Talkshow von Anne Will: "Es gibt keinen Handlungsbedarf"

Berlin - Es ging an diesem Sonntagabend um nichts weniger als um Armut in Deutschland. In der Runde - mit einer Ausnahme - soignierte Herren, die sich recht akademisch darüber stritten, ob ein Mindestlohn das Richtige sei oder doch lieber ein höheres Arbeitslosengeld.

Und abseits - auf verlorenem Posten - Edith Frank von der Dresdner Tafel, die tagtäglich mit Betroffenen zu tun hat, mit Menschen, die "ihre Würde verloren haben", weil sie sich nicht mehr aus eigener Kraft ihr tägliches Brot leisten könnten.

Am Tag nach dieser Ausgabe von "Anne Will" ist jedoch nicht die Frage das Thema, ob das eine besonders gute oder eine besonders schlechte Sendung war, sondern, wie lange es diesen Polittalk überhaupt noch gibt. Es habe sich unter den ARD-Oberen offenbar eine Mehrheit formiert, die "ernsthaft darüber nachdenkt", Frank Plasberg, der derzeit mittwochs "Hart aber fair" präsentiert, auf den Sonntag zu befördern, berichtet der "Focus". Für die Ex-"Tagesthemen"-Moderatorin solle ein "Reportageformat" entwickelt werden. Es gehöre "das beste Konzept auch auf den besten Sendeplatz", zitiert das Blatt eine "ARD-Führungkraft".

Spekulationen, denen ARD-Chef Fritz Raff gestern vehement entgegentrat: "Es gibt keinerlei auch nur annähernd dem Thema des ,Focus-Artikels entsprechende Meinungsbildung", so Raff. Anne Will sei für ihre Sendung jüngst beim Treffen der Intendantinnen und Intendanten "ausdrücklich gelobt" worden, so Raff. Sowohl Wills Sonntags- als auch Plasbergs Mittwochstalk seien sehr erfolgreich: "Einen Handlungsbedarf gibt es deshalb nicht."

Auch bei der ARD-Programmdirektion in München bezeichnete man den Artikel gestern als "Quatsch". Die dort zitierte Äußerung des scheidenden Programmdirektors Günter Struve, der für den Sommer eine Lösung des Problems ankündigt, beziehe sich auf die uneinheitliche Anfangszeit der "Tagesthemen", so Sprecher Burchard Röver. Die von Struve erwartete Zuschauerzahl von dreieinhalb Millionen werde von Anne Will "locker erreicht". Nach ARD-Angaben erreichte die Talklady mit ihrer Sendung zuletzt sogar durchschnittlich 3,9 Millionen Menschen, bei Plasberg schauen mittwochs im Schnitt 3,2 Millionen zu.

Will muss seit dem Start ihrer sonntagabendlichen Sendung mit Kritik leben. So wurde ein Papier des ARD-Programmbeirats publik, in dem bemängelt wurde, dass sich nicht viel gegenüber dem Vorgängerformat "Sabine Christiansen" geändert habe. Das Diskussionsschema sei "starr und wenig flexibel". Wer die Sendung vom vergangenen Sonntag gesehen hat, kann das nicht ganz falsch finden.

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