+
Die Moderatoren Francine Jordi (l) und Alexander Mazza posieren bei der Generalprobe der Stadlshow in Offenburg.

Quoten-Flop und Shitstorm

Stadlshow: Musikantenstadl- Neustart geht voll in die Hose

  • schließen

Offenburg - Die Stadlshow wird zum Quoten-Desaster. Auf der Facebook-Seite toben die Zuschauer. So (ein Reinfall) war der Neustart des Musikantenstadls am Samstag.

Update vom 12. Januar 2016: Aus und vorbei! Die „Stadlshow“ wird abgesetzt - zumindest in ihrer regulären Ausgabe. Das gaben die verantwortlichen Sender nun bekannt. Es gibt nur noch zwei Silvester-Sendungen.

Update vom 4. November 2015:Angeblich steht die Stadlshow vor dem Aus. Die Sender-Bosse von ORF, ARD und SRG sollen sich bei einem Treffen bereits darauf geeinigt haben, dass es für die Neuauflage des Musikantenstadls nicht weitergeht.

Update vom 15. September: Auf die massive Kritik nach dem Premieren-Flop der Stadlshow reagiert der Bayerische Rundfunk (BR) fast trotzig. Konstruktiv gibt sich dagegen der Partnersender ORF. Die Österreicher wollen mit den mit den Kollegen in Deutschland und der Schweiz überlegen, wie man den früheren Musikantenstadl verbessern kann. So soll es nun mit der Stadlshow weitergehen.  

Die Premiere ist überstanden. Am Samstag lieferten Alexander Mazza (42) und Francine Jordi (38) ihre erste Stadlshow aus Offenburg ab. Monatelang hatten der ORF, das Schweizer Fernsehen und das Bayerische Fernsehen an der Runderneuerung der Volksmusiksendung (vormals gearbeitet, die nach dem Rauswurf von Andy Borg keine Schunkelparade für Ü60 mehr sein sollte. Ein Versprechen, dass die Senderverantwortlichen eingelöst haben: Die neue Stadlshow punktete mit erstaunlich viel Live-Musik und einigen frischen Gesichtern der Volksmusikszene. Bei den Zuschauern aber fiel die Schlagerparty mit Hüttenflair glatt durch. Mit nur 2,4 Millionen Zuschauern und einem Marktanteil von 9,6 Prozent erlebte die Stadlshow ihr Waterloo. Zur Erinnerung: Musikantenstadl-Moderator Andy Borg hatte zuletzt durchschnittlich 4 Millionen Menschen erreicht. Warum der Funke nicht übersprang? Wir haben genauer hingeschaut:

Musikantenstadl wird Stadlshow: So war die Studiodekoration

Willkommen im modernen Berghotel, so hatte die ARD geschwärmt. Doch wie im Reisekatalog sieht die Wirklichkeit oft anders aus als beschrieben. Denn die Deko aus Holz, Leder und Loden atmete genauso wenig heimelige Wärme wie das künstliche Feuer auf der Leinwand. So ein bisschen hatte man das Gefühl, statt in einer Samstagabendshow im nachmittäglichen Serviceprogramm der Dritten gelandet zu sein.

Musikantenstadl wird Stadlshow: So war die Technik:

Klar, eine Live-Show in der auch noch größtenteils live gesungen wird, ist eine Herausforderung an Licht, Ton und Kamera. Koordiniert werden die Gewerke von der Regie, die bei der ersten Stadlshow überfordert schien. Die Hauptarbeit lag, nachdem man bisweilen das Gefühl hatte, die Leute von Licht und Ton seien eingeschlafen, beim Kameramann. Der rannte um sein Leben und den durch die Halle tobenden Künstlern hinterher. Doch auch jede Menge Wackelbilder und 360-Grad-Aufnahmen machen noch keine jugendliche Optik.

Musikantenstadl wird Stadlshow: So war die Musik:

„Die junge moderne Volksmusik boomt. Und wir wollen ihr eine Plattform geben“, hatte Francine Jordi im tz-Interview betont. Und es machte wirklich Spaß, Künstlern wie Claudia Koreck, den Poxrucker Sisters und Django 3000 zuzuschauen, die mit ihren Live-Auftritten eine neue Farbe in die Show brachten. Doch wer Kunz aus der Schweiz und die Alpindrums sehen wollte, musste auch Jürgen Drews, Marc Pircher und DJ Ötzi ertragen. Bierzeltmucke traf ambitionierte Liedermacher – eine gewagte Mischung, die auf beiden Seiten Fans vergrault habe dürfte.

Musikantenstadl wird Stadlshow: So waren die Moderatoren

Die eigentliche Überraschung des Abends aber war Francine Jordi. Die Schweizer Sängerin überzeugte mit natürlichem Charme, lachte, flirtete und fühlte sich in der neuen Show sichtlich wohl. Im Zusammenspiel mit ihrem Kollegen Alexander Mazza zeigte sich recht schnell der Unterschied zwischen Entertainment und Moderation. Jordis Heimat ist der Schlager, die große Unterhaltung. Eine Voraussetzung, die Alexander Mazza fehlt und die ihn bei aller Souveränität in der Moderation neben der Schweizer Antwort auf Helene Fischer blass aussehen ließ.

Musikantenstadl wird Stadlshow: Das Fazit

Fazit: Die Stadlshow hat ihre Premiere ordentlich gemeistert. Dass sie dennoch scheiterte, liegt am Kompromiss, den die Senderverantwortlichen eingegangen sind. Kein geschärftes Profil, dafür ein Kessel Buntes, aus dem sich am Ende keiner mehr etwas rauspicken wollte.

Wer die Sendung am Samstagabend verpasst hat und sich ein Bild machen will: Die ARD hat die Stadlshow in ihrer Mediathek veröffentlicht.

