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Johannes B. Kerner (li.) hatte die namhafteren Gäste. Günther Jauch war der bessere Moderator.

Fernsehkritik

Auf der Suche nach der Sensation

Unvorbereiteter Moderator und störende Gäste - wie ZDF und RTL am Sonntagabend das zu Ende gehende Jahr Revue passieren ließen.

Advent - Zeit für den obligatorischen Jahresrückblick der Fernsehsender. Sinnigerweise veranstalteten ZDF ("Menschen") und RTL ("Menschen, Bilder, Emotionen") ihre Reflexionen heuer als edlen Wettstreit zeitgleich am selben Abend. Wer beide sehen wollte, war gezwungen, mehr als drei Stunden lang vom einen Programm zum anderen zu zappen, immer auf der Suche nach der Sensation.

Da sich die Shows thematisch und in ihrer orange-gelbbraun-roten Studiodekoration glichen wie Zwillinge, erforderte dieser Sonntagabend vor allem höchste Konzentration. Denn fast alle Themen von RTL gab es auch beim ZDF - und andersherum. Während das ZDF langatmig die Beinahe-Bruchlandung eines Flugzeugs in Hamburg zur spektakulären Katastrophe mit glücklichem Ausgang stilisierte, fand Jauch den knappen, dem Geschehen angemessenen Rahmen.

So war es bei vielen Ereignissen, die beide Sender Revue passieren ließen, etwa Olympia oder die Fußballeuropameisterschaft. Kerner erschien gerade bei den Sportthemen irritierend unvorbereitet. Die zeitgeschichtliche Einordnung des Geschehens fehlte völlig. Und Goldmedaillengewinnern wie Britta Heinemann, Hinrich Romeike oder Matthias Steiner hätte auch Florian Silbereisen ähnlich viel entlockt.

Bei Geschichten wie der der zwangsverheirateten Nujood Ali aus dem Jemen erreichte Kerner allerdings Betriebstemperatur und säftelte, die werten Zuschauer mögen doch bitte verstehen, "dass wir hier nicht darüber sprechen wollen, dass die Ehe auch vollzogen wurde". Manchmal, das machten Momente wie dieser schmerzlich bewusst, könnte Schweigen wirklich Gold sein.

Diese Erkenntnis vermittelte auch RTL, allerdings nicht Jauch persönlich. Als störend erwiesen sich eher Gäste wie die aufgezäumte Provinznudel Sarah Connor oder Oliver Pocher, dessen viel zu lange Olli-Kahn-Parodie fast so schlimm war wie sein selbstgefälliges Gehabe im anschließenden Interview. Insgesamt gelang es Jauch öfter als Kerner, den Zuschauern etwas zu vermitteln, was sie noch nicht wussten.

Über Rennfahrer Sebastian Vettel etwa und seine Christophorusse in der Hosentasche oder über den fröhlichen Ex-SPD-Chef Kurt Beck, einen der wenigen Politiker in diesen vor Sportlern nur so wimmelnden Rückschauen.

RTL konnte mit dem besseren Moderator und den prominenteren Gesangsdarbietungen prunken, das ZDF dafür mit den namhafteren Gästen und den deutlich besseren Filmbeiträgen. Der ARD-"Tatort" dürfte trotzdem spannender gewesen sein.

Ulrike Frick

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