auf der Bühne kann.

-Sie moderieren normalerweise Shows wie die Marathonsendung „Schlag den Raab“ auf Pro Sieben. „Unser Star für Oslo“ wird abwechselnd im Ersten und auf Pro Sieben zu sehen sein. Ist die Zusammenarbeit mit dem öffentlich-rechtlichen Fernsehen ein Kulturschock für Sie?

Überhaupt nicht, und für mich als Moderator ist es in der Live-Sendung auch gar kein so großer Unterschied, ob ich für die ARD oder für Pro Sieben auf der Bühne stehe. Etwas ist allerdings gravierend anders. In den ARD-Sendungen gibt es keine Werbeinseln, das wird die größte Umstellung sein für mich. Meine Cola muss ich mir also vor Sendebeginn statt in der Pause reinpfeifen, damit ich am Ende nicht dehydriert bin. Aber Spaß beiseite, wir reden über eine zweistündige Sendung, das ist im Vergleich zu „Schlag den Raab“ gerade mal ein Warmlaufen.

-Die ARD gilt aber doch als sehr umständlich, mit vielen Gremien und langen Entscheidungswegen...

Sicherlich gab es im Vorfeld das ein oder andere Gespräch mehr, aber das liegt einfach an der Struktur des öffentlich-rechtlichen Fernsehens. Es wäre doch naiv zu denken, dass bei denen alles genauso schnell geht wie bei den Privaten. Aber als die Ampel erst mal auf Grün stand, habe ich keinen Unterschied mehr gemerkt. Meine Kontakte waren bislang äußerst angenehm, das sind sehr engagierte Leute bei der ARD, und es wird sicherlich eine sehr entspannte Zusammenarbeit.

-Wenn die ARD Sie fragen würde, ob Sie als Moderator zum Ersten wechseln wollen, wären Sie also nicht abgeneigt?

Es gibt durchaus unattraktivere Sender als das Erste, momentan habe ich aber bei Pro Sieben eine schöne Heimat. Allerdings würde sich für mich ein Kindheitstraum erfüllen, wenn ich beim Finale in Oslo, das ja Ende Mai im Ersten übertragen wird, für Deutschland die Punktevergabe durchgeben dürfte: Thank you Oslo, that’s a wonderful show tonight. And here are the results of the german jury. Wenn mich jemand fragt, ob ich dafür zur Verfügung stehe, bin ich der Letzte, der sagt, er habe an diesem Abend keine Zeit.

Das Gespräch führte Cornelia Wystrichowski.

Das Casting im Detail:

In den ersten beiden Ausscheidungsshows heute und am kommenden Dienstag, 9. Februar, jeweils um 20.15 Uhr bei Pro Sieben, kommen von jeweils zehn Kandidaten jeweils fünf weiter. Es folgen drei weitere Shows am 16. und 23. Februar sowie am 2. März (20.15 Uhr), in denen sich von den verbleibenden zehn Bewerbern nach und nach fünf für das Viertelfinale (5. März, 20.15 Uhr, ARD) qualifizieren. Von diesen kommen vier ins Halbfinale (9. März, 20.15 Uhr, Pro Sieben) und von diesen schießlich zwei ins Finale am 12. März um 20.15 Uhr im Ersten. In allen Sendung entscheiden die Zuschauer per Telefon und SMS (Nummern werden in den Shows bekanntgegeben) über das Schicksal der Kandidaten.

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