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Francine Jordi, Moderatorin der Stadlshow küsst Christian Ehrlich von den Ehrlich Brothers.

BR reagiert trotzig

Stadlshow: Wie geht es nach dem Desaster-Start weiter?

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München - Auf die Kritik an der Stadlshow reagiert der BR trotzig. Ein Aus steht nicht zur Debatte. So soll es nach dem Desaster-Start mit dem früheren Musikantenstadl weitergehen.

Update vom 12. Januar 2016: Aus und vorbei! Die „Stadlshow“ wird abgesetzt - zumindest in ihrer regulären Ausgabe. Das gaben die verantwortlichen Sender nun bekannt. Es gibt nur noch zwei Silvester-Sendungen.

Erst musste die ARD die miserable Quote zur der Stadlshow zur Kenntnis nehmen, nun gibt es auch noch harte Kritik aus den eigenen Reihen. Volksmusiker und Moderator Stefan Mross („Immer wieder sonntags“) hat deutliche Worte für die neue Stadlshow gefunden. Er sei „traurig und enttäuscht, dass man mit Gewalt eine der letzten Kultunterhaltungssendungen an die Wand spielt“, sagte er der „Bild“-Zeitung: „Was war denn das für ein Bühnenbild, ein furchtbarer Ton und was für eine schlechte Stimmung im Saal?“ Statt „25 mehr oder minder unbekannte Sänger mit kruden Songs“ zu präsentieren hätte man den „Stadl“ lieber so belassen sollen, wie er war, schäumte der 39-Jährige und brachte sich gleich selbst als (Co-)Moderator ins Spiel: „Andy Borg und ich hätten das Ding aus dem Dreck gezogen.“

Wie berichtet, erzielte die Premiere der Stadlshow mit Francine Jordi und Alexander Mazza am Samstagabend lediglich 2,46 Millionen Zuschauer. Bei Borgs Abschiedssendung am 27. Juni waren es noch 4,4 Millionen gewesen. Auch das Medienecho auf die renovierte Volksmusiksendung war verheerend. Von „Vollflop“ und „Desaster“ war die Rede, der neuen Show fehle die Seele, monierte ein Kritiker.

Fast trotzig klingt da die erste Reaktion des Bayerischen Rundfunks (BR), der innerhalb der ARD für die Stadlshow verantwortlich ist. „Die Sendung in ihrer bisherigen Form stand vor dem Aus, ohne die Veränderung wäre sie abgesetzt worden“, sagte eine Sprecherin gestern auf Anfrage unserer Zeitung. Man habe sie nicht aufgeben wollen, „ohne zumindest versucht zu haben, sie zeitgemäß weiterzuentwickeln. Offenbar war dies für viele Zuschauer zu viel Unbekanntes.“ Da dem BR und seinen Partnersendern die volkstümliche Musik jedoch sehr am Herzen liege, werde man nun „in Ruhe das Potenzial analysieren“.

Auch der Österreichische Rundfunk (ORF) will die Flinte nicht gleich ins Korn werfen. Mehr als 500.000 Zuschauerinnen und Zuschauer und 22 Prozent Marktanteil in Österreich seien „ein solider Wert für die neue Show“, so ein Sprecher. Die Stadlshow vereine „wie keine andere zuvor junge Musiker und arrivierte Künstler“. Nun gelte es, gemeinsam mit den Partnern in Deutschland und der Schweiz die unterschiedlichen Ergebnisse zu bewerten. Für Mross ist das vergebliche Liebesmüh’. „Jetzt heißt es: ,Tschüss, Stadl!‘“, ist der Musiker überzeugt.

