An Tabus rühren

- Regisseur Dieter Wedel (64) kehrt mit einem ungewöhnlichen Film auf den Bildschirm zurück: "Mein alter Freund Fritz", mit Ulrich Tukur und Veronica Ferres in den Hauptrollen und Maximilian Brückner als Geistererscheinung, zeichnet ein erschreckendes Bild vom Alltag in deutschen Krankenhäusern. Tukur spielt den Chefarzt eines Krankenhauses, der von einem alten Trauma heimgesucht wird. Wedel, der als "König der Mehrteiler", mit Werken "Der große Bellheim" oder "Der Schattenmann" für Aufsehen sorgte, beschränkte sich diesmal auf einen einzelnen Spielfilm.

Welche Erfahrungen mit Krankenhäusern haben Sie bei Ihrer Recherche gemacht?

Dieter Wedel: Ich war von manchem schockiert. Ärzte verbringen mehr als ein Drittel ihrer Zeit am Computer mit Verwaltungsaufgaben statt am Krankenbett. Immer weniger Ärzte müssen immer mehr Patienten versorgen. Der kommerzielle Druck ist so groß, dass Operationen durchgeführt werden, die nicht zwingend notwendig sind. Aber die teuren Geräte in OPs müssen ja ausgelastet werden.

Wie lautet Ihre Botschaft an Politik und Gesundheitswesen?

Wedel: Zunächst einmal will ich eine packende Geschichte erzählen, dabei werde ich natürlich nicht aussparen, dass die Schere zwischen dem medizinisch Machbaren und dem noch Bezahlbaren immer weiter auseinanderklafft. Auch wenn es niemand offen aussprechen will: Die Zwei-Klassen-Medizin haben wir längst. Und durch die Kommerzialisierung wächst der Druck auf die Ärzte, profitabel zu arbeiten.

Besonders aufwühlend ist Ihnen eine Sterbeszene mit Schauspieler Otto Schenk gelungen.

Wedel: Das ist ein ganz großer Schauspieler. Diese Szene hat das Team und mich sehr bewegt. Beim Drehen hätte man eine Stecknadel fallen hören können. Damit rühren wir auch an ein Tabu, denn: So stirbt man nicht im Fernsehen. Da wird mal schnell durch Messer und Pistole gestorben. Ich bin sicher, dass man nicht auf solche Szenen und auf die schonungslose Darstellung des Krankenhausalltags verzichten soll, nur weil man befürchtet, die Zuschauer zu verprellen. Denen kann man viel mehr zumuten, als viele ängstliche Programmplaner vermuten.

Beklagen Sie damit mangelnden Mut bei Deutschlands Fernsehmachern?

Wedel: Ja. Die Angst vor Misserfolg ist lähmend. Wenn man Misserfolge nicht riskiert, indem man Neues ausprobiert, hat man auch keine richtigen Erfolge. Es ist gewagt, eine Krankenhaus- mit einer Geistergeschichte zu kombinieren, aber genau das ist auch reizvoll.

Wie kamen Sie auf die Idee dieser Geistergeschichte?

Wedel: Als meine Mutter nach einer Herzoperation starb, wirkte sie wenige Minuten nach ihrem Tod auf mich vollkommen verändert. Als wäre etwas von ihr gegangen. Ich sprach den Arzt darauf an, doch der antwortete kaltschnäuzig: "Ich habe schon 20 000 Herzen aufgeschnitten und nie so etwas wie eine Seele gefunden."

Und woran glauben Sie?

Wedel: Ich denke, dass es so etwas wie eine ordnende Kraft über uns gibt. Ich mag nicht glauben, dass nach dem Tod gar nichts mehr kommt. Aber eine genaue Vorstellung habe ich natürlich auch nicht.

Warum stellen Sie ein so ernstes Thema in einer Mischung aus Komödie und Drama dar?

Wedel: Ich versuche den Spagat, weil mich gerade das scheinbar Unvereinbare reizt. Ich versuche, die Leute mit einer Geschichte gleichzeitig zum Lachen und zum Weinen zu bringen. Schon bei Shakespeare kann man lernen: Das Dunkle wird noch dunkler, wenn es zwischendurch mal hell wird.

Erstmals haben Sie mit Veronica Ferres gedreht. Wie war die Zusammenarbeit?

Wedel: Ganz wunderbar. Anfangs war ich aufgeregt. Wir kennen uns schon seit 15 Jahren, haben aber nie miteinander gearbeitet. Und gleich zu Beginn stand eine Schlafzimmer-Szene mit ihr und Ulrich Tukur an. Doch mit Scherzen haben wir die ganze Situation wunderbar aufgelockert. Und als ich sie mal fragte, warum sie als so schwierig gilt, antwortete sie nur: "Ist ja merkwürdig, dass ausgerechnet Du mich das fragst."

Das Gespräch führte Dorit Koch

ZDF, heute, 20.15 Uhr.

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