Bevor er zu den "Tagesthemen" kam, war Thomas Roth Korrespondent (unter anderem in Moskau,) und viel unterwegs.

Anchorman verabschiedet sich

Tagesthemen: Thomas Roth sagt im Interview Servus

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Hamburg - Thomas Roth verabschiedet sich als Sprecher der Tagesthemen in den Ruhestand. Mit der tz hat er im Interview über seine lange Karriere im Journalismus gesprochen.

Ingo Zamperoni (r.) folgt auf Thomas Roth.

Update vom 24. Oktober 2016: Der USA-Korrespondent der ARD kehrt nach Hamburg zurück: Ab dem heutigen Montag ist Ingo Zamperoni als "Tagesthemen"-Moderator zu sehen.

Ein Journalistenleben, das den Namen wirklich verdient: Thomas Roth war Korrespondent in Johannesburg, Studioleiter in Moskau, Chefredakteur des Hauptstadtstudios, Hörfunkdirektor, Korrespondent in New York – und schließlich zuletzt, seit 2013, Moderator der Tagesthemen, alles für die ARD. Wenn der 64-Jährige am Sonntag nun zum letzten Mal den Zuschauern die Welt erklärt und sich dann in den Ruhestand verabschiedet, geht eine Ära zu Ende. Für die tz nahm sich Roth (geboren in Heilbronn) die Zeit, um auf dieses Journalistenleben zurückzublicken.

Herr Roth, Sie moderieren in dieser Woche zum letzten Mal die „Tagesthemen“, dann gehen Sie in den Ruhestand. Wie fühlt sich das für Sie an?

Thomas Roth: Es fühlt sich gut an. Ich weiß ja schon lange, wann es enden wird und konnte mich darauf einstellen. Ich habe allerdings schon den Verdacht, dass ich am Sonntag bei der letzten Sendung eine kleine Melancholie spüren werde. Das finde ich aber völlig normal.

Sie sind mit der Entscheidung im Reinen?

Roth: Oh ja. Absolut. Ich freue mich vor allem da­rüber, dass ich mit Ingo Zamperoni einen so tollen Nachfolger habe. Er gehört einer anderen Generation an als ich, wird die Moderation entsprechend neu gestalten, und ich bin mir sicher, dass ihm genau das Vertrauen entgegengebracht wird, was ich all die Jahre genossen habe. Ich wünsche ihm „Good Luck“.

Die Zeit bei den „Tagesthemen“ macht bei Weitem nicht den größten Teil Ihrer Karriere aus. Sie waren vor allem Korrespondent – in Johannesburg, mehrfach in Moskau und dann in New York. An welcher dieser Stationen hing Ihr Herz am meisten?

Roth: Das ist schwer zu sagen. Aber sicherlich hat mich die Zeit in Afrika sehr geprägt. Ich hatte das große Glück, Nelson Mandela zu treffen, der mich unglaublich beeindruckt hat. Darüber hinaus habe ich unfassbar tolle Reisen unternommen. Diese faszinierende Wildnis, die riesigen Naturparks – das zündet einen an. Anders kann man es nicht sagen. Und man behält danach immer ein bisschen südafrikanische Sonne im Herzen.

Bis heute?

Roth: Ja, bis heute (lacht). New York war für mich allerdings auch ein Höhepunkt. Ich hatte mir schon immer gewünscht, dort zu leben, aber nie so recht daran geglaubt, dass das mal Wirklichkeit werden würde. New York ist eine Stadt, die wirklich niemals schläft und einem viel Kraft und Energie raubt – aber absolut faszinierend ist. Ich durfte dort Leute wie Leonardo DiCaprio, Sting und Bruce Spring­steen interviewen, einer meiner großen Heroes (lacht). Das war großartig. Alles in allem habe ich das Gefühl, dass ich ein sehr befriedigendes journalistisches Leben habe leben dürfen. Dafür bin ich dankbar.

Was bedeutet so ein Korrespondentendasein eigentlich für das Privat­leben?

Roth: Viel Bewegung. Vor allem für die Familie. Meine jüngere Tochter, die inzwischen auch schon 25 ist, ist in Moskau in den Kindergarten und die Grundschule gegangen, die ältere war in Südafrika mit dabei. Das war für die beiden sicher manchmal viel, sie mussten sich immer wieder neue Freunde suchen, aber heute sagen sie mir, dass es vor allem spannend für sie gewesen sei.

Der Beruf des Journalisten, gerade der des Korrespondenten, hat sich in den vergangenen Jahren stark verändert. Würden Sie einem jungen Menschen, der heute Journalist werden möchte, zuraten?

Roth: Ja natürlich. Es ist der schönste Beruf, den es gibt. Finde ich jedenfalls. Wenn das Feuer in einem brennt, dann hat man auch gar keine Wahl. Dann muss man es machen.

Sie wollten schon immer Journalist werden, oder?

Roth: Ja. Als ich während meiner Schulzeit zur Berufsberatung ging und sagte, ich wolle Journalist werden, da haben die allerdings die Hände über dem Kopf zusammengeschlagen.

Brotlose Kunst?

Roth: Brotlose Kunst, schlechter Ruf, das waren damals so die Klischees. Mich hat das aber nicht abgeschreckt. Ich war mir sicher, dass ich diesen Weg gehen wollte. Das ist übrigens die beste Voraussetzung für jeden Beruf: dass man brennt für das, was man machen möchte. Wenn sie aus einem Tierpfleger einen Metzgergesellen machen wollen, geht das schief. Wenn ich etwas anderes hätte machen müssen, wäre das sicher auch schiefgegangen. So war es Gott sei Dank nicht.

Wenn Sie nun am Montagmorgen aufwachen und wissen, das Fernsehen – zumindest Ihr Leben vor der Kamera – ist für Sie Geschichte. Worauf freuen Sie sich am meisten?

Roth: Auf all meine Freunde. Auf meine Familie. Ich habe inzwischen eine Enkelin. Dass ich für die Zeit habe, darauf freue ich mich wirklich am meisten. Interview:

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