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„Schauen Sie sich doch bitte das hier mal an!“ Pannen und Peinliches aus dem Fernsehprogramm bildeten die Basis von Stefan Raabs Show „TV total“, die am 8. März 1999 erstmals zu sehen war.

Ende einer Ära

Stefan Raab macht Schluss: Die Wundertüte ist leer

Pro Sieben zeigt die letzte Ausgabe von Stefan Raabs Show „TV total“. Der einstige Hans Dampf wirkte zuletzt lustlos.

Er erfand Späße wie die „,Pfui‘-Kelle“ oder den „Pulleralarm“, ließ sich von der Hausfrau Regina Zindler aus dem sächsischen Auerbach zum Hit „Maschendrahtzaun“ inspirieren und beim Boxen von der damaligen Weltmeisterin Regina Halmich die Nase brechen – Stefan Raab schrieb mit seiner Pro-Sieben-Sendung „TV total“ Fernsehgeschichte. Doch jetzt ist nach mehr als 2200 Ausgaben Schluss mit lustig, denn der 49-jährige Entertainer, der über viele Jahre zu den kreativsten Köpfen der Branche zählte, beendet seine Fernsehkarriere. Heute um 23.15 Uhr läuft nach 16 Jahren die letzte Ausgabe von „TV total“, Deutschlands langlebigster Late-Night-Show. Und am kommenden Samstag nimmt Raab mit der letzten Ausgabe von „Schlag den Raab“ endgültig seinen Hut.

Die erste Ausgabe von „TV total“ flimmerte am 8. März 1999 über den Bildschirm, zuvor hatte sich der gebürtige Kölner seit 1993 als betont flegelhafter Moderator beim Musiksender Viva einen Namen gemacht. Seine für die damalige Zeit ungewöhnlich anarchische Sendung, die bewusst mit den Gesetzen des Genres brach, lief zunächst einmal, später viermal pro Woche und nahm Pannen und Peinliches aus dem Fernsehprogramm aufs Korn. Raab hatte vor allem beim jungen Publikum schnell Kultstatus, die Show holte als Wundertüte des kindischen, gerne unter der Gürtellinie angesiedelten Humors insbesondere bei den 14- bis 29-Jährigen anfangs sensationelle Marktanteile. In der Zielgruppe war „TV total“ eine Instanz wie die „Tagesschau“.

Respekt vor Traditionsformaten: Nicht vorhanden

Kritiker ließen anfangs kein gutes Haar an Raab, mussten ihm dann aber doch große Innovationskraft zubilligen. Jahrelang dachte sich die selbsternannte „Killerplauze“ auf der Basis von „TV total“ ein Showspektakel nach dem anderen aus. Er ließ pokern, im Schwimmbad vom Turm springen, mit dem Wok durch den Eiskanal oder mit Schrottautos über einen Parcours rasen. Und er selbst immer mittendrin. Naheliegend, dass sich seit 2006 – damals ein Novum in der Fernsehlandschaft – in „Schlag den Raab“ der prominente Moderator selbst dem Duell mit einem nichtprominenten Herausforderer stellte.

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Stefan Raab hört auf: Die Innovationsmaschine

Stefan Raab: Seine fünf größten TV-Skandale und -Legenden

Der Ideenreichtum des hochmusikalischen Entertainers war enorm, Respekt vor Traditionsformaten der Öffentlich-Rechtlichen nicht vorhanden. Raab traute sich alles zu, von der Karnevalssitzung über den popmusikalischen Wettstreit der Bundesländer („Bundesvision Song Contest“) bis zur Wahlsendung. Im Jahr 2000 trat er beim ESC an und belegte mit „Wadde hadde dudde da?“ Platz fünf. Zehn Jahre später führte er Lena Meyer-Landrut mit „Satellite“ sogar zum Sieg – sein wohl größter Triumph. Irgendwann begann es Auszeichnungen zu hageln, unter anderen den renommierten Grimme-Preis sowie den Deutschen und den Bayerischen Fernsehpreis. Als endgültigen Ritterschlag durfte sich Stefan Raab im Jahr 2013 für Pro Sieben-Sat.1 sogar zu den Moderatoren des Kanzlerduells zählen.

Fragwürdige und oft geschmacklose Gags auf Kosten normaler Leute

Doch der Fernsehstar bekam auch immer wieder Ärger – so gab es einen langjährigen Rechtsstreit um die Verwendung von Ausschnitten aus dem Programm anderer Sender in „TV total“. Mit fragwürdigen und oft geschmacklosen Gags auf Kosten ganz normaler Leute handelte sich der Spaßvogel auch Strafanzeigen ein, etwa in Zusammenhang mit seinen anzüglichen Witzen über eine damals 16-jährige Gymnasiastin. Am Ende wurden 70 000 Euro Schmerzensgeld fällig. Auch um das Ende von „TV total“ gibt es juristischen Ärger. Die Produktionsfirma „Brainpool“ will 80 Mitarbeiter feuern, doch ein Arbeitsgericht kassierte jetzt zwei Kündigungen und überprüft viele weitere.

„Ich habe mich entschlossen, zum Ende dieses Jahres meine Fernsehschuhe an den Nagel zu hängen“ – mit diesen Worten hatte der 49-Jährige im Juni dieses Jahres für eine große Überraschung gesorgt. Bei seinem Haussender Pro Sieben wird sein Abschied eine riesige Lücke hinterlassen. Allerdings waren die Quoten von „TV total“ schon längst nicht mehr gut gewesen und die Kritiken zuletzt wieder vernichtend. Die Show war nach Meinung vieler Beobachter zu einer Werbesendung verkommen, der einstige Hans Dampf wirkte lustlos. Früher zog Raab das Fernsehen durch den Kakao, zuletzt musste er sich vom jüngeren Kollegen Jan Böhmermann selber reinlegen lassen – der Scherzbold hatte ihm eine vermeintlich chinesische Version von dessen „TV total“-Spiel „Blamieren oder kassieren“ untergejubelt.

Cornelia Wystrichowski

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