Stadlshow: Auf Facebook toben die Zuschauer

Falls die Verantwortlichen der Stadlshow auf die Facebook-Seite der Sendung schauen, dürften ihnen die Haare zu Berge stehen, angesichts des Shitstorms, der nach der Ausstrahlung aufkam. "Das war die Stadlshow aus Offenburg. Danke fürs Einschalten und das große Echo auf allen Kanälen!" Groß war das Echo in der Tat. Unter den über 600 Kommentaren findet sich im Prinzip kein einziger, der die Sendung nicht völlig verreißt. Besonders Krass: Etliche Zuschauer fordern auf Facebook das sofortige Aus der Sendung. Ein paar Kostproben:

  • Ingrid L. meint zur Stadlshow: "Schade was man aus dem "Stadl" gemacht hat. Es war einmal eine schöne Sendung, aber das von gestern Abend war eine Zumutung! Werde sie mir nicht mehr anschauen."
  • Auch Birgit H. rechnet mit der Stadlshow ab: " Das hat nix mehr mit dem alten Stadl zu zu tun und hat auch nichts mehr mit Volksmusik zu tun. Nicht mehr sehenswert! Eine Katastrophe!!!!!"
  • Miriam J.-L. tobt: "Was hat diese Sendung denn noch mit dem Stadl und Volksmusik zu tun?? Schade.......wieder eine volksmusik / schlager sendung im eimer. Es bleibt uns ja überhaupt nichts mehr übrig in dieser Musikrichtung. ALLES haben sie uns weggenommen!!!!!!"
  • Robert H. fordert ein Ende des Musikantenstadl-Formats: "Also mit Stadl hatte das nix zu tun, manchmal ist mir Playback dann doch lieber. Singe wem Gesang gegeben. Moderation war grausam und schwer ertragbar. Beerdigt das ganze Ding und gut ist. Das macht ja die Nebel besser. Schade."

Wer sich selbst ein Bild machen will: Das ist das Facebook-Posting der Stadlshow gleich nach dem Ende der Sendung, 

Das war die Stadlshow aus Offenburg. Danke fürs Einschalten und das große Echo auf allen Kanälen!

Posted by Stadlshow on Samstag, 12. September 2015

Stadlshow: Alexander Mazza bekommt von seinem ehemaligen Lehrer die Note 1

Auch wenn die mit Abstand absolute Mehrheit der Musikantenstadl-Fans die erste Stadlshow verriss: Einen Fan hat Moderator Alexander Mazza. Für seinen ersten Auftritt in der "Stadlshow" erhält der Fürstenfeldbrucker Moderator von seinem ehemaligen Lehrer Wolfgang Rau eine glatte Eins.

Stadlshow: Die TV-Kritik eines Lesers und Musikantenstadl-Fans

Auch bei unserem Leser Ralph Kamphöner fällt die Stadlshow voll durch. Das Ist die TV-.Kritik eines langjährigen Fans des Musikantenstadls: "Ich bin von dem neuen Format alles andere als überzeugt und möchte den guten ALTEN Stadl mit Andy Borg zurück. Wir brauchen keine pseudomoderne "Show". Alt, urig und gemütlich - mit Andy Borg hat der Stadl mehr als 4 Millionen Zusehern bestens gefallen. Und wenn das Publikum auch im Durchschnitt 68 Jahre ist. Wir sind auch werberelevant. Wir mögen Tracht, Dirndl, Lederhosen. Wir wollen steirische Ziehharmonika, Tiroler Schützen und Klänge aus Oberkrain. Ich will keinen Herrn Mazza als Presenter, der erklärtermassen keinen Bezug zur Volksmusik hat. Ich will keine Frau Jordi, die noch im Februar 2015 erklären liess, sie interessiere sich nicht für den Job als Stadl-Moderatorin. Ich möchte Andy Borg zurück, mit seinem alten Stadl, die urige Holzdekoration und urige Gruppen wie die Ursprung Buam! ARD, BR und Co. sind mit der "Stadlshow" auf dem Holzweg."

Stadlshow: Kurzkritik einer weiteren Musikantenstadl-Zuschauerin

Renate Schneider schrieb unserer Onlineredaktion nach der Ausstrahlung der Stadlshow ebenfalls eine Mail. Ihre Kurzkritik der Sendung am Samstagabend: "Big,big big shit."

Astrid Kistner

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Aus für Frank Elstners „Große Show der Naturwunder“
Frank Elstners „Große Show der Naturwunder“ wird eingestellt.
Aus für Frank Elstners „Große Show der Naturwunder“
Zwei Bayern rocken „Wer wird Millionär?“ - Wir haben die Fragen zum Mitraten
Am Montag begrüßte Quizmaster Günther Jauch die TV-Zuschauer zu einer Sonderausgabe von „Wer wird Millionär“, bei der diesmal nur 18-Jährige antreten durften. Zwei junge …
Zwei Bayern rocken „Wer wird Millionär?“ - Wir haben die Fragen zum Mitraten
„Wer wird Millionär“: Jauch spricht über Zukunft des TV-Quiz
Sie ist eine der beliebtesten TV-Sendungen - aber wie lange noch? Günther Jauch sprach nun über die Zukunft von „Wer wird Millionär“ - und wie sie entschieden wird.
„Wer wird Millionär“: Jauch spricht über Zukunft des TV-Quiz
Trump und Spicer: Emmys werden zur Polit-Show
Mehrfach war Donald Trumps TV-Show „The Apprentice“ für Emmys nominiert, gewann aber nie, worüber er sich lautstark beschwerte. Trumps Wahlsieg aber machte die …
Trump und Spicer: Emmys werden zur Polit-Show

Kommentare