Tanzende Schneemänner

- Kernig. Authentisch. Ungekünstelt. Keine Adjektive, die man mit Florian Silbereisen in Verbindung bringen würde. Der schunkelnde Schwiegermuttertraum moderiert seit geraumer Zeit die "Feste der Volksmusik" in der ARD und gilt als so etwas wie die Rettung der inzwischen mit beiden Beinen in der Geriatrie stehenden Branche. Sieht man sich die vaselineartige Verbindlichkeit seiner Kollegen vom "Musikantenstadl" oder der "Straße der Lieder" an, wächst einem der goldlockige Silbereisen fast ans Herz. Nach der am Samstagabend meisterlich absolvierten Show "Am laufenden Band" ohnehin.

Frischzellenkur für die Volksmusiksparte

Eine Hommage an den großen Rudi Carrell sollte es werden. Kombiniert mit vorweihnachtlichen Sangesdarbietungen einschlägiger Schlagermusikanten aus dem Alpenländischen, um die Volksmusikfans nicht zu verprellen. Skepsis schien angebracht. Muss das sein, ausgerechnet eine legendäre Fernsehshow wie "Am laufenden Band" zu reanimieren? Noch im Todesjahr des einstigen Moderators? Die Sparte der Volksmusiksendungen hatte zweifellos eine derartige Frischzellenkur dringend nötig. Nur noch knapp 450\x0f000 Zuschauer der Volksmusikformate sind jünger als 50 Jahre, ergab kürzlich eine Umfrage. Da musste dringend etwas geschehen. Die Neuauflage von "Am laufenden Band" ist demnach als Versuch zu verstehen, endlich auch jüngere Zielgruppen mit Herrn Silbereisen vertraut zu machen. Geschickt wurden die Hauptbestandteile des Konzepts unter Mitwirkung der Carrell-Tochter Annemieke modernisiert, die Optik mit aufwändigen Dekorationen und Lichteffekten den heutigen TV-Sehgewohnheiten angepasst.

Auch bei Silbereisen standen vier Kandidatenpaare auf der Bühne, um sich gegenseitig in harmlos-liebenswerten Spielchen auszustechen. Dazu der Big-Band-Sound der großen Fernsehshows der Siebzigerjahre, eine lieblich lächelnde Assistentin, ein ordentlich frisierter Moderator, der stolperfrei eine Showtreppe hinuntertänzelt und dazu ein Liedchen trällert. Alles live, versteht sich. Das gab‘s schon lange nicht mehr. Misst man die Begeisterung in der Stadthalle in Zwickau, wurde dieses Showarrangement aus der Kinderzeit des Fernsehens schmerzlich vermisst. Silbereisens Gedenksendung mit Flitter und Kunstschnee, den tanzenden Schneemännern und Stargästen von Karel Gott und Mireille Mathieu bis hin zu Castingklonen wie Monrose oder Us Five brachte den lange vermissten, familienkompatiblen Glamour zurück in die Wohnzimmer. Optisch beeindruckend in seiner Perfektion, allseits gefällig in seiner fröhlich-braven Biederkeit.

Die bombastische Inszenierung der Sendung wies deutliche Parallelen zu "Wetten, dass .\x0f.\x0f.?" auf. Bis aus Silbereisen ein zweiter Thomas Gottschalk wird, muss er noch etwas üben: Ein paar Takte selbstsicherer werden beispielsweise. Ruhiger in der Mimik und Gestik. Gelassener im Umgang mit seinen prominenten Gästen. Mit den Kandidaten geht er aber jetzt bereits so natürlich und liebenswürdig um, wie man es sich von dem nach Starappeal gierenden Gottschalk im Gespräch mit seinen Wettkönigen immer nur wünschen kann.

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