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Wer steckt hinter dem "Geheimnis C&A"?

Unternehmensfamilie äußert sich

Erstmals enthüllt: Die Geheimnisse hinter C&A

Düsseldorf - Das ZDF hat in dieser Woche den zweiten Teil der Dokureihe "Die C&A-Story" ausgestrahlt. Zum ersten Mal wurde gezeigt, wer wirklich hinter dem Mega-Unternehmen steckt. Dafür traten Familienmitglieder des Unternehmens erstmals vor die Kamera.

Sie leiten die drittgrößte Modekette Deutschlands und bestehen als Familienunternehmen C&A bereits seit sechs Generationen. Die Familie Brenninkmeijer. In der Öffentlichkeit hat man lange Zeit wenig von dem Clan mitbekommen - die Familie gilt als verschroben, streng katholisch, sogar geheimbündlerisch. Johanna, Donald und dessen Onkel Ernest Brenninkmeijer äußerten sich erstmals für die Dokureihe des ZDF zu den Gerüchten und Vorurteilen:

"Wir sind Menschen von Fleisch und Blut und haben alles Normale, was andere Menschen auch haben. Und wir haben uns selber nicht ins Licht der Öffentlichkeit bringen wollen und das auch - ich würde sagen - mit Erfolg vermieden", so Ernest Brenninkmeijer. Er meint aber auch: "Wir haben dafür einen harten Preis bezahlt, indem sich solche Vorurteile wie 'Verschrobenheit' breit gemacht haben". Warum sie für das ZDF erstmals vor die Öffentlichkeit traten, erklärt sein Neffe Donald: "Wir sind in einer neuen Welt angekommen, einer Welt, die Transparenz fordert und dafür - denken wir - ist es jetzt an der Zeit, dass man offener mit gewissen Themen umgeht."

Vom Stoffhandel zum Mega-Konzern

Alles begann im 17. Jahrhundert in der Stadt Mettingen im Tecklenburger Land. Um nicht zu verhungern, zogen die Ahnen der Familie Brenninkmeijer in die niederländische Stadt Sneek und versuchten dort mit Stoffhandel ihr Glück. 

Zwei Brenninkmeijers hatten dabei besonderen Erfolg: Die Brüder Clemens und August, die im Jahre 1841 in Sneek das Unternehmen "C. en A" gründeten. Oberstes Gebot: Frauen dürfen nicht in das Unternehmen einsteigen. Die Gründer verwendeten sogar eine Geheimsprache, die nur sie verstanden. 

Revolution in Deutschland

In Deutschland war Mode Anfang des 19. Jahrhunderts ein teures Gut: Kleidung wurde vorgeführt, Kunden konnten diese anschließend maßschneidern lassen. Die Mittel- und Unterschicht konnte sich das nicht leisten und verfügte somit nur über wenige Alltagskleider. Genau das wollte C&A ändern und revolutionierte die Mode-Branche: Die Macher boten Konfektionsware in einheitlichen Größen, in den Geschäften herrschte Selbstbedienung. Schon bald lockte das Unternehmen massenhaft Kunden an. Weitere Filialen wurden eröffnet, bis die Nationalsozialisten an die Macht gelangten.

Katholizismus zuerst nicht geduldet

Der strenge Katholizismus der Brenninkmeijers wurde von den Nazis nicht geduldet. Zudem galten die Brenninkmeijers für die NSDAP als Ausländer, da sie alle über einen holländischen Pass verfügten. Doch die Familie wusste sich durchaus zu helfen und wandte sich in einen Brief an Hermann Göring (Nationalsozialistischer Politiker und Oberbefehlshaber der deutschen Luftwaffe): Die Familie hätte "niemals ihre Beziehungen zum Heimatland verloren", hieß es in dem Schreiben. Auch wurden darin antisemitische Thesen benutzt, um sich die Gunst Görings zu sichern. "Alle diese üblen Äußerungen" seien jüdischen Quellen entstammt.

