Tränen inklusive: In der Jubiläumsfolge von „Frauentausch“ wechselten Jeannette (l.) und Anette in die jeweils andere Familie, was vor allem Anette in diverse Ausnahmesituationen brachte.

RTL 2: "Frauentausch" mit Supermutti gegen Gammelmama

München -  Stubenhockerin gegen Sportskanone, Müslifreak gegen Schnitzelköchin, die Supermutti aus der Neubausiedlung gegen die Gammelmama aus dem Wohnblock – wenn Frauen aus den unterschiedlichsten Milieus in der Dokusoap „Frauentausch“ für zehn Tage die Plätze wechseln und das Regiment über Haus, Herd und Familie der jeweils anderen übernehmen, dann prallen Welten aufeinander.

Zur Gaudi des Publikums, das seine Freude an trashigem Fernsehen hat.

Heute um 21.10 Uhr zeigt der Münchner Privatsender RTL 2 die 250. Ausgabe der Reihe, in der schon manch derbes Wort gefallen ist und einmal sogar die Fäuste flogen, was im Fernsehen aber nicht gezeigt wurde. Zuvor gibt es um 20.15 Uhr eine Spezialausgabe mit den Highlights der vergangenen sieben Jahre – Kritiker würden wahrscheinlich eher von den Tiefpunkten sprechen.

Im Juli 2003 startete „Frauentausch“, seitdem wechselten 500 Teilnehmer Haushalt und Familie, 482 Frauen und 18 Männer spielten Bäumchen wechsle dich. In der Jubiläumsfolge tauscht die pingelige Mustermutti Anette mit der korpulenten „Heavy Metal“-Anhängerin Jeanette die Rollen. Anette steht auf Disziplin, Vollkornbrot und Sauberkeit – in Jeanettes lässig geführtem Haushalt, zu dem neben einer Spielautomatensammlung ein langhaariger Ehemann, zwei antiautoritär erzogene Kinder und fünf Tiere gehören, stehen ihr die Haare zu Berge.

Aus solchen Kontrasten saugt die Dokusoap Honig und trifft damit den Geschmack vieler Zuschauer, die es schlicht und grell mögen. Der Marktanteil ist seit Jahren relativ stabil, zuletzt lag er bei durchschnittlich 9,2 Prozent Marktanteil in der Zielgruppe der 14- bis 49-jährigen Zuschauer, also deutlich über dem RTL 2-Senderschnitt von 6,2 Prozent. Insgesamt schalten regelmäßig rund 1,5 Millionen Leute ein und warten darauf, dass es zwischen den Protagonisten zum Krach kommt, wenn etwa die Computerkids aus der Tauschfamilie gegen ihre sportversessene Mutti auf Zeit rebellieren oder ein bekennender Macho sich ärgert, weil die Neue von ihm verlangt, dass er den Müll runterbringt.

Allerdings gibt es in der Sendung nicht immer nur Knatsch, sondern auch mal eine Romanze. Neben 15 Heiratsanträgen gab es nach Auskunft von RTL 2 sogar eine Hochzeit, zwei Frauen gaben sich vor laufender Kamera das Ja-Wort. Das Special zu „Frauentausch“ lässt unter anderem jene Ausgaben Revue passieren, in denen die Beteiligten das Experiment genervt vorzeitig abbrachen, und sie erinnert an den Fall von Janine, der während der Tauschphase klar wurde, dass sie in ihrer Beziehung unglücklich ist und die sich danach sofort von ihrem Mann trennte.

Zum Jubiläum hat RTL 2 auch den Medienpsychologen Jo Groebel um ein Statement gebeten, der sich das Lob abringt, die Teilnehmerinnen seien selbstbewusste und mutige Frauen. Dem Zuschauer liefere die Sendung neben einer Prise Voyeurismus immerhin Gesprächsstoff für die eigene Familie.

Cornelia Wystrichowski

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