Streit um Verschiebung von WDR-Film

- Köln - Nordrhein-Westfalens Integrationsminister Armin Laschet (CDU) hat die Debatte um den ARD-Film "Wut" als "hilfreich" eingestuft. Gewalt an Schulen und unter Jugendlichen sei ein "ernstes Problem", zitierte der Westdeutsche Rundfunk (WDR) Laschet am Donnerstag nach einer Diskussionsveranstaltung am Mittwochabend, die im Anschluss an "Wut" am Freitagabend um 23.30 Uhr ausgestrahlt wird.

Der niedersächsische Innenminister Uwe Schünemann (CDU) sagte, der Film breche ein Tabu und hätte auch bereits um 20.15 Uhr gesendet werden können, so wie es der WDR angestrebt hatte.

Die kontroverse Debatte war nach dem ARD-Intendantenbeschluss ausgelöst worden, den Film aus Jugendschutzgründen wegen harter Gewaltszenen von Mittwoch um 20.15 Uhr auf Freitag um 22.00 Uhr zu verschieben. "Der Film beschreibt etwas, was es gibt in diesem Land, nämlich Gewalt an den Schulen", meinte Laschet, der den Streit um das Werk als "unverständlich" bezeichnete und den Film auch als "nicht ausländerfeindlich" bewertete. Auch Schünemann, der ebenfalls an der Diskussionsrunde teilnahm, betonte: "Ich glaube, das Wichtigste ist, dass wir den Film wirklich gebraucht haben, um einmal das Tabu zu brechen. Zu sagen, einmal, es gibt Gewalt an unseren Schulen, zweitens - natürlich gibt es Ausländerkriminalität."

In dem realitätsnahen Drama geht es um den Jungen Felix (Robert Höller) aus gehobenen Verhältnissen, der von dem türkischen Jugendgang-Anführer Can immer wieder "abgezogen" wird. WDR-Intendant Fritz Pleitgen hatte die Verschiebung öffentlich kritisiert und der ARD mangelnde Courage vorgeworfen. "Wut" sei ein Film für junge Menschen und zeige eine Realität, wie sie vielen Jugendlichen begegne, die Erwachsene aber nicht wahrhaben wollten.

Bei der aufgezeichneten Diskussion, die im Anschluss an den 90- minütigen Film um 23.30 Uhr ausgestrahlt werden soll, nahmen auch der Kriminologe Christian Pfeiffer, der deutsch-türkische Regisseur Züli Aladag und Hauptdarsteller Oktay Özdemir (alias Can) teil. Aladag und Özdemir nannten die Verschiebung auf die späte Sendezeit in der von Sandra Maischberger und Aslim Sevindim moderierten Runde bedauerlich. Die Diskussion mit den Schülern habe gezeigt, dass junge Leute die Darstellung von Gewalt und Gegengewalt ausgehalten hätten.

Der ARD-Vorsitzende Thomas Gruber verteidigte die Verschiebung gegen Kritik auch aus den eigenen Reihen. "Wir wollen den Film nicht verstecken! Grund für die Verschiebung ist das Votum unserer Jugendschutz-Beauftragten", sagte Gruber der "Bild"-Zeitung (Donnerstag).

Am Dienstag hatte die ARD zu einer entsprechenden Aussage Grubers mitgeteilt: "Bei einer Sitzung der ARD-Jugendschutzbeauftragten Ende August waren alle Anwesenden übereinstimmend der Ansicht, dass der Film nach FSK-Gesichtspunkten nicht für eine Ausstrahlung um 20.15 Uhr geeignet ist. Dies wurde dem WDR als einbringendem Sender schon damals mitgeteilt." Dem widersprach am Donnerstag der stellvertretende WDR-Intendant Lutz Marmor. "Eine einheitliche Beschlussfassung der Jugendschützer für eine Platzierung des Films um 22.00 Uhr im Ersten hat es nicht gegeben."

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