Heike Makatsch als Hauptkommissarin Ellen Berlinger in einer Szene von "Fünf Minuten Himmel": Erneut grassiert Dialektkauderwelsch in einem "Tatort".
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Heike Makatsch als Hauptkommissarin Ellen Berlinger in einer Szene von "Fünf Minuten Himmel": Erneut grassiert Dialektkauderwelsch in einem "Tatort".

Merkur-Nachbesprechung

Spezial-Tatort aus Freiburg: Erkennbar bemüht

  • Rudolf Ogiermann
    vonRudolf Ogiermann
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Freiburg - In "Fünf Minuten Himmel", ihrem ersten "Tatort", schlug sich Heike Makatsch wacker. Der Fall selbst war jedoch zu überladen.

Ins Elternhaus traut sie sich nicht hinein, an den Tatort eilt Ellen Berlinger dagegen schnurstracks, auf dem Weg dorthin fragt niemand die Neue, wer sie denn sei, die Uniformierten lassen sie wortlos passieren. Alles sehr symbolisch, was Regisseurin Katrin Gebbe hier an Bildern rund um die Neue in Freiburg bietet. Bei Berlingers privat sieht’s, der schon fast Spitzwegschen Idylle zum Trotz, böse aus, im Job stößt die Heimkehrerin erst einmal alle vor den Kopf. Aha, alles klar, harte Schale, weicher Kern.

Die Drehbuchentwicklung zu „Fünf Minuten Himmel“, so war immer wieder zu hören, habe etwas länger gedauert – der Spezial-„Tatort“ am Feiertag mit Heike Makatsch in der Hauptrolle ist trotzdem (oder gerade deshalb?) alles andere als ein Meisterwerk geworden. Zu gewollt wirkt der Versuch, die Geschichte um Luxussanierung und drohende Obdachlosigkeit, um verzweifelte Kunden des Jobcenters auf der einen und einen brutal-jovialen Immobilienhai auf der anderen Seite zum (Sozial-)Krimi hochzustilisieren.

Lesen Sie hier unsere ausführliche Vorab-Kritik zum Tatort mit Heike Makatsch.

Klischee: Freiburg als pittoresker Perle am Fuße des Schwarzwalds?

Um nur ja nicht dem Klischee Freiburgs als pittoresker Perle am Fuße des Schwarzwalds zu verfallen, lässt Regisseurin Gebbe das Geschehen vor allem in Unterführungen und dunklen Hausruinen spielen (Kamera: Matthias Bolliger), die Opfer der Gentrifizierung sind entweder depressiv oder verrückt. Alles immer ein bisschen zu grob gestrickt und voller Unwahrscheinlichkeiten. Vom schrecklichen Dialektkauderwelsch ganz zu schweigen. So etwas wie Authentizität gelingt – dank guter schauspielerischer Leistungen von Rosmarie Röse, Jochanah Mahnke, Anna-Lena Klenke und Emilia Bernsdorf – erstaunlicherweise vor allem in der Nebenhandlung der komplizierten Mädchenfreundschaften. Dem „Biokiffen“ schaut man gebannter zu als vielem anderen. Kein Wunder, bei einem mit den privaten Problemen der Ermittlerin derart überladenen Fall. Da sollte wohl für etliche weitere Folgen ein Vorrat an Konflikten angelegt werden. Der Star schlägt sich zwar ganz wacker – aber ob man nach diesem Debüt einen zweiten, dritten, vierten Makatsch-„Tatort“ überhaupt sehen will?

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