Davon ließ sich der Politiker überzeugen, schließlich habe seine Frau wohl auch bei C&A eingekauft. Er half dem Konzern, und daraufhin beschenkte ihn die Familie mit wertvollen Gemälden. Das Unternehmen profitierte während der NS-Zeit zudem von der Arisierung und übernahm neun ehemals jüdische Geschäfte. Doch der Krieg ließ auch die damaligen C&A-Filialen nicht unbeschadet: Während des 2. Weltkriegs wurden 14 von 20 Filialen im Deutschen Reich zerstört. 

Wirtschaftswunder und Mini-Röcke

Ausreichend Kapital für den Wiederaufbau war vorhanden, die Geschäfte wurden wieder aufgebaut, und C&A erlebte einen Aufschwung. Auch neuen Ideen wurden ausprobiert: Die C&A-Filiale in der Kaufingerstraße in München sollte samstags anstatt bis 14 Uhr bis 17 Uhr geöffnet haben. Doch diese Aktion führte zu Ausschreitungen und Aufständen, die Idee konnte sich vorerst nicht durchsetzen. 

In den 1960er-Jahren nahm C&A dann den Mini-Rock ins Sortiment auf: Was bei der älteren Generation als verpönt galt, war bei den jungen Frauen der letzte Schrei. Mini-Röcke sah man nun fast überall, kurz darauf folgte der Bikini. 

Und das alles von einem Unternehmen, das seit jeher strengen katholischen Regeln folgte? Zwar verkaufte C&A freizügige Mode, den Mitarbeiterinnen war diese Kleidung während der Arbeit jedoch nicht gestattet (Röcke mussten mindestens knielang sein). Auch duldete die Firma keine Liebeleien unter Mitarbeitern und Mitarbeiterinnen. Kam eine Liaison ans Licht, musste sich das Paar entweder trennen oder heiraten, sonst drohte der Rauswurf.  

Die 70er Jahre waren das "Goldene Zeitalter" in der Geschichte von C&A. Die Kürzel standen in dieser Zeit sogar für "Charme" und "Anmut". Da die Kunden damals nicht so viel Auswahl an Geschäften und C&A nicht viele Mitbewerber hatte, war das Unternehmen enorm erfolgreich.

Krise und neue Regeln

Doch mit dem Erfolg kam die Krise: C&A hing mit seiner Unternehmens-Strategie hinten nach und verpasste den Anschluss an neue Trends und Mode-Revolutionen. Mitarbeiter mussten entlassen, Geschäfte geschlossen werden. "C" und "A" stand zu dieser Zeit sogar für "Cheap" (Billig) und "Awful" (Hässlich"). Somit blieb der Familie Brenninkmeijer nichts anderes übrig, als ihre Strategie zu überdenken. 

Eine neue Idee entstand: Man wollte Leute einstellen, die von außen kommen, die nicht bei C&A gelernt hatten. Daraufhin wurden sieben externe Manager eingestellt - erfolglos. Nach nur zwei Jahren wurden sie entlassen, und die Familie übernahm wieder selbst die Unternehmensführung. Mit einer neuen Regel: Frauen durften ab sofort das Unternehmen mitleiten.

2002 gelang schließlich die Wende, das Unternehmen schrieb wieder schwarze Zahlen. Heute ist das Unternehmen die drittgrößte Modekette nach Otto und H&M.

Doch es gibt auch Kritik

Es gibt jedoch auch Kritik: Kinderarbeit, krebserregende Stoffe in der Kleidung und Ausbeutung in Zulieferer-Betrieben wurden dem Unternehmen vorgeworfen. Als am 24. November 2012 eine Textilfirma in Bangladesch, die unter anderem für C&A produzierte, abbrannte, reagierte das Familienunternehmen: Kleidung darf seither nur noch unter menschenwürdigen Bedingungen produziert werden und die Kunden sollen wissen, wo ihre Kleidung genäht wird. 

Der Mega-Konzern C&A besteht bereits seit 175 Jahren. Ob eine Unternehmensführung, die nur auf Tradition und eigenem Regelwerk basiert, weiterhin funktionieren wird? Johanna Brenninkmeijer gibt ein abschließendes Statement: "Ich glaube - nicht, ich hoffe - dass es C&A noch in den 7.,8., 9., und 10. Generationen geben wird".  

Silvia Kluck

 

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