Heino: Fünf-Punkte-Plan zur Rettung der Stadlshow

Nun hat sich auch eine absolute Volksmusik-Legende zum Thema Stadlshow zu Wort gemeldet: Heino, der schon im Musikantenstadl von Ur-Moderator Karl Moik Stammgast war, präsentiert in der "Bild"-Zeitung (Dienstagausgabe) einen Fünf-Punkte-Rettungsplan für die "Stadlshow“. Und der sieht so aus:

  • Heino empfiehlt den Senderbossen, Moderator Alexander Mazza bei der Stadlshow auszutauschen. "Alexander Mazza hatte vorher nie etwas mit dieser Musik zu tun, und das merkt man ihm leider an. Der steht einfach nicht für Volksmusik." Für Heino wäre Hansi Hinterseer der ideale Moderator für die Stadlshow. "Der spricht die Sprache des Publikums, den lieben die Leute." Francine Jordi ("fand ich ganz erfrischend") könnte nach Heinos Meinung als Co-Moderatorin der Stadlshow weitermachen.
  • Die Senderbosse sollten sich umgehend vom neuen Namen Stadlshow verabschieden und die Ur-Marke Musikantenstadl zurückholen. "Der ,Musikantenstadl‘ ist eine Top-Marke wie Mercedes-Benz oder BMW. Die benennen ihre Firmen ja auch nicht plötzlich um, weil sie moderner werden wollen."
  •  "Es waren zu viele unbekannte Sänger und Gruppen im Stadl", moniert Heino. Eine Auswahl der No-Names der ersten Stadlshow am Samstag: Poxrucker Sisters, die Dorfrocker, The Baseballs, die Powerkryner, die Troglauer Buam, La Goassn, Bluma und Django3000. Deswegen Heinos klare Handlungsempfehlung: "In die nächste Sendung gehören auf alle Fälle wieder große Stars!"
  • Für Heino ist das Bergressort-Bühnenbild der Stadlshow ein absolutes Unding. "Das sieht doch aus wie ein Kasperletheater. Stadl bedeutet ja so viel wie Scheune. Zu diesem Ursprung muss man auch beim Bühnenbild wieder zurückkehren."
  • Die Senderbosse sollten sich von dem Gedanken verabschieden, den Musikantenstadl zu verjüngen Andy Borg holte zuletzt über 4 Millionen Zuschauer mit einem Durchschnittsalter von 68 Jahren. Heino hält es für ein Ding der Unmöglichkeit, junge Leute für das Volksmusik-Format zu begeistern. Dem Senioren-Geschmack sollten sich die Macher der Stadlshow auch anpassen: "Man kann ja einen Menschen auch nicht verjüngen, ein alter Mensch bleibt alt, und das ist auch etwas ganz Natürliches. Und mit dem Stadl ist es genauso. Man muss froh sein, dass man so eine traditionsreiche Sendung hat, die mit ihrem Publikum alt geworden ist. Die Leute wollen im Stadl wie früher schunkeln und mitsingen. Und das bei Liedern, die sie kennen, nicht bei so englisch gesungenem Geträllere."

Stadlshow: Das sagen Francine Jordi und Alexander Mazza nach dem Quoten-Desaster

Nach dem desaströsen Start der Stadlshow stehen auch die Moderatoren Alexander Mazza und Francine Jordi in der Kritik. Beide sehen sich aber nicht als Totengräber der Sendung. Mazza betont gegenüber der "Bild"-Zeitung (Dienstagausgabe), dass die Sendung seiner Meinung nach durchaus Zukunftspotential habe: "Wenn ich mir vor Augen führe, wie wichtig allen Beteiligten die Zukunft der Stadlshow ist, dann gebe ich ihr weiter gute Chancen!" Francine Jordi räumt gegenüber dem Blatt ein, dass sie Kritik an der Stadlshow für angemessen hält: "Einige Kritik ist berechtigt. Und natürlich werden sich die Verantwortlichen darum kümmern." Aber auch die Schweizerin sieht die das Format Stadlshow noch nicht als gescheitert an. "Jede Rundumerneuerung bringt Kritik mit sich und Dinge, die man noch verbessern muss."

Von Rudolf Ogiermann

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