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Keine Beweise: Kommissar Freddy Schenk (Dietmar Bär, re.) befragt Ralf Trimborn (Armin Rohde).

TV-Kritik

Kölner "Tatort": Zu nett, um wahr zu sein

Ein mordender Ex-Knacki, der zu nett ist, Figuren, die zu blass sind: "Dicker als Wasser", der aktuelle Kölner "Tatort", will nicht so recht überzeugen. Die TV-Kritik:

Er kann nicht schlafen, deswegen streift Kriminalhauptkommissar Freddy Schenk (Dietmar Bär) nachts durch Köln. Und wenn er schon einmal da ist, versucht er – Polizist ist eben Polizist – Kleinganoven dingfest zu machen, doch sie schlagen ihm ein Schnippchen und fixieren ihn mit den eigenen Handschellen. Dumm gelaufen.

„Dicker als Wasser“, der jüngste ARD-„Tatort“-Fall für Schenk und seinen Kollegen Max Ballauf (Klaus J. Behrendt), spielt unüberseh- und unüberhörbar mit dem Frust der Gesetzeshüter, denen buchstäblich die Hände gebunden sind, die zuschauen müssen, wie das Verbrechen grassiert, wie ganz konkret ein Erz-Schurke mit Freund und Feind abrechnet und munter vor sich hin mordet. Was diesen Krimi betrifft, zu dem Norbert Ehry das Drehbuch schrieb, so geht die Rechnung aber leider nicht auf. Zu wenig abgründig, zu wenig wirklich angsteinflößend ist der von Armin Rohde verkörperte Ex-Knacki Ralf Trimborn, der, kaum wieder draußen, alles im Griff hat – den Sohn, dessen Freundin, den Ex-Geschäftspartner und nicht zuletzt die Kriminaler, die sich schon bald für ihn interessieren.

Rohde ist – bei aller zur Schau gestellten Brutalität – als Parade-Bösewicht immer eine Spur zu nett, zu jovial, man nimmt ihm den eiskalten Killer nicht ab. Leider kein Vergleich zu seinem grandiosen Spiel in Joachim Króls Frankfurter „Tatort“-Finale „Das Haus am Ende der Straße“ vor ein paar Wochen, als der Schauspieler einen tieftraurigen Ex-Polizisten spielte, der sich zum Herrn über Leben und Tod macht.

In Kaspar Heidelbachs seltsam leblos wirkender Folge ist Rohde trotz allem noch die herausragendste, unterhaltsamste Figur, die anderen bleiben blass. Laura (Alice Dwyer), die Freundin des ersten Opfers, Jochen Nickel als dessen seltsam stoischer Vater und nicht zuletzt Ludwig Trepte als Trimborns Filius und Komplize Erik schaffen es nicht, ihren Rollen Profil zu geben. Wie auch, bei einer so konventionellen Dramaturgie und bei Dialogen, die aus einem Rosamunde-Pilcher-Film entlehnt zu sein scheinen? „Meine Mutter – wie war sie?“ fragt Erik mit großen Augen seine Großmutter, als ihm dämmert, dass der Papa einst die eigene Frau abgemurkst hat, um die Lebensversicherungssumme zu kassieren.

Arg konstruiert schließlich auch der Konflikt zwischen den Ermittlern über die Rechtmäßigkeit polizeilicher Methoden – einschließlich der kurzzeitigen (Selbst-)Suspendierung, die man so oder so ähnlich schon oft gesehen hat. Vielleicht hätte man ja dem schlaflosen Schenk empfehlen sollen, statt auf die Straße zu gehen den eigenen Krimi anzusehen. Dann wäre er vermutlich erst bei der finalen Schießerei wieder aufgewacht.

Rudolf Ogiermann

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