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Thomas Gottschalk wirkte beim "Supertalent" etwas blass.

„Das Supertalent“

Gottschalk seltsam blass

München - Alles wie immer bei „Das Supertalent“ (RTL) - mit einem Thomas Gottschalk, der in diesem Format seltsam blass wirkt.

Es ist noch gar nicht lange her, da war Thomas Gottschalk berühmt – und berüchtigt – für seine Bühnenpräsenz. Bei „Wetten, dass…?“ war der 62-Jährige eine Art Alleinunterhalter, der die Fragen, die er den Gästen auf dem Sofa stellte, am liebsten gleich selbst beantwortete und auch den Wettkandidaten wenig Zeit zum Reden ließ. Ein Platzhirsch, der sein treues Rehlein Michelle Hunziker stets konsequent wegbiss, wenn sie ihm in die Quere zu kommen drohte. Nun ist der große Blonde nur (noch) einer von drei Protagonisten einer Show, nicht Moderator, sondern Mitglied einer Jury, die von der Dramaturgie erst einmal zum Zuschauen verurteilt ist.

Und so fragt man sich nach diesem Samstagabend – der intensiven Berichterstattung über seinen Wechsel zum Trotz – ob dieser schmaler gewordene Lockenkopf hinter dem Tisch, neben Hunziker, die mit ihm zu RTL ging, und Dieter Bohlen, tatsächlich der Mann ist, der früher mit langen Schritten („Servus, servus!“) durch die Hallen der Republik eilte, um Weltstars zu herzen und Wetten zu erklären. Nun also muss der zuletzt bei der ARD so grandios Gescheiterte sein Revier teilen, noch dazu in einem Format, das er viele Jahre teils belächelt, teils scharf kritisiert hatte.

Natürlich ist Gottschalk auch im „Supertalent“ noch Gottschalk – ein Mann, der pointiert zu kommentieren weiß, der Sottisen loslässt, wie man sie von früher kennt. Und doch bleibt er blass, haben manche seiner Sätze nun einen seltsamen Klang, etwa, wenn er gleich zu Beginn einen Kandidaten, der mit viel Rasiercreme auf Gesicht und Oberkörper recht kindlich wirkende Verwandlungsspielchen treibt, sagt: „Du hast sicher viel Schaum fressen müssen, bis Du so weit warst.“ Gilt das nicht auch für ihn selbst?

„Du bist einer von den Typen, die ich immer gefürchtet habe“ – diesen Satz sagt er später zu einem Möchtegern-Parodisten, der für das steht, was an diesem Format zu Recht kritisiert wird, nämlich dass man Menschen vorführt, die nicht wissen, was sie sich mit einem solchen Auftritt antun. Der Fall des Wolfgang-Petry-Epigonen zeigt, dass RTL bei dieser Castingshow nicht auf solche Acts verzichtet, nur weil nun eine Ikone des öffentlich-rechtlichen Fernsehens im Studio sitzt. Da hilft es auch nicht, dass der große Blonde dem Mann, der gar nicht aufhören will, (falsch) zu singen, beim Abgang von der Bühne ein „Ich wollte Dich retten!“ nachruft.

Auch andere Auftritte zeigen, dass die Köche dieses Konzepts für das aktuelle Produkt konsequent dieselben Zutaten verwenden. Es gibt den (herz-)kranken Neunjährigen mit dem Traum von der großen Karriere, der das Mitleid der Zuschauer wecken soll – und nach seiner Performance ertragen muss, von Michelle Hunziker auf den Schoß genommen und abgeküsst zu werden. Und es gibt den jungen Mann, der früher geschlägert hat und durch die Musik ein besserer Mensch werden will.

Die Regie spart auch diesmal nicht mit Zeitlupen, Sequenzen mit verblassten Farben und dem immer gleichen Blick auf die Gesichter der Juroren und der Zuschauer, die – je nach Qualität des Gesehenen – angestrengt staunen oder ebenso angestrengt vor Schreck oder Ekel die Augen zukneifen.

Es ist alles wie immer, außer dass der männliche Neuzugang in der Jury akzentfrei Deutsch spricht – und dass es natürlich auch Künstler wie den „Handfurzer“ gibt, die man sich sogar bei „Wetten, dass…?“ vorstellen könnte. Gottschalk hat für jeden einen flotten Spruch, toleriert aber auch den riskanten Sprung eines 87-Jährigen, dessen Wohl oder Wehe von der Körperkraft eines einzelnen Menschen abhängt – so, als hätte es den Unfall Samuel Kochs nie gegeben.

Die erwarteten – oder erhofften – Hahnenkämpfe der alten Rivalen Gottschalk und Bohlen bleiben am Samstag weitgehend aus, es muss ja auch noch etwas geben, womit man werben kann in den nächsten Wochen. Und danach wird Bilanz gezogen. Wird wie bisher weitergemacht oder anders, mit dem großen Blonden oder ohne ihn? Nicht, dass er am Ende nicht als „Wetten, dass…?“-Legende in die Fernsehgeschichte eingeht oder als „Supertalent“-Juror, sondern nur als der, als den ihn besagter Neunjähriger charakterisierte – „der von den Gummibärchen".

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