Der Spintisierer aus der Scheune

München - Franz Xaver Bogners Serie "Der Kaiser von Schexing" läuft immer freitagabends im Bayerischen Fernsehen. Wir stellen Ihnen die Schauspieler vor. Heute: Christian Lerch, der den Bauhofleiter Simon Fellermeier spielt.

Wenn der freundliche, genießerische Andi der Kaiser von Schexing ist, dann ist der hemdsärmlige, kantige Simon Fellermeier so etwas wie sein Wegemeister, Universalhandwerker und Stallknecht, sein Mädchen für alles. Jemand wie er, in heutigen Tagen Leiter des Bauhofs genannt, muss Straßen, Beschilderungen, Beleuchtungen, Friedhöfe, öffentliche Gebäude und Kanalisation instandhalten, das "Straßenbegleitgrün" pflegen und Winterdienst leisten.

Dabei ist sich Fellermeier freilich seiner Unverzichtbarkeit bewusst und streitet gerade deshalb gerne herum, was noch in seinen Aufgabenbereich fällt und was nicht. Lieber sucht sich der Alleskönner ein paar lukrative Nebenaufgaben.

Christian Lerch ist so einem Fellermeier schon einmal begegnet. Und nachdem er sich in der Vorbereitungsphase zu Franz Xaver Bogners neuer Serie die Figur selbst ausgedacht hatte, sollte er sie am besten auch gleich spielen.

Lerch, 42 Jahre alt, gehört schon länger zur "Bogner-Familie". Er mag die unkomplizierte Zusammenarbeit mit Bogner, seine mit ironischer Distanz gepaarte Leidenschaft. In "München 7" spielte Lerch den Cliquen-Anführer Zagreb und im "Café Meineid" den Polizisten Karl Hermann. Schon für den Kinofilm "Madame Bäuerin" war er angefragt worden. Aber damals war Lerch in Braunschweig am Theater engagiert und hatte keine Zeit für den Dreh. Später gab ihm der Schauspieler Hans Brenner den Tipp, dass Bogner etwas für ihn wäre. Und diesmal nahm Lerch die Chance wahr, schickte ein Video, spielte in einem "Café Meineid"-Fall mit - und wurde fest in der Serie installiert.

Und nicht nur das. Hier liegen auch seine Anfänge als Drehbuchautor, "jedenfalls habe ich bei der Gelegenheit erstmals Geld dafür bekommen, nachdem ich vorher so umeinandergeschrieben habe", sagt er. Ebenso wie er für Bogner einige Nebenhandlungen im Café verfasste, wirkte er auch an so mancher "Schexing"-Folge mit - wie auch der heutigen: "Schotten dicht".

Das gefällt ihm, weil es über das rein Reproduktive hinausgeht. Inzwischen ist Lerch als Autor fast schon renommiert: Für das gemeinsam mit Marcus H. Rosenmüller geschriebene Buch zu "Wer früher stirbt, ist länger tot" erhielt er den Deutschen Filmpreis.

Und während Lerch gerade im "Blauen Haus" beim Kaffee sitzt, kommt zufällig Edgar Selge vorbei und schwärmt leise, aber vernehmbar: Er habe neulich von ihm ein ganz wunderbares Drehbuch gelesen. Lerch wirkt nach so viel unvermutetem Lob aus berufenem Munde ganz verdutzt. Bescheiden weist er darauf hin, dass dem Drehbuch ja ein Roman zugrunde liege, Anna Maria Jokls "Perlmutterfarbe". Vom Dreh zu dieser Verfilmung, wieder mit Rosenmüller, kommt Lerch gerade her, weshalb er auch noch einen irgendwie väterlichen Schnauzer trägt.

Sonst ist der lange, dunkelhaarige Schlaks eher der Typ großer, träumerischer Bub. Das Träumen, Spintisieren, Weiterdenken ist dabei eine seiner Qualitäten fürs Schreiben. "Vielleicht wäre es für jemanden, der ganz in der Realität zuhause ist, eine größere Anstrengung", sagt Lerch. Er liebt es, mit der Wirklichkeit zu spielen, ihre Grenzen auszuloten, Erlebtes "freudvoll zu überhöhen", und wenn es die eigene Tante ist.

Am Theater hat er gelernt, Wahrgenommenes "anzuzapfen und zu benutzen": "Selbst in einer kleinen Rolle ist das ein Vergnügen. Man hört den Text immer wieder und folgt ihm dann." Fürs Theater hat Lerch, der früher häufiger Gast am Staatsschauspiel und davor an den Münchner Kammerspielen war, nicht mehr so viel Zeit. "Aber wenn sich etwas ergibt, folge ich dem. Und das Theater wird sich wieder finden."

Überhaupt ist Lerch ein Typ, der alles gern auf sich zukommen lässt und es auch annehmen kann. "Ich bin dankbar für das, was sich oft so ergibt", sagt er. Ergeben hat sich auch, dass er inzwischen wieder in seinem Heimatort nordöstlich von München wohnt, genau in der Gegend, in der das fiktive "Schexing" liegt.

Dabei ist Lerch, obwohl er nach Engagements in Hamburg und Berlin sehr gern zum bairischen Dialekt zurückkehrte, nicht unbedingt der im Dorf verwurzelte Landtyp. "Mich interessiert das Stadt-Land-Thema, das Hin und Her in den jeweiligen Stoffen. Bürgermeister Andi Kaiser ist auch so einer, der erst nach Jahren wieder in seine Gemeinde zurückkommt." Umgekehrt kann sich Lerch auch eine Rückkehr in die Großstadt vorstellen. Aber vorläufig werde ihm in der umgebauten Scheune, wo er mit Frau, zwei Kindern, Hunden, Katzen und Pferden wohnt, "nicht fad".

Das gilt genauso fürs Berufliche. Gerade schreibt er wieder an einem Drehbuch, eine Postbotengeschichte. Ob er die Figur selbst spielt, ist noch nicht heraus. Aber auch Regie wäre für ihn eine Perspektive.

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