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Beeindruckend: Sibel Kekilli und Tom Wlaschiha.

TV-Kritik

Tatort: Ein Krimi ohne Sozialkitsch

Der jüngste Kieler „Tatort“ (ARD) taucht tief ein in den Alltag des deutschen Prekariats, mitten rein in einen Kieler Problembezirk. Lesen Sie hier die Kritik:

Dort wurde der olle Onno, ein pädophiler, versoffener Sozialhilfeempfänger in seiner verwahrlosten Wohnung erschlagen. Mit einem Hammer, der noch neben der Leiche liegt. In Frage kommen einige, denn bei Onno Steinhaus war immer viel los.

Die Drehbuchautoren Eva und Volker Zahn haben „Borowski und die Kinder von Gaarden“ als klassischen „Whodunit“-Krimi aufgebaut. Ein Verdächtiger nach dem anderen wird – ein wenig zu brav – abgearbeitet. Waren es die jugendlichen Schläger, die nachmittags immer bei Onno herumhingen und mit ihm „Party machten“? War es der 15-jährige Timo, den Onno angeblich sexuell belästigt hatte? Oder war es der Kiezpolizist Thorsten Rausch (Tom Wlaschiha), der breitbeinig wie ein Westernheld durch sein Revier marschiert und mit Sonnenbrille und dem Grinsen eines notorischen Weiberhelden für seine ganz spezielle Auffassung von Recht und Ordnung sorgt?

In den Momenten des reinen Beobachtens ist Florian Gärtners sozialkitschfreier „Tatort“ am stärksten. Zwischen den Zeilen wird in „Borowski und die Kinder von Gaarden“ viel mehr erzählt als in dem eher schlichten Skript. Manchmal helfen Worte eben einfach nicht. Wenn ein kleiner Junge mit seinem riesigen Köter nirgendwo einen Platz findet. Wenn der Kriminalbeamte Klaus Borowski (Axel Milberg) merken muss, dass seine einstudierte Polizistenautorität gegenüber den aufgekratzten Halbstarken nicht greift. Oder wenn seine Partnerin Sarah Brandt (Sibel Kekilli) angesichts des Helden aus Jugendtagen schnell wieder in alte Verhaltensmuster zurückzufallen scheint.

Wie Wlaschiha und Kekilli, seit „Game of Thrones“ Schauspielkollegen, da in wenigen Szenen und ohne viele Worte ganz viel verpasste Chancen und zerplatzte Träume zeigen, ist absolut beeindruckend.

Ulrike Frick

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