Spezialgefängnisse für Senioren

- Die "demografische Zeitbombe" einer überalterten Gesellschaft explodiert im Jahr 2030 und führt zum "Aufstand der Alten". So lautet der plakative Titel eines ZDF-Dreiteilers von Jörg Lühdorff mit Bettina Zimmermann ("Die Luftbrücke") und Jürgen Schornagel, der heute startet, eingebettet in einen ganzen Themenschwerpunkt.

Es ist der ambitionierte Versuch, im Rahmen einer Art Krimi möglichst viele Zuschauer in der so genannten Primetime für ein gesellschaftlich brisantes Thema zu interessieren. Angesprochen sind damit auch die heute jungen Zuschauer, weil ihnen ein Schreckensszenario vorgeführt wird, das sie im Alter betreffen könnte, wenn Politik und Gesellschaft das Thema weiter so schleifen lassen wie in den vergangenen Jahrzehnten.

Der Generationenvertrag steht vor der Auflösung, denn im Jahr 2030 werden 24 Millionen Menschen in Deutschland über 65 Jahre alt sein (heute sind es 16 Millionen). Das bedeutet, dass jeder Beschäftigte einen Rentner voll finanzieren muss ­- oder die Rente schrumpft immer weiter, bei steigender Lebenserwartung. Wissenschaftler gehen davon aus, dass die Deutschen bis zur Jahrhundertmitte durchschnittlich 93 Jahre alt werden.

Der Dreiteiler ist dementsprechend nicht gerade zimperlich in seinen Visionen, die natürlich abschrecken sollen, damit es nicht so weit kommt. Da gibt es ein "Kommando Zornige Alte" mit Entführungen und Bombenanschlägen. Ein Rentner schwingt sich zu einer Art "Robin Hood der Alten" auf, um den Ärmsten im Massenheer der verarmenden und ausgebeuteten Senioren wenigstens etwas helfen zu können. Die Alterskriminalität nimmt zu, weil sich viele Rentner die teuren Medikamente nicht mehr leisten können, die die Kassen schon längst nicht mehr bezahlen. Es gibt Spezialgefängnisse für Senioren, das Berliner Schillertheater dient als Notunterkunft für 500 obdachlose Rentner, und wer älter als 75 ist, "kann sich in Euthanasiezentren kostenlos beraten lassen". Einen eigenen Fernsehkanal gibt es mit dem "Seniorensender Brandenburg" (SSB) auch schon.

Bettina Zimmermann spielt eine junge Journalistin, die den mysteriösen Tod eines Rentners aufzuklären versucht, der bei der Entführung eines Wirtschaftsbosses aus der boomenden Altenpflegebranche ums Leben kam. Sie stößt dabei auf skrupellose Machenschaften eines großen Gesundheitskonzerns, dem alte Menschen ihre Rente verpfänden und dabei nicht nur um ihren wohlverdienten Lebensabend betrogen werden, sondern im schlimmsten (Pflege-)Fall sogar massenhaft nach Afrika "entsorgt" werden. Während der Recherchen tauchen wichtige Manager unter oder werden unter mysteriösen Umständen tot aufgefunden, hochrangige Politiker scheinen verwickelt zu sein, schließlich tritt das gesamte Bundeskabinett zurück.

Der krimihafte Erzählstrang wird immer wieder mit Einblendungen von dokumentarischem ZDF-Archivmaterial zum Thema Alterspyramide und Gesundheitsreformen vergangener Jahrzehnte -­ also aus der heutigen Gegenwart ­- verbunden. Den möglichen Vorwurf der übertriebenen Panikmache wehrte ZDF-Chefredakteur Nikolaus Brender schon im Vorfeld ab: "Die Politik kann uns nichts vorwerfen, wenn man so lange das Problem verschlafen hat, das sich zu einem Riesenskandal ausweiten kann, wenn nicht rechtzeitig etwas getan wird. Das wird eines der wesentlichen Themen unseres Erdballs werden neben der Umweltfrage."

ZDF, heute, um 20.15 Uhr, Teil 2 am Donnerstag, Teil 3 am kommenden Dienstag, jeweils um 20.15 Uhr.

Im Anschluss an den ersten Teil zeigt der Sender Thomas Reicharts und Christian Rohdes Doku "Die Altenrepublik Deutschland